Strategisches Führungs- & Alltagsthema Nachhaltigkeit

Strategisches Führungs- & Alltagsthema Nachhaltigkeit

Wer im Leben weiterkommen will, muss sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Das gilt für Individuen genauso wie für Unternehmen. Nur, dass es bei Unternehmen deutlich schwerer fällt, die Richtung für dieses Weiterkommen klar zu definieren. Doch – zum Glück oder Leid – diktiert uns das Leben oder die Welt in der wir leben manchmal selbst, welche Richtung langfristig zielführend ist.
Nachhaltigkeit ist eine solche Richtung, die immer stärker von außen vorgegeben und nicht mehr zu negieren ist. Es nützt weder das Thema auszusitzen, noch abzuwarten bis der Wettbewerb den Schritt unvermeidlich macht. Denn wer wartet, wird in der Kundenwahrnehmung ganz eindeutig hinten liegen und nur noch schwerer an knappere Ressourcen und bessere Ideen kommen. 

Weiterkommen heißt aber auch, sich gut vorzubereiten, um die meist unbekannten Herausforderungen tatsächlich meistern zu können. Wie also kann Nachhaltigkeit zu einem Element der strategischen Weiterentwicklung werden? Welche Facetten sind relevant und Hebel kann man nutzen, um den relevanten Teil sicher abzudecken?
Nachhaltigkeit ist ohne Frage Teil einer komplexen Weiterentwicklung, einer Veränderung, die, soviel sollte in einer sich dynamisch entwickelnden Welt klar sein, ganzheitlich angegangen, betrachtet, immer wieder bewusst reflektiert und strategisch bewertet werden muss. Der Fokus und die Implementierung singulärer Aspekte ist reine Ressourcenverschwendung und erhöht deutlich die Aufwände, weil sie selten im Kern ansetzt.
Eine umfängliche, strategisch wirksame Umsetzung sollte, wie immer bei solch umfassenden Themenstellungen, bei den wesentlichen Basissystemen des Unternehmens ansetzen, bei den Geschäfts-, Management- und Führungssystemen. 

Roger Martin, einer der weltweit führenden Strategieberater und 2017 von Thinkers50 als #1 Managementvordenker ausgezeichnet, hat als grundlegenden Leitfaden für strategische Planungen fünf wesentliche und in sich vielfach abhängige Entscheidungen formuliert. 

  1. Was ist unser erstrebenswertes Ziel? Was zieht uns (und unsere Kunden) magisch an?
  2. Wo werden wir spielen? Wer sind Kunden, Wettbewerber oder Partner? 
  3. Wie wollen wir gewinnen? Was unterscheidet uns vom Rest? 
  4. Welche Fähigkeiten müssen wir haben oder entwickeln?
  5. Welche Systeme sind erforderlich und wie müssen sie zusammenwirken?

Als Kernfrage reflektiert er strategische Entwicklungen mit der Frage: ‚Was müsste wahr sein?’. Ich würde dabei ergänzen: ‚Was wäre möglich, wenn es keine Beschränkungen gäbe?‘
Was müsste passieren, was müsste möglich sein? Wie müssten Kunden reagieren, welche Fähigkeiten müsste man haben, damit der Plan gelingt? Kriterien und Bedingungen, die immer wieder auf ihren weiterhin (?) bestehenden Wahrheitsgehalt hin überprüft werden sollten. Auf diese Weise interpretiert, erlauben diese Fragen sich immer wieder klarzumachen, ob und wie die aktuellen Entwicklungen das Fundament des Unternehmens, die Geschäfts-, Management- oder Führungssysteme beeinflussen, beeinträchtigen, fördern oder, im schlimmsten Fall, ungeeignet erscheinen lassen. 

Was müsste also wahr sein, damit Nachhaltigkeit (s)einen relevanten Platz in den Systemen eines Unternehmens erhält? An welchen Stellen müssten die Antworten auf die fünf Fragen beantwortet werden? Was könnten wir erreichen, wenn wir die realen und imaginären Beschränkungen überwinden würden? 

