„new work für die Kleinen“ – Teil 1: Da geht ne Menge!

Die Begriffsbildungen zur Zukunft der Arbeit, allen voran „new work“, „Arbeiten 4.0“ oder „Digitale Transformation“ erzeugen oftmals den Eindruck, dass es sich um ein Themengebiet handelt, dass vor allem für Unternehmen mit viel Struktur, viel IT und/oder viel formaler Führung relevant ist. Meist geht es um Themen wir Hierarchie, Prozesse oder Entscheidungsstrukturen.
Doch ganz viel der Arbeit von heute (und morgen) findet in kleinen Unternehmen – vom Bäcker bis zum Steuerberater und von der Arztpraxis bis zum Bauhandwerker – oder auch in kleinen Teams (größerer Unternehmen) statt, die eine andere Bewegungsfreiheit und andere Befindlichkeiten haben, als große Gesamtstrukturen und Organisationssysteme.
 
Dabei gibt es in diesem Kontext eine Vielzahl von Impulsen und Ansätzen, die sich problemlos – und manchmal leichter – auch auf kleine Strukturen anwenden lassen.
 
Im Kern geht es bei allen „new work“ Konzepten, um eine Weiterentwicklung der Philosophien, die als Grundlage für das Selbstverständnis unserer Zusammenarbeit dienen. Betrachtet man Modelle wie Holokratie, Unternehmensdemokratie, „Mitarbeiter zuerst, dann der Kunde“ oder „Results-Only-Work-Environment“ genauer, so beinhalten sie immer das Grundverständnis den Menschen statt Strukturen oder Prozessen in den Fokus der Aufmerksamkeit zu stellen. Mehr Zufriedenheit, mehr Menschlichkeit und persönliche Bedeutung in unserem (Arbeits-)Leben finden – das ist, was Arbeit in Zukunft leisten kann.
 
Mit Blick auf die Zukunft lohnt es sich auch aus der Perspektive kleiner ggf. wachsender Unternehmen diese Punkte genauer zu evaluieren. In dieser kleinen Sammlung finden Sie daher Anregungen, die auch in kleinen Einheiten und Unternehmen mit 2 und 10 Beteiligten Wirkung zeigen können.
 
Sie finden hier eine Auswahl an etwas über 50 Impulsen mit Hinweisen, Tipps und Vorschlägen. Sie können die in der hier folgenden Artikelserie beschriebenen Ideen wirken lassen, um sie so, oder angepasst an ihre ganz spezielle Situation anzuwenden. Sie müssen nichts davon tun, aber Sie könnten einiges einfach mal ausprobieren.
Wir alle brauchen im und abseits unseres Tagesgeschäfts wieder mehr Mut, Dinge einfach zu machen – damit stehen Sie nicht alleine.  Auch wenn manches zunächst zu quer gedacht scheint, geben Sie sich Raum für Irrtümer und Lernerfahrungen! Es lohnt sich!
 
Es gibt aus meiner Sicht imm Vorfeld 3 Dinge zu beachten:

  1. Überlegen Sie bevor Sie etwas umsetzen, ob die Idee in Kopf und Bauch für Sie passt. Erst wenn Sie ein gutes Gefühl dabei haben sollten Sie es machen. Lassen Sie sich ruhig auch von Ihrer Intuition leiten. Das lymbische System in unserem Gehirn erkennt oftmals schneller und klarer als unser rationaler Neokortex, was sich positiv auf unser Wohlbefinden auswirkt.
  2. Gehen Sie in kleinen Schritten voran. Teilen Sie große Veränderungen in viele kleine Schritte auf, gehen Sie Schritt für Schritt vorwärts und nehmen sie sich jedesmal Zeit auch da anzukommen. Die Siebenmeilenstiefel haben dabei erstmal Pause.
  3. Gehen Sie nicht alleine. Nehmen Sie in einem offenen und transparenten Prozess alle mit, die irgendwie mit diesen Schritten zu tun haben, helfen können oder direkt oder indirekt betroffen sind.

 
Noch zwei Punkte, die sie als Unternehmen, aber auch als Team sicherlich kennen:
1) Seien und bleiben Sie eine Marke! Unverwechselbarkeit ist weiterhin und vielleicht zunehmend wichtig. So wie ich selbst einer der (wenigen) Berater/Mentoren mit klarem Fokus auf mehr Menschlichkeit bei der Arbeit bin und zudem noch stark auf einen gesunden Offline-Online Mix setze, oder wir als freiKopfler ganz bewusst ein anderes Think-Tank Format gestartet haben. Seien Sie ganz (selbst-)bewusst etwas besonderes!
2) Kleinen Unternehmen geht es manchmal wie kleinen Menschen. Die körperliche Gestalt vermittelt schnell einen ersten Eindruck – der massiv täuschen kann, sagt er doch über die „innere Größe“, die Kompetenzen und Fähigkeiten nichts aus. Sie können die tollsten Inhalte bieten, sie sehen dennoch solange klein aus, bis man sie richtig kennenlernt. Dann erst wird die tatsächlich innere Größe sicht- und erlebbar, oftmals mit einer erstaunlichen Energie und Außenwirkung.
Nutzen Sie diese/ihre wahre Größe!
 
