"Die #ZukunftderArbeit kommt – und das ist auch gut so"

Ich hatte die Freude, zusammen mit 17 weiteren Autoren und mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung, an der  “Proklamation Zukunft der Arbeit” zu arbeiten, die am 19. Nov 2015 anlässlich des IT-Gipflers 2015 in Berlin veröffentlicht wurde.

Als kurze Einführung dient der hier angehängte Text, den wir gemeinsam erstellt haben und den Ole Wintermann im Blog “arbeiten4punkt0.org” veröffentlicht hat.

“Die #ZukunftderArbeit kommt – und das ist auch gut so

Wir haben es in der Hand die #ZukunftderArbeit mit einem klaren Fokus auf die menschliche Bedürfnisse zu gestalten, wenn wir unsere Haltung und Lebensart aktiv in diese Entwicklung einbringen. Lassen wir die Chancen ungenutzt verstreichen, steigt das Risiko, dass mit Arbeit 4.0 der Mensch gegenüber den reinen Marktkräften und den Algorithmen weiter verliert.
In den letzten Monaten haben sich 18 Autoren im Nachgang des BarCamps Arbeiten 4.0 Gedanken darüber gemacht, wie die Arbeit der Zukunft aussehen könnte, unter welchen globalen Rahmenbedingungen wir arbeiten werden und welche ethischen Fragen mit dem Wandel der Arbeitswelt verbunden sind.
Konservativer Korporatismus verhindert das digitale Deutschland
Um aber die #ZukunftderArbeit im Sinne der einzelnen Menschen gestalten zu können, ist es an der Zeit zu realisieren, dass die technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen unseres globalen Arbeitsumfeldes auch in Deutschland ein Überdenken tradierter Denk- und Sichtweisen in allen Bereichen der Arbeitsmärkte bedingen. Wir sollten uns von den althergebrachten Sichtweisen der Lobbyverbände an den beiden Polen des Arbeitsmarktes verabschieden. In Deutschland misstrauen viele der disruptiven Kreativität. Ihre Möglichkeiten sind weithin unbekannt. So entsteht Angst vor Verlusten und Neuordnungen, die alte Strukturen aus den Angeln zu heben vermag. Als Reaktion darauf bleibt die Mehrheit der Firmen einem konservativen Korporatismus des rheinischen Marktwirtschafmodells treu.
New Digital Deal
Die Digitalisierung lässt zunehmend neue Formen entstehen über die wir unsere Wahrnehmungen und Befindlichkeiten ausdrücken. So bekommt die Zivilgesellschaft eine veränderte Stimme und ein neues Gesicht. Menschliche Digitalisierung der Arbeit verlangt unter anderem Authentizität, Selbstbestimmung sowie Teilhabe. Die #ZukunftderArbeit braucht die Ressource der Intelligenz der Menschen. Dazu gilt es, die gute alte hierarchische Ordnung zu überdenken. Denn wo im Netzwerk gearbeitet wird, stören Freigabeprozesse nur. Zudem wird in Netzwerken eine natürliche Führungsstruktur wirksam, die sich nicht selbstreferentiell verhält und damit weniger verwundbar oder anfällig zeigt. Das hebelt die bisher auf dem Arbeitsmarkt stillschweigend übliche Massenvereinbarung – Gehorsam gegen Entgelt – aus. Die damit sinnvoll verbundene Neuverteilung der Erträge kommt einer Revolution gleich.
Der „Neue Digitale Deal“ ermöglicht den Menschen auch in ihrem Arbeiten endlich die Freiheit, die die Digitalisierung für sie bereit hält und die sie im privaten Umfeld in vielfältiger Weise bereits heute schon intensiv nutz. Er macht das gegen das Interesse der Wahrer und der Bedenkenträger. Um die weitere Öffnung der Schere zwischen “privater- und arbeitsbezogener Freiheit” zu vermeiden, braucht es aus Politik und Wirtschaft eine breit initiierte Agenda “2030”, die den Umgang zwischen uns Menschen, den Organistaions- und Führungsstrukturen in denen wir Arbeiten und der digitalen Technik sinnvoll sowie wertbasiert verortet.
Digitale Transformation steht nur auf einem kulturellen Fundament stabil
Transformation bedeutet im Zuge dieses Digital Deals, über das Bestehende hinauszukommen, den nächsten logischen Schritt der Freiheit zu gehen, auf eine neue Stufe zu gelangen, den Status Quo hinter sich zu lassen. Mit Reförmchen gibt man die Chancen der Digitalisierung unserer Arbeit von vorne herein verloren. Neues Denken versteht die digitale Technik als Kulturtechnik. Die digitale Transformation beinhaltet immense Auswirkungen wie auch Potenziale – gerade für Deutschland. Bei den schlagkräftigen, etablierten Akteuren stehen weiterhin wohlfeile Sonntagsreden und Lippenbekenntnisse im Vordergrund vor echtem Innovieren, womit diese die globalen Treiber der Entwicklung negieren und Deutschland in Richtung eines digital-sozialen Entwicklungslandes vor sich hindümpeln lassen.
Die #ZukunftderArbeit verlangt von uns – neben den technischen Aspekten der Digitalisierung – vielfältige ethische Herausforderungen zu lösen. Wir fordern von Unternehmen, hier glaubwürdige Antworten anzubieten. Nur so können sie, wenn überhaupt, im globalen War for Talents bestehen.
Vorurteile gegenüber digitalen Möglichkeiten abbauen