Nachhaltigkeit ist sicher nur in absoluten Ausnahmefällen der Geschäftszweck eines Unternehmens. Dennoch ist sie ein relevanter und zunehmend ausschlaggebender Faktor, den Kunden, Mitarbeitende und Partner zunehmend erwarten und fordern (müssen) und der sich im Geschäftsmodell wiederfinden sollte. Nutzt man etwa den Business Model Canvas als Rahmen, so ist die Frage nach mehr Nachhaltigkeit in allen Segmenten zu beantworten.

An vielen Stellen erzeugt die Zielsetzung Nachhaltigkeit tatsächlich nachhaltig zu implementieren  spezifische und explizite Ankerpunkte im Geschäftsmodell. Auch im Managementsystem finden sich dann, sowohl bei den übergeordneten Rahmenparametern und den grundlegenden Annahmen, den Normen und im kulturellen Kern, neue und ausdrückliche Hinweise auf den Umgang mit dem Thema. Gerade wenn ökonomische Aspekte gegen ökologische aufgewogen werden müssen, sind solche Hilfestellungen unumgänglich, um eine einheitliche Linie einzuschlagen und den Mitarbeitenden Orientierung zu geben. Augenscheinlich wird dies, wenn man an die Beschaffung von Ressourcen oder Investitionen zur Klimaneutralität geht.

Im Wechselspiel zwischen den Anforderungen der Geschäftsmodelle, dem organisationalen und kulturellen Rahmen des Managementsystems, ist das Führungssystem mit seinen Akteuren und Werkzeugen gefragt, um all dies mit den Aufgabenstellungen und den unterschiedlichen Bedürfnissen der Mitarbeitenden zu vereinbaren und umzusetzen. Auch ein Grund, warum Führungsrollen zunehmend komplex und fordernd sind und es immer wichtiger wird, Führung als gemeinsame und damit verteilte Aufgabe anzusehen – aber das hier nur am Rande. 

Meist fordert der „neue“ Gesichtspunkt Nachhaltigkeit die Nutzung von neuem Wissen und den Aufbau neuer Kompetenzen. Dies in siloartigen, gegeneinander abgegrenzten Strukturen anzugehen, hat das Potenzial in großem Umfang neue interne und externe Konflikte heraufzubeschwören. In moderner und menschenzentrierter geführten Unternehmen, entstehen diese, auch bei schwierigen Aufgabenstellungen, deutlich seltener, wie auch meine Studie aus dem Frühjahr gezeigt hat. Die Studienergebnisse können hier angefordert werden.

Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag – Neue Regeln für die Organisation

Wenn Mitarbeitende neues Terrain erkunden sollen, müssen sie frei(er) agieren und benötigen neue Freiräume, um Ideen zu entwickeln, zu erproben und umzusetzen. Erhalten sie diese nicht verliert die Entwicklung an Fahrt und die Mitwirkenden an Motivation. Ohnehin ist die Frage zu beantworten, warum sich jemand die zusätzliche Mühe machen und zusätzliche Arbeit aufbürden sollte, wenn die relevanten Auswirkungen ggf. erst Jahre später tatsächlich sichtbar werden? Spannend ist hier die Berechnung und Kommunikation hochgerechneter Auswirkungen auf die Kinder und Enkel der Akteure, d.h. auf einen Zeitraum von 20 bis 40 Jahren. Auch, wenn das die hohe Kunst ist. 