Also – los gehts!
Zunächst: Was ist also los, im Land der neuen Arbeit?

Einige Megatrends

  1. Kommunikation
    Die Art wie und mit wem wir kommunizieren hat sich in den letzten Jahren deutlich schneller verändert als jemals zuvor. An die Stelle von Telefon und Fax sind e-mail und inzwischen vor allem auch Messenger wie facebook, Twitter und whatsapp getreten. Damit hat sich auch verändert, wie wir einander ansprechen und was wir mitteilen. Dies merken wir nicht nur im Privaten sondern auch im Beruflichen. Diese Entwicklung geht weiter. Im nächsten Schritt werden „Dinge“ beginnen uns für uns relevante Informationen selbst mitzuteilen – das Internet of Things kommt. Ebenso werden  Kommunikationsmedien Einzug in unsere Kleidung und Accessoires nehmen, s.d. auch Emotionen und Stimmungen einfacher mitgeteilt werden können.
  2. Vernetzung
    Mit der zunehmenden technischen Vernetzung unserer Arbeitsmittel via Internet und z.B. Cloud Services, mit ihrer neuen „virtuellen“ Dimension, stehen wir vor der Herausforderung der digitalen Vernetzung mit anderen Menschen immer wieder auch die analoge Vernetzung folgen zu lassen. Da wir immer mehr mit anderen in Kontakt kommen, die wie physisch nie getroffen haben, gewinnen echte „haptische” Berührungen an Bedeutung. Sie vertiefen die digital entstanden Beziehungen. Unternehmen können durch mehr gefühlte und tatsächliche Nähe zu Kunden und anderen Stakeholdern ein belastbareres Beziehungsgeflecht aufbauen.
  3. Kollaboration / Zusammenarbeit
    Aus dem Kontext der Hochleitungsteams weiss man, dass gerade gut moderierte heterogene Teams besonders effizient und effektiv arbeiten. Sie entwickeln mehr und bessere Ideen und sind schneller in deren Umsetzung. Ein Thema, dass auch bei der Zukunft der Arbeit besondere Bedeutung besitzt. Gerade durch die digitale Vernetzung und Kommunikation war es nie so einfach wie heute Menschen zu heterogenen Teams zu verbinden. Ein Umstand, der sich gerade für kleine Unternehmen enorm positiv auswirken kann. Einer lokalen Zusammenarbeit in Co-Working Places oder einer weltweiten Vernetzung über Cloud Services und Videotelefonie steht dank automatischer Übersetzung nicht einmal mehr eine Sprachbarriere im Wege.
  4. Individualisierung
    Heute will jeder Kunde und jeder Mitarbeiter individuell wahrgenommen und behandelt werden. Ein Trend den gerade „die kleinen“ kennen und denen sie häufig auch vergleichsweise einfach nachkommen können. Ihr Vorteil ist die Nähe zum Kunden, die in großen Organisationen, insbesondere bei denen mit klassischen Strukturen, häufig noch schwerfällt. Auch hier können digitale Vernetzung und der Zugriff auf gemeinsam und mit anderen „kleinen“ genutzte Ressourcen, nicht zuletzt in Fablabs oder Co-Working Places, neue Geschäftsmöglichkeiten und noch mehr Nähe ermöglichen.
  5. Lernen
    Die Unternehmensumwelt verändert sich in einer noch immer weiter zunehmenden Geschwindigkeit. Schlüssel, um mit der wachsenden Informations- und Wissensbasis umzugehen, ist die Offenheit sich ständig selbst weiter zu entwickeln und neues Wissen und neue Kompetenzen aufzubauen. Diesen Prozess kann man insbesondere in der Gemeinschaft mit anderen erleichtern und optimieren. Der Austausch über das neu erfahrene und die Vermittlung von neuem Wissen and die Kollegen helfen gemeinsam neue Erfahrungstiefe zu erlangen.