Wir brauchen den Mut, evolutionär und transformativ zu denken und Neues zu wagen. Das Bildungssystem ist derzeit Teil des Problems und nicht der Lösung. Hier bedarf es grundlegender Änderungen, damit sie substanzielle Beiträge zur Entfaltung der digitalen Potenziale leisten können und so große Teile der Bevölkerung erst an digitalen Chancen und Mehrwerten teilhaben lassen können. Die jüngeren Generationen wachsen bereits mit dieser neuen Kulturtechnik auf. Gleichzeitig halten sie auch weiterhin in Europa an diesen überholten Modellen fest, weil sie beständig mit den Vorbehalten konfrontiert werden. Jüngere Menschen in anderen Gesellschaften werden innovativer mit den Potenzialen verfahren können.
Soziale Sicherungs- und Steuersysteme neu denken
Der veränderte Umgang mit sozialen Systemen und die Entstehung neuer Steuerlogiken folgen zwangsläufig aus dem grundlegenden Wandel des Faktors “Arbeit” in der Wertschöpfung. Etliche Studien zeigen, dass die Digitalisierung jede Einkommenshöhe und jedes Qualifikationsniveau treffen kann.
Wird der Algorithmus und der Roboter der verlängerte Arm des Beschäftigten, fallen große Teile des Arbeitsmarktes durch die digitale Disruption weg und verlieren nationale Steuergrenzen in einem komplett globalisierten Wirtschaftssystem ihre Wirkung.
Es macht demnach Sinn, über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens und eines supranationalen Steuersystems nachzudenken. Gleichwohl wird auch ein Grundeinkommen nicht die Fliehkräfte einer ungerechten Einkommensverteilung auffangen können. Hier bedarf es fundamental neuer sozialer Gesellschaftsdiskurse.
Gegen German Googlephobia in der Politik
Ein nationalstaatlicher Protektionismus im Politikfeld der Digitalisierung – Stichwort German Googlephobia – ist keine wirksame Handhabe gegen digital induzierte und disruptive Innovationen. Gesetze verhindern keine Ideen, deren Zeit gekommen ist. Die Welt um uns herum bewegt sich bereits in der Transformation der Arbeit. Mit oder ohne uns. Stillhalten heißt, dass Deutschland sich abhängen lässt.
Verschlafen wir die #ZukunftderArbeit einfach weiter, übernehmen andere die Verantwortung dafür. Wir verkommen dann zu einer Randerscheinung globalen Fortschritts. Den Weg von einer führenden Wirtschaftsnation zum Dritt-(Arbeits-)Welt-Land verkürzt die global dynamische Komplexitätssteigerung ebenso wie die stattfindende weltweite Digitale Transformation rapide. Oder aber weiter gedacht: Inwiefern ein nationalstaatlicher Wettbewerb heute überhaupt noch zeitgemäß erscheint, sollte in den politischen Kreisen des föderal zersplitterten Landes umfänglich diskutiert werden.
Megatrends verlangen nach einer Politik 2.0 und nach digitalen Bürgern
Wir stehen zum ersten Mal in der Geschichte an der Schwelle, dass künstliche Intelligenz unsere Arbeit in allen Lebensbereichen übernehmen kann. Damit stehen wir mehr als je zuvor am Scheideweg menschlichen Wirtschaftens. Wir können auf 100% Technisierung setzen und uns (soziale abgefedert) aus dem Produktions- und vielen Serviceprozessen zurückziehen oder die Maschinen und Computer weiter nutzen, um in den humanen Nischen noch besser zu werden: Kreativität und zwischenmenschliche Interaktion. Oder wir können weiter den Kopf in den Sand stecken. Dann entscheiden eben andere über unsere Zukunft.
Wir plädieren für einen offenen Umgang mit der digitalisierten Arbeit. Die nächste Generation fragt uns dann mit Recht: Warum ward ihr die erste Generation, die den Schritt in die Zukunft verweigerte – aus reiner Angst vor der Wirksamkeit der Vielen? Die rein menschliche, analoge Arbeitskraft führte uns zur ungehemmten Ausbeutung von uns selbst und unseren natürlichen Ressourcen. Was ist dagegen einzuwenden, wenn uns künftig Algorithmen vor diesen selbstzerstörerischen Handlungen warnen? Wenn wir auf digitalem Weg, mit der Kreativität der Vielen, unabhängig von überkommenen nationalstaatlichen Grenzen und Denkräumen die globalisierten Herausforderungen der Menschheit anpacken?
– “Imagine … It’s easy if you try” by John Lennon –
Wir danken allen Autoren der Proklamation für ihre Beiträge und damit ihren engagierten Einsatz über das ursprüngliche BarCamp-Format hinaus. Wir konnten damit nicht nur über die Prinzipien der Zukunft der Arbeit – Transparenz, Kollaboration, Hierarchiefreiheit Partizipation – sprechen sondern diese während der Erstellung des Papers auch anwenden:
Jörn Hendrik Ast, Gebhard Borck, Guido Bosbach, Lars M. Heitmüller, Sabine Jank, Sarah Kebbedies, Anke Knopp, Roland Panter, Nicola Peschke, Medje Prohm, Andre Schleiter, Gunnar Sohn, Sarah Staffen, Anja C. Wagner, Jan Westerbarkey, Birgit Wintermann, Ole Wintermann und Annette Wittke.
Darüber hinaus gilt unser Dank auch der Lektorin Esther Debus-Gregor für ihre Unterstützung beim Zustandekommen der Publikation.”

Warum in die Ferne schweifen, wenn die Zukunft…. irgendwie doch nicht beginnt.

Warum in die Ferne schweifen, wenn die Zukunft…. irgendwie doch nicht beginnt.

Das ganze Geschreibse und Gerede über die „Zukunft der Arbeit“, bringt doch nichts. 

Da gibt es zwar die kleine Gruppe unbeugsamer, die in ihrem virtuellen gallischen Dorf immer wieder darauf hinwiesen, dass wir mittendrin sind in einer globalen Veränderung von Arbeitsweisen, Arbeitsstrukturen und Arbeitszielsetzungen. Aber ändern können die doch nichts. Die reden zwar viel, haben aber nicht die Hebel in der Hand um was zu verändern. Und die anderen, die haben zwar die Hebel in der Hand, kommen aber vor lauter „Gegenwart der Arbeit“ nicht zum Nachdenken.
Warum lehnen sich nicht einfach mal alle zurück und warten. Es besteht kein Grund nervös zu werden. Der (Ur-)Knall der „neuen Arbeit“  – wer hat ihn denn bisher gehört? Bislang ist bestenfalls ein leises Donnergrollen wahrzunehmen. Warum also sollte irgendeiner unserer Entscheider in den Unternehmen, der Politik oder der Gesellschaft in unserem Land mit einer funktionierenden Export- und einer „gesunden und florierenden Volkswirtschaft“ an diesem perfekt funktionierenden System etwas ändern?

Wir können ruhig auch 2016 weitermachen wie bisher.

Wir können darauf vertrauen, dass die Wirtschaftsindikatoren uns schon sagen werden, wenn etwas schief läuft und der Veränderungsdruck ausreichend groß ist, um den von außen induzierten Wandel auch bei uns anzugehen.
Wobei – wir haben unmerklich einen wesentlichen Kreuzungspunkt erreicht, der vielleicht doch Anlass gibt nochmal die Entwicklungswegekarte herauszukramen und unseren Standort zu re-evaluieren. Denn – wir sind als Wirtschaftsnation hochgradig abhängig von unserem Umfeld. Aber, das zeigt gerade VW im großen und viele KMU im kleinen – wir scheren uns einen Dreck um das, was da draußen „in der global-digitalen Welt“ gerade passiert. Wir agieren weiter als seinen wir in einem vollkommen unabhängigen, abgeschlossenes System zugange.
Dabei beginnt die technologische Entwicklung im Moment eine gesellschaftliche und menschliche Entwicklung nach sich zu ziehen, die die Menschheit in dieser Vehemenz und Geschwindigkeit nie erlebt habt. Vielleicht sind wir gerade deshalb in eine Schockstarre verfallen.
Diese Entwicklungen sind zu neu und zu schnell. Sie passen nicht in die altgewohnten Entscheidungsprozesse und -konzepte. Damit ist auf Entscheiderebene die Notwendigkeit zur Neu-)Besinnung zwar maximal gegeben (und wie ich behaupte oftmals bewusst), da aber gleichzeitig die eindeutigen und „garantiert verlustfreien“ Konzepte fehlen, um die Entwicklung anzugehen, ist die Veränderungsbereitschaft auf Null gefallen.

Ganz ehrlich.

Wäre ich für ein Unternehmen mit mehr als – sagen wir – 30 Mitarbeitern verantwortlich und zu 95 % mit Tagesgeschäft okkupiert, ich hätte meine Schwierigkeiten so schwerwiegende Entscheidungen zu treffen. Aus meiner Erfahrung wüsste ich, wie teuer es ist ständig die digital-technologischen Entwicklungen mitzugehen. Auch für einen Blick auf neue Führungs- und Organisationskonzepte würde mir schlichtweg die Zeit fehlen. Gerade auch um in Tiefe zu verstehen, welche neuen Wege und Chancen es gibt mich als Unternehmen organisatorisch neu aufzustellen. Wobei es eh keine Zeit gäbe all das strukturiert umzusetzen.
Und die durch die Entwicklungsdynamik und Komplexität induzierte Gleichzeitigkeit dieser Veränderungen würde mir vollends den Boden unter den Füßen wegziehen. Meine Unsicherheit wäre groß, vor allem, wenn mir dann noch jemand sagen würde, dass es ohnehin kein eindeutiges, klares, erfolgssicherndes Konzept gibt, und man selbst ausprobieren muss, was organisationsindividuell am besten funktioniert.
Kurz, mir würde die Sicherheit fehlen mutig etwas Neues auszuprobieren und vor allem wüsste ich nicht wo ich anfangen könnte und sollte. Mir würde sowohl das „Big Picture“ als auch der (möglichst) objektive Blick, die wichtige Außenperspektive aufs Unternehmen, die Mitarbeiter, die Prozesse und Strukturen fehlen.
Spannend ist, dass – aus der Distanz betrachtet – schon immer ein stetiger Strom von Veränderungen in unserem täglichen (Arbeits-)Leben stattfindet. Für mich ist das, wie Kinder auswachsen zu sehen. All die großen Entwicklungen, die ersten Schritte, das erste Wort, der erste Kindergartentag, der erste Schultag… all das geschieht als schleichender Prozess und natürliche Weiterentwicklung all der kleinen Schritte zuvor. Dennoch sind dann plötzlich die großen Errungenschaften da – und zugleich selbstverständlich im Alltag integriert.
Doch entwickeln sich auch Kinder nicht weiter, wenn wir sie nicht dazu bringen über die Welt nachzudenken und sie ermutigen sich neuen Herausforderungen zu stellen – zum Beispiel in dem wir ihnen neue Technologien zur Verfügung stellen und sie in die Entscheidungsprozesse stärker einbeziehen.
Auch wenn niemand die Zukunft vorhersagen kann – ein paar Trends sind sichtbar – und eine gute Vorbereitung (und Reflexion) schadet nie. Sicher scheint, dass wir 2016 – und in den folgenden Jahren – eine noch schnellere Entwicklungen von technischen Standards erleben, als in den letzten.
Neben all den Veränderungen, die langfristig und gleichzeitig ganz direkt durch die Digitalisierung auf unsere Arbeitsstrukturen einwirken – etwa durch den Wegfall von Routineaufgaben bei der Recherche von Informationen, in der Logistik oder auch „auf’m Bau“ (den ersten Bagger, der „alleine“ Häuser baut gibt’s schon, genauso wie die ersten 3D-Drucker für Häuser) – werden sich auch ganz andere Strukturbereiche anpassen. Bröselnde Machtgefüge durch sich verändernde Organisationsformen werden einige der Folgen sein. Diese Entwicklungen werden unser Arbeits-Selbstverständnis deutlich beeinflussen – und  unglaublich viele Potenziale zu Tage fördern. Sie eröffnen Chancen mehr Freiraum zu erlangen, die wir nutzen können um unsere menschlichen Kernkompetenzen wie Anpassungsfähigkeit und Kreativität wieder mehr einzubringen. Wir erlangen (vielleicht wieder) Raum, um selbst innovativ zu sein und zu lernen, oder in der Organisationsgemeinschaft neue Dinge zu stemmen und zu entwickeln.
Der für uns ganz persönlich weiterhin wichtigste Teil der Digitalisierung ist Kommunikation. Unabhängig von „Robotik“ und dem „Internet of Things“ werden wir Teil der technologischen Entwicklung bleiben.
Wir werden uns weiterhin und vermehrt einbringen, d. h. wir werden im Netz Dinge bewerten und empfehlen. Wir werden über das Netz miteinander reden, uns dabei in 2D oder vielleicht bald auch in 3D sehen können. Wir werden dabei immer mehr „virtuelle Verbundenheit“ zu Menschen aufbauen, die wir vielleicht noch nie im „realen Leben“ getroffen haben. Wir werden dabei lernen, auf wie viele unterschiedliche Arten man „berührende Beziehungen“ zu anderen gestalten kann und wie unterschiedlich diese auf uns und auf andere wirken.
Bei all dem werden wir ein paar Grundprinzipien menschlichen Zusammenwirkens wieder mehr in den Fokus rücken: Verbundenheit, Vertrauen, Vernetzung und vor allem Menschlichkeit.
Diese 4 Elemente des Zusammenlebens und des Zusammenarbeitens werden uns sozialen Wesen, gerade weil „das Digitale“ immer mehr an Bedeutung in unserem Alltag gewinnt, (wieder) wichtiger werden.
Doch – wenn ich das Donnergrollen vernehme und agieren möchte, bevor ich reagieren muss – wo fange ich (als Individuum, oder als Organisation) an? Wie schaffe ich (m)eine digi-soziale Transformation die beides erlaubt: technisch UND menschlich die heutigen und zukünftigen Möglichkeiten aktiv zu nutzen?
Dazu sollten wir erstens einen offenen Blick auf die schon „am Horizont“ erkennbaren Chancen entwickeln und zweitens uns bewusst Zeit nehmen über unseren (organisations-)individuellen Weg nachzudenken. Über unsere ganz individuelle Erwartung und Rolle darin genauso wie über die der Organisation in der wir tätig sind.
Allerdings fürchte ich, dass „wir“ dazu einfach nicht fähig sind. Für viele ist die Zukunft zu weit entfernt und zu unklar, um darüber nachzudenken. Das alles ist viel zu unsicher. Zu unsicher um zu planen, zu unsicher, um sich vorzubereiten und zu unsicher, um irgendjemandem zu trauen und  gemeinsam mit ihm in die Zukunft zu gehen.

Und dennoch – wir müssen es einfach tun.

Wir müssen einfach Vertrauen aufbauen, um das morgen zu gestalten.
Wir müssen uns selbst vertrauen und Menschen finden, denen wir vertrauen können und wollen. Wir müssen dies in unserem Privatleben und bei der Arbeit tun, damit wir die Unsicherheiten der Zukunft gemeinsam überstehen können.
Und wir brauchen Kontakte und Impulse, die uns im Wortsinn berühren und bewegen.
Dabei sind die richtigen Wegbegleiter unerlässlich. Freude, Ratgeber, Coaches, Mentoren, Diagnostiker, Glaskugelnebelentschleierer, Trendforscher und Utopisten. Gemeinsam mit ihnen könnte ich auch als Führer des kleinen Unternehmens, das all meine Zeit frisst, Startpunkte klären, offene Diskussion anstoßen und so einen Weg identifizieren, der Zukunft gangbar macht.
Doch – dieses ganze Gerede (und Geschreibe) über die Zukunft bringt wirklich nichts. Wir müssen vom reden ins reflektieren und handeln kommen. Denn reden alleine hat die (Arbeits-)welt noch nie geändert. Nur überzeugende Ideen – und Zeit sie zu reflektieren – verändern die Welt.


Wer unterschiedliche Perspektiven, Hintergründe und Impulse zur Zukunft der Arbeit lesen möchte, ist eingeladen hier in meinem Interview- und Buchprojekt zu stöbern.
Ich komme gerne bei Ihnen vorbei um als Impulsgeber, Diskussionspartner, Mentor, Standortbestimmer, Diagnostiker und Querdenker gemeinsam mit ihnen ihre Zukunft aktiv zu gestalten. 
The-New-Worker Bastian Wilkat hat zur Blogparade: “New Work 2016 – vom Hype zum Alltag” aufgerufen, was mich zu diesem Blogartikel inspiriert hat. Daher bringe ich diesen Artikel auch gerne in die Blogparade ein.

ARBEIT im Wandel – der ZEIT

ARBEIT im Wandel – der ZEIT

Früher war alles besser. 

Klare Aufgaben, klare Strukturen, klare Einsatzzeiten. Klarheit aller Orten. Eine Wohlfühlwelt war das wohl, wenn wir unseren Vätern und Großvätern glauben dürfen. Oder?!
Zumindest wurde für einen gesorgt. Der Broterwerb war in den landwirtschaftlich und industriell geprägten Arbeitsfeldern zwar mühselig, aber, wer einen Job hatte war einigermaßen sicher. Solange es tat, wie ihm geheißen wurde jedenfalls. Massenentlassungen aufgrund wirtschaftlicher Schieflagen gab es nicht. Wachstum aller Orten. Da musste man schon arg die Zukunft verschlafen und die Zeichen der Zeit ignorieren, um ein Unternehmen zu ruinieren.
Und allzu weit hatte man es auch nicht. Meist waren Arbeits- und Lebensort identisch. Pendeln gab es kaum – wie auch. Man lief zur Arbeit, bestenfalls fuhr man mit dem Rad oder Bus fahren. Individualverkehr – Fehlanzeige. Pendeln zur Arbeit, unsere Zeit im Stau oder im ÖPNV verbringen – gab es nicht.
Und – damals hatten wir auch keine PCs und mithin keine Wissensarbeit. Ein paar wenige arbeiteten zwar mit ihrem Kopf, waren dabei aber auch immer auf den Kontakt zu den anderen angewiesen, die ihren Körper einsetzen, um etwas Neues zu erschaffen.

Diese guten alten Zeiten sind heute vorbei. 

Heute arbeiten über 40 % von „uns“ vornehmlich mit ihrem Kopf – und dem Computer. „Wissensarbeit“ ist das dominante Modell. Ein Modell, das heute, mit der wachsenden Zahl an mobilen Computern zu mehr Flexibilität einlädt. Oder ist dies eine Last weil wir verlernt haben uns abzugrenzen? Weil wir verzweifelt versuchen auch mit dem Kopf Akkord zu arbeiten – „always busy“, „always stressed“?
Mit diesem Computer, diesem immer intelligenteren Ding, diesem Kommunikationsbeschleuniger, können wir heute „always on“ sein – und damit „always working“.
Tun wir uns damit etwas Gutes? Wir sind überrollt worden von der Geschwindigkeit der Veränderung von Kommunikation. Wir lesen keine Zeitung mehr, sondern Online-Nachrichten. Diese ändern sich statt früher täglich heute minütlich und bringen immer wieder etwas anderes in den Fokus. Wir reden immer weniger und nehmen immer weniger die Emotionen des anderen wahr. Uns fehlt die Zeit das Besprochene zu reflektieren. Stattdessen schreiben wir e-mails und chatten. Wir verteilen Aufgaben, wir diskutieren und verrennen uns in Formulierungen. Wir schreiben elektronische Krankenakten und sind auch damit doch längst auch Teil der kranken elektronischen Akten.
Statt den, durch Digitalisierung und Technisierung, erworbenen Zuwachs an Produktivität und Leistung dafür zu nutzen zu überdenken, was wir tun, statt neue Ideen zu entwickeln, statt uns und unsere Unternehmen „nach vorne  zu bringen“, hetzen wir zunehmend hinterher. Statt mehr Leben zu leben, rennen wir nur noch schneller – und haben am Ende doch nichts davon. Unser Invest an ArbeitsZeit in den letzten 100 Jahren ist geringer geworden – ist es unser Invest an Lebensenergie auch?
Die Digitalisierung schreitet ungebremst voran. Nein – das stimmt nicht – sie nimmt weiter Fahrt auf. Moores Law gilt weiterhin und die technologische Entwicklung überschreitet langsam aber sicher unsere Fähigkeit zu lernen und mit der neuen Technik vollumfänglich umzugehen. Die gute Nachricht ist. Es braucht uns auch immer weniger. Routineaufgaben können an vielen Stellen heute schon mindestens genauso gut von Computern und Robotern übernommen werden. Nicht nur in der Produktion, auch bei Recherche, Assistenzaufgaben, dem Hausbau, der Logistik oder beispielsweise auch in der Pflege.
Doch – wir wollen arbeiten, wir wollen werken – wir brauchen das Gefühl der Wirksamkeit. Weder unser Kopf noch unser Körper wollen stillstehen, wir haben die letzten Jahrtausende damit verbracht unseren Lebensunterhalt zu erjagen, ersammeln und erarbeiten. Wir können nicht einfach aufhören damit – selbst wenn wir es könnten. Die 0 Stunden Wochenarbeitszeit wäre für viele – auch wenn die Technik in einigen Bereichen bald ermöglicht oder einfach zum Faktum erklärt – ein Grauen.

Was können wir also tun? 

Wir können beginnen uns unsere Nischen zu suchen. Die Bereiche in denen wir – Technik und Digitalisierung hin oder her – Zeit mit für uns wertvollen Dingen verbringen können. Mit Zwischenmenschlichkeit, mit bedeutsamem und – vielleicht vor allem – mit Neuem, mit Innovation und mit Ideenfindung. Helfen würde uns Technik und Arbeit weniger als Belastung zu sehen, sondern, in der Nutzung all der neuen Möglichkeiten, als Instrument und WERKzeug unserer Selbstwirksamkeit.
Dann kann es vielen von uns gelingen ArbeitsZeit und Invest an Lebensenergie in eine größere Balance zu bringen. Das wäre dann mal eine positive Entwicklung.
Natürlich weiss niemand, was genau uns in der Zukunft erwartet, und wann das geschilderte Fakt und nicht nur Vorausahnung sein wird. Doch die Anzeichen sind sichtbar.
Wer mehr dazu erfahren möchte, den lade ich ein sich mit den ArbeitsVisionen2025 zu befassen. Auf der website, im kostenlosen ebook oder – mit der Option sich über 200 Reflexionsfragen zu stellen – im Buch. Die Zukunft kommt – und sie ist schneller als wir denken.
 
Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade auf XING Spielraum zum Thema “#Arbeitszeit”.

Was will diese Welt uns sagen?

Wir denken zu wenig und (re-)agieren zu schnell. Wir reden, wir schreiben und betrachten gleichzeitig zu wenig bewusst und reflektiert die Dinge, die diese Welt verändern und bewegen. Wir rütteln an den Grundfesten unserer Welt und haben es in der Hand, sie lebenswert – oder sie unbewohnbar – zu machen.
Wir erkennen die Disparitäten und zucken mit den Schultern. Zu machtlos ist dieser so machtvolle Homo sapiens, der sich die Welt, die Pflanzen, die Tiere und die Menschen darauf Untertan gemacht hat.
Wir leben unsere Weltengemeinschaft zu Tode: Wir verbrauchen 1,6 mal mehr Ressourcen als neue entstehen. Wir haben die Finanzwelt von der realen Welt entkoppelt. Die soziale Schere öffnet sich immer weiter und unsere politische, gesellschaftliche und unternehmerische Führung lässt – in ihren altgewohnten Handlungsmustern – Dinge entstehen, die sich dem gesunden Menschenverstand und dem gesunden Menschengefühl entziehen.

Dabei sind es die ganz einfachen und fundamentalen Dinge, die den Kern unserer gemeinsamen Existenz ausmachen. Wenn es uns gelingt, “Menschlichkeit” und “Bedeutung” zu kombinieren und in unseren Gedanken, Worten und Taten auszudrücken, dann können wir viel gewinnen. Global, regional, lokal und sowohl in unserem privaten wir auch in unserem Arbeits-LEBEN.
Menschlichkeit ist für alle bedeutend.
P.S.: Was ist und was wird? Wie gehen wir in Zukunft mit uns um? Wie arbeiten wir? Impulse zur Reflexion finden sich überall – auch hier.