In jedem Fall ist es notwendig die bestehenden, bewussten und unbewussten, expliziten und impliziten Handlungs- und Verhaltensleitplanken im Detail zu betrachten und (oftmals) neu zu formulieren. Wann ist es vertretbar für eine Verringerung des ökologischen Fußabdrucks Mehrausgaben zu tätigen und in welchem Umfang? Wer kann solche Entscheidungen treffen, ohne zeitliche Einbußen in Kauf zu nehmen? Wer darf in Zukunft welche Verkehrsmittel nutzen? Welche Alternativen sind wirklich im Sinne des Unternehmens sinnvoll? Wie und in welchem Maß kann der Energieverbrauch gesenkt werden? Welche Energieformen sollten genutzt werden? Darf, kann oder soll man bei der Beschaffung von Ressourcen auf Nachhaltigkeit besonders achten? Welche Freiheiten hat die Produktentwicklung bei der Gestaltung? Darf es auch etwas aufwändiger und teurer sein, nur damit es ressourcenschonender produziert und recycelt werden kann? Welche neuen Kundengruppen kann und soll das Marketing ansprechen?  Sind das Unternehmen und die Investoren bereit auf Marge und Gewinn zu verzichten? Wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen benutzt und/oder selbst produziert, um mehr Unabhängigkeit zu erlangen? Werden Elektromobilität und andere Mobilitätsformen im Unternehmen gefördert? Welche Anforderungen werden an Lieferanten und Partner gestellt? Wie gestalten wir einen fairen Umgang mit Kunden und Mitarbeitenden? Können und sollen wir uns an einer Kreislaufwirtschaft unserer Produkte beteiligen oder diese aufbauen? Wie können wir selbst die Wiederverwendung unserer Produkte steuern, daran partizipieren oder direkt profitieren? ‚Mieten oder Kaufen‘ – Welche neuen Geschäftsmodelle sind denk- und machbar?

Und so weiter und so fort…

Wenn man so vorgeht, müssen einige sehr große und eine Vielzahl kleiner Fragen beantwortet werden. Der Weg dahin kann nur erfolgreich sein, wenn das Management die dafür geeigneten Rahmenbedingungen, Strukturen und Antworten entwirft und kommuniziert. Auf dieser Grundlage sind dann alle anderen in der Lage, ihre Antworten selbst abzuleiten. Nichts bremst mehr als Unsicherheit und die Angst Fehler zu machen. 


Aber auch dann besteht die Gefahr, dass sich die Detailantworten widersprechen. Darum ist es um so wichtiger, Vernetzung und einen aktiven Austausch aktiv zu fördern und zu nutzen. Relevante Reflexionsfragen für den Alltag sind: Wie wird ein intensiver interner Austausch zu den (neuen) Erfahrungen mit diesen neuen Parametern organisiert? Wie organisieren wir fachliche meetups, interne Barcamps? Wie schaffen wir möglich viel Crossfunktionalität für diesen Austausch?

Wer diesen Weg konsequent geht, entwirft dabei die Grundlagen für ein Metasystem, ein System von Systemen, bei dem Nachhaltigkeit bereits in das Design der Systeme eingewoben ist. ‚Sustainability by design“ wird das große Ziel aller Unternehmen werden (müssen), die langfristig und erfolgreich im Markt präsent bleiben wollen. 

Die Unternehmen, die mit mir arbeiten, sind auf diesem Weg. Sie stellen sich all diese Fragen. Sie nutzen interne und externe Fachgruppen. Sie wollen Nachhaltigkeit, jetzt, weil sie erkannt haben, welchen Potenzial in einer konsequenten Umsetzung für sie verborgen liegt.
Ich kann nur sagen: Es lohnt!

Wer meinen Impulsen und Gedankengängen weiter folgen möchte, findet mich auf Linkedin und Xing oder abonniert hier meine Blognews. Kundenanfragen bitte ausschließlich über mein Kontaktformular oder per mail. 

Reiseführer auf einer Führungsreise (oder ‘Meine Reise mit Alex – 1. Teil’)

Reiseführer auf einer Führungsreise (oder ‘Meine Reise mit Alex – 1. Teil’)

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann… ja, dann kann vieles passieren. Dinge über die man nachher die tollsten Geschichten erzählen kann. Manchmal beginnen solche Reisen mit einer großem Tamtam, manchmal mit einem neuen Job.

Alex ist auf einer solchen Reise. Das Ziel dieser Reise scheint klar, der Weg ist im Vorfeld kaum zu identifizieren und die Unwägbarkeiten riesig. Das Ziel: Alex will und soll sich in einem neuen Job, in einem neuen Unternehmen als Führungsmensch einbringen. Mit Mitte 30 hat Alex schon einiges an Erfahrungen gesammelt, hat für gute Chefs gearbeitet aber auch schon das krasse Gegenteil von einer als gut und positiv wahrgenommen, bestmöglich unterstützenden Führung erlebt. Den einen ging es dabei tatsächlich um den Menschen, darum die Chancen für alle bestmöglich zu nutzen, anderen darum die Vorgaben millimetergenau zu erfüllen. Mal ging es um die gemeinsamen Stärken, mal um die Abgrenzung des Silos. Mal war Erfolg das Ergebnis, mal eine zunehmende Zahl von Konflikten, Krisen und wachsende Unsicherheit.

Darum war es Alex jetzt und nach dem Job- und Unternehmenswechsel wichtig, die Grundlagen besser zu verstehen, zu erkennen, welchen Wirkraum Führung hat, welchen man sich nehmen und welchen man gestalten kann. Hinzu kam und kommt, dass trotz (oder gerade wegen) dieser Intention, grundlegende Sicherheiten fehlen. Die Führungsriege des neuen Unternehmens, eines gut aufgestellten Mittelständlers mit ca. 1.500 Mitarbeitenden, viel Service und Entwicklung und einer kleinen Produktion, hatte die Idee, das Unternehmen zukunftsfähiger zu machen. Doch außer dieser Idee, geboren aus dem Verständnis, dass sich in den letzten Jahren das Umfeld, die nutzbaren Technologien und die Anforderungen der Kunden stark gewandelt hatten und dieser Effekt eher zu als abnehmen und sich eher beschleunigen als verlangsamen würde, war da noch nicht viel – oder besser gesagt, es war da viel: viel Gestaltungsraum. Und Alex hatte, mit viel Glück, die Aufmerksamkeit dieser Führungsriege erhalten und sollte, gerade weil die Erfahrung für eine solche Veränderung im gesamten Unternehmen fehlte und Alex gerne vorausgehen und neues Terrain erkunden wollte, als Speerspitze und Influencer neue Impulse ins Unternehmen tragen.

So war Alex also bei mir aufgeschlagen, ganz klassisch über das Kontaktformular auf meiner Website. Und dann haben wir geredet. Schnell war klar, dass die Chemie stimmt und die Aufgabenstellung uns beide reizte – die Grundvoraussetzungen dafür, dass beide Partner engagiert zusammenarbeiten. Und Partner sollten und wollten wir werden – für die einen als „Duo infernale“ als die Durcheinanderbringer und Aufrüttler, für die anderen als „Dreamteam“, dass gezielt neue, wichtige Impulse setzt. Wann wir dabei was sein würden und werden, das wird die Reise zeigen.

Mir selbst war und ist es immer wichtig, die Grundlagen zu verstehen und oft finden sich, wenn man die eine Ebene mal verstanden und in sich aufgenommen hat, wieder tiefer liegenden Schichten, die angesehen werden wollen und sollten. Um ganz konkret in die Problemstellungen eines Unternehmens einzudringen, die Deckschichten, die die eigentlichen Ursachen von Problemen meist überdecken, abzutragen, empfehle ich meist als geeignetes Tool, das Diagnostische Mentoring zu nutzen. Hier jedoch – so sehr am Anfang dieser ungewissen Reise, muss es zunächst darum gehen, eine gemeinsame Basis, Sprache und Verständnis sowie einen ersten Denkrahmen zu schaffen, auf die man aufbauen kann. Einfach nur um sicherzustellen, dass wir später nicht nur das Gleiche sagen, sondern auch dasselbe darunter verstehen. 

Lange Jahre im Berufsleben und über zehn Jahre intensive Suche nach Zusammenhängen von Führung und Management, nach Aktion & Reaktion, nach Ursachen und Wirkungen, haben zu einer reichen Sammlung an Modelle und Ansätze geführt, die ich häufig angepasst und  weiterentwickelt habe, sodass sie zu meinen Wahrnehmungen der Realität passen. Einer dieser weiterentwickelten und -gedachten Ansätze, der den relevanten Denk-und Handlungsrahmen für das Zusammenspiel von Management und Unternehmen, von Führung und Führungswerkzeugen, von Zielen und Ergebnissen darstellt, ist der „Petersberger Leadership- und Managementansatz“ (PLMA). 

Petersberger Leadership- & Managementansatz (PLMA)

Und genau hier, beim PLMA, bin ich mit Alex gestartet. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Alex bislang gesammelt hatte, der etwas diffusen Aufgabenstellung der Führungsriege, der Unklarheit, worauf der Fokus am Ende liegen und wohin die Reise gehen sollte – ob es um mehr ‚new work‘, neuen Arbeitssituationen und einem neuen Verständnis der Möglichkeiten eines neuen Miteinanders, um mehr Anpassungsfähigkeit und ‚Agilität‘, um mehr Ökologie in der Ökonomie, also mehr Nachhaltigkeit, oder, und das war das Wahrscheinlichste, organisationsindividuell irgendwo in den Sweet Spot dazwischen gehen sollte – brauchten wir zunächst ein flexibles und dennoch ausreichend umfassendes Grundgerüst. 

Und genau dafür ist das PLMA gedacht. So sind wir es durchgegangen und haben im ersten Schritt über die grundlegenden Zusammenhänge, das Metasystem, das jedes Unternehmen ausmacht, die verschiedenen Einflussfaktoren und Einflussebenen, diskutiert. Wir haben begonnen die Schichten nach und nach aufzublättern und in die Tiefe zu gehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Wir waren auf dem Weg ins All, um das Zusammenspiel dieser Faktoren im Unternehmen in aus dieser Perspektive zu verstehen und dann in Zukunft den Sinn fürs Detail wieder schärfen zu können. 

Der Startpunkt für unseren Dialog über und mit dem Ansatz waren 3 konkrete Fragestellungen:
1) Wofür gibt es Führung bzw. welche Zielsetzung hat Führung?

2) In welchem Zusammenhang und Abhängigkeiten stehen Management, Führung und das Geschäftsmodell?

3) Geht’s auch ohne Führung und Management?

Meine Perspektiven dazu:
 

Wofür gibt es Führung bzw. welche Zielsetzung hat Führung?

Führung, im Sandwich zwischen ‚Management‘ und ‚Menschen’ und damit mittendrin im Wirkungskreis von Werkzeugen, Ressourcen, den Geschäftsmodellen, deren Pendants, den Managementmodell(en), den Investitionen in die Weiterentwicklung all dieser Elemente und als maßgeblicher Hebel im Interaktionsraum und für das Nutzererleben aller Beteiligten, hat am Ende vor allem eine Aufgabe: Die Brücke(n) zwischen den Systemen zu bauen und es allen gemeinsam zu ermöglichen den Raum zu betreten und auszufüllen. 

Es ist damit zugleich eine anspruchsvolle wie auch erfüllende Aufgabenstellung. Eine, die immer wieder automatisch neu entstehen kann und in vielen traditionellen Strukturen allzu oft durch zu enge Vorgaben, Prozesse und Strukturen signifikant ausgebremst wird. Dabei entsteht ‚Führung‘ auch ohne Strukturen und Vorgaben spontan, wenn sich Menschen zusammentun, um gemeinsam Resultate zu erzielen, mit denen man alleine seine Probleme hätte.
Diesen Prozess der ‚Spontanführung‘ kennen wir alle. Wann immer unklar ist, wer ‚den Lead’ übernimmt, springt meist schnell jemand in die Bresche. Gut und hilfreich ist es, wenn dieser jemand weiß, was er oder sie dabei und damit tut. In Unternehmen ist der Schritt der Verantwortungsübernahme oft planvoller, dennoch nicht immer wird jemand beauftragt, der wirklich verinnerlicht hat, was das bedeutet. 


Die Zielsetzung von Führung ergibt sich aus dem Ziel, bzw. der Absicht hinter der Aktion. Geht es nur darum, sich im Freundeskreis auf einen Kinofilm zu einigen oder steht (und fällt) mit dem Erfolg der Tätigkeit die Zukunft des Unternehmens? Das eine braucht Klarheit und Moderationsskills, das andere darüber hinaus ein multiperspektivisches System-, Themen- und Rollenverständnis. Immer aber geht es darum, die Intentionen und Fähigkeiten aller Beteiligten in die Richtung eines gemeinsamen optimalen Erfolgs zu koordinieren und zu bündeln. Das muss und kann gute Führung leisten, wobei dies manchmal bedeutet, eng und konsequent zu führen und in anderen Situationen, maximale Freiheit und Lernräume zu eröffnen. Führung sollte daher immer (wieder) anders sein (können). Den einen richtigen Stil, die eine richtige Vorgehensweise gibt es nicht, denn neben den Menschen, mit denen man zu tun hat, sind es auch immer wieder die anderen (Sub-)Systeme wie das Geschäftsmodell, die Organisationsstruktur oder die Regeln, Rahmenbedingungen und Kultur(en), von denen Führung abhängt und in denen sie wirksam sein muss.

In welchem Zusammenhang und Abhängigkeiten stehen Management, Führung und das Geschäftsmodell?

Wie gerade schon angesprochen hängt Führung oft ganz direkt und manchmal sehr subtil von den (Sub-)Systemen im Unternehmen ab. Anforderungen und Erwartungen strömen von vielen Seiten auf die Führungsmenschen ein. Regeln und deren Auslegung, Normen und Werte, die offen geführten und ebenso wie die verborgenen Diskussionen rund um alle möglichen Aspekte der Ausgestaltung von Arbeitssituationen, von Qualitätswahrnehmungen, von Freiräumen, Feedback und so wichtige unsichtbare Werte wie Vertrauen, Verbindlichkeit und Verbundenheit, sie alle nehmen viel Zeit in Anspruch. Das individuelle Eingehen auf einzelne, auf die Nutzung von Ressourcen, das Verständnis für Stillstand und Weiterentwicklung, all das prägt den Umgang miteinander – wobei mir immer wieder gespiegelt wird, dass es schwerer ist den Stillstand auszuhalten, als die als notwendig verstandenen Entwicklungsschritte zu gehen.
Im Zusammenspiel von Geschäftsmodell, Management(Ansatz) und Führung, steht aus meiner Sicht der Managementansatz ganz automatisch immer an erster und dritter Stelle. Im ersten Moment geht es um die Fundamente, die Grundprinzipien, nach denen das Unternehmen funktionieren soll, um Grundwerte und den kulturellen Kern. Schwarz-weiß betrachtet bedeutet dies entweder ‚Weisung & Kontrolle‘,x als Norm zu definieren oder im anderen Extrem fundamentale Freiheit zur Selbstorganisation. Im realen Leben ist die Welt aber glücklicherweise deutlich grauer und sogar viel bunter. 


Dann, im zweiten Schritt, wirkt das Geschäftsmodell auf diesen Rahmen ein und lädt seine Anforderungen und Gestaltungsräume an Ressourcenmangel und -verfügbarkeit, an Kundenwünsche und Umsetzungsmöglichkeiten, an Partnerschaften und Engpässen, auf diesem Fundament des Managementansatzes in der Hoffnung ab, dass dieses dieser Belastung standhält.

Diese Anforderungen machen klar, welche Investitionen getätigt werden müssen, um Menschen und Materialien, Werkzeuge und Vorgehensweisen mit ihnen in Einklang zu bringen. Es muss gelernt, gemacht, gebaut und fokussiert werden, damit gelingen kann, was gelingen soll. Aus all dem ergeben sich neue Regeln und Routinen, die notwendigen und die möglichen Strukturen und damit der Paradigmen und Rahmenbedingungen unter denen zusammengearbeitet wird. Der Managementrahmen entsteht.
Und jetzt (erst) ist Führung gefragt um das alles miteinander und mit den Menschen tatsächlich umzusetzen und die erfolgreiche Umsetzung zu ermöglichen.

Geht’s auch ohne Führung und Management?

Eine spannende Frage, die Alex da stellte. Wir diskutieren und lesen viel über und von Unternehmen die maximal selbstorganisiert handeln, in der die Mitarbeitenden scheinbar unendliche Freiheiten besitzen. Ohne Hierarchie, ohne Führung, ohne erkennbaren Rahmen. Doch, wenn man genauer hinsieht, dann ist da ganz natürlich Management und Führung! Kein Zusammenwirken von Menschen hat je funktioniert, ohne dass eine kulturelle Basis, ein Grundverständnis für die Art und Weise der Zusammenarbeit bestand. Und genau das leistet Management, das ist Management. Und kein Zusammenwirken, bei dem sich Menschen zusammengetan haben, um gemeinsam mehr zu erreichen, als der einzelne bewirken kann, ist jemals ohne eine Kommunikation darüber ausgekommen, wer wann welche Aufgabe und Rolle übernimmt. Manchmal findet diese Kommunikation still und leise statt, manchmal ist sie hitzig und laut – aber immer ist es Teil des Prozesses. Und dieser Austausch, die Moderation des Prozesses, der Weg zur Entscheidung, manchmal durch einzelne, manchmal durch die ganze Gruppe, das ist Führung. Dabei ist Management der Führung bestimmende Faktor, denn Führung kann und muss immer den Rahmen ausfüllen (und erweitern oder verkleinern), den Management bietet. Führung und die von ihr ausgehende Kommunikation, der Austausch und die Dialoge sind Grundpfeiler einer optimalen Zusammenarbeit.

Damit waren Alex und ich am Ende unseres ersten Dialogs angekommen. Aber wir haben erst angefangen, wir werden weitermachen und tiefer in die Frage- und Problemstellungen, die Alex und das Unternehmen auf dem Weg zu einem neuen Umgang miteinander, zum Aufbau eines zeitgemäßen und zugleich zukunftsfähigen Selbstverständnisses, beschäftigen.

Ich bin sicher, das wird eine spannende, interessante Reise und ich freue mich auf die nächste Etappe.

Epilog zum ersten Teil

Die Geschichte von Alex ist nicht 1:1 so passiert, aber sie ist exemplarisch, für Führungsmenschen und Unternehmen, die sich auf den Weg gemacht haben, besser zu werden und sich für die Zukunft zu rüsten.
Alex ist ein virtueller Charakter, den ich in den nächsten Monaten auf der Reise in Richtung eines besseren Führungsverständnisses und einer Neudefinition des Managementmodells des Unternehmens begleiten werde. Ich werde diese Reise als Beispiel und zur Themensetzung für eine andere Reisegruppe nutzen: ‚meine‘ Studierenden. Als externer Dozent begleite ich auch in diesem Semester Masterstudierende an der HS Fresenius in Köln, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Wir befassen uns intensiv mit der Fragestellung, wie man wert- und ergebnisorientierte Führung zeitgemäß interpretieren und umsetzen kann. Den größten Teil dieser Vorlesungsreihe werde ich, wie gewohnt, im Rahmen eines „Flipped Classroom“ in Online Dialogen abhalten, auf die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Texten und Fragestellungen vorbereiten sollen. 


Als kleines Experiment werde ich diese Texte in meinem Blog jeweils ca. 1 Woche vor der Vorlesung veröffentlichen, s.d. auch alle Leser meiner Postings und Blogbeiträge daran partizipieren und Anmerkungen einbringen können. Dabei wird Alex mir (und den Studierenden) immer wieder eine neue Kernfrage oder ein zu lösendes Problem mitbringen, auf dessen Lösung der Beitrag und die Vorlesung mit konkreteren Fragestellungen und Perspektiven hinarbeiten.
Mit Einverständnis meiner Lerngruppe werde ich zudem einen Teil des jeweiligen Onlinedialogs für alle öffnen und den zugehörigen Zoom Link vorab veröffentlichen und oder Gäste dazu einladen, s.d. wir direkt miteinander ins Gespräch kommen können. 
Ich bin auf die Ergebnisse dieses Experiments sehr gespannt und freue mich auf euer Feedback und vor allem auch eure Hinweise und Tipps, also euer Feedforward!

Gute Führung beginnt mit……

Gute Führung beginnt mit……

>>> Wissenswertes & Reflexionsimpuls <<<

In diesem Beitrag erfährst Du:

  • Welche drei Basiselemente von Führung immer beachtet werden sollten.
  • Wie sie wirken und welche beeinflussbar sind.
  • Wie Du diese selbst für Dich reflektieren kannst.
  • Und als Erinnerung die 17 Flow-Auslöser (auch als Grafik