Bevor ich im zweiten Teil in sehr konkrete Details einsteige möchte ich auf ein paar grundsätzliche Aspekte eingehen:
Fehler und Irrtümer.
Sie kennen sicherlich den Unterschied zwischen Fehlern (unbewusste Handlungen) und Irrtümer (bewussten Handlungen, die ein anderes als das geplante Ergebnis ausweisen). Fehler sollte man vermeiden, was leicht fällt, wenn man Raum und Zeit für Besonnenheit und bewusstes Handeln hat. Irrtümer dagegen sollte man sich zumindest zugestehen, denn sie sind der schnellste Weg zu lernen. Irrtümer packen uns bei unserem Ehrgeiz und motivieren dazu das Geplante und den Weg dahin zu überdenken und zu verbessern.
Um den gleichen Irrtum nicht zu wiederholen – was ein Fehler wäre – hilt ein „Katalog der Irrtümer“. Dokumentieren Sie ganz transparent und für jeden, den es etwas angehen könnte, wie es zu dem Irrtum gekommen ist. Das macht das Lernen aus fremden Irrtümern leicht.
 
Womit ich beim Thema Lernen angekommen bin. Lernen (s.o.) wird uns auf unserem weitern Weg durch das Arbeitsleben zunehmend begleiten. Gerade in kleinen Gruppen hilft es das Gelernte gemeinsam zu reflektieren und so zu vertiefen. Das verstärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit, vertieft die Kompetenzen und macht transparenter wer was wie gut kann. Das ist ein echtes, in der Zukunft nutzbares Kapital. Es ist zudem wissenschaftlich erwiesen, dass es die Lernmotivation erhöht, wenn das Umfeld sich für den Lernenden und den Lerninhalt interessiert. Ein kleiner lohnender Nebeneffekt
 
Was denken Sie eigentlich über ihre Mitarbeiter und Kollegen? Sind die alle faul oder überaktiv? Welche Grund- und Glaubenssätze leben Sie in ihrer Kultur? Neben der Erkenntnis, dass die meisten, eine zufriedenstellende Arbeitssituation vorausgesetzt, gerne und engagiert arbeiten. Hier helfen Prinzipien statt fester und einengender Regeln. Ein positives Menschenbild, dem man richtungsweisende Leitplanken mitgibt hilft deutlich mehr, als starre Regeln, die man dann im konkreten Einzelfall ohnehin wieder relativieren muss.
 
Nicht relativieren sollte man Symbole und Rituale. Es sind oft die kleinen Dinge, die wesentlich dazu beitragen Verbundenheit und Vertrauen aufzubauen – zumindest solange wie sie unbeeinflusst von massiven Entmündigungsaktivitäten bleiben. Das können regelmäßige, kleine oder große Veranstaltungen sein, das klassische T-Shirt, oder auch schon der morgendliche Handschlag. Sie alle können dafür sorgen, dass wir uns mehr als Mensch wertgeschätzt fühlen.
 
Wissen Sie eigentlich genau mit und für wen Sie arbeiten? Wer sind die Kunden denn genau, welche Wirkung hat Ihre Arbeit auf deren (Wohl-)Befinden? Wer sind die Geschäftspartner, welche Zielsetzung haben die? Wer sind die Lieferanten, wo und wie arbeiten sie? Ein erster Ansatz um mehr Transparenz über die Zusammenhänge zu erhalten ist, sich die Stakeholderstruktur und deren Absichten und Befindlichkeiten klar zu machen. Wer hat mit ihrem Unternehmen zu tun und wie, vom Steuerberater bis zur Laufkundschaft. Es gibt hier viel zu entdecken – und manchmal treten dabei ganz neue Geschäftsideen zu Tage.
 
Wagen sie es einfach mal wieder gewohnte Grenzen zu überschreiten – natürlich ohne dabei mit negativer Absicht in den Raum anderer einzudringen. Gehen sie raus aus ihrer Komfortzone, vernetzen sie sich neu, bauen sie ihr Produktangebot in Richtungen aus, die ganz neu für sie und ihre Kunden sind. Überlegen sie, wo neue Technologien ihnen bei ihrer Arbeit mehr helfen könnten. Was machen denn die übrigen Unternehmen in ihrer Branche – bzw. noch spannender, was machen Unternehmen in anderen Branchen, dass zu ihrem Angebot passt?
 
Auch in der Zukunft ist Arbeit weiterhin etwas, in dessen Zentrum die Interaktion von und mit Menschen steht. Was die großen Unternehmen und die Medien als Digitalen Transformation bezeichnen, ist ein Schritt der durch die Nutzung der Technologie Raum geben kann soziale Interaktion intensiver zu gestalten. Gerade dieser Gedanke schafft Raum für Differenzierung insbesondere für kleinere Unternehmen und Strukturen.
 
Dies war der erste Teil, die Einführung, in diese kleine Übersicht.
Im zweiten Teil liegt mein Fokus auf der Basis für eine gute Zusammenarbeit, im dritten Teil gehe ich mehr aus prozessuale Hilfsmittel und kleine Tools ein und im vierten Teil werde ich einige „Hacks“ beschreiben.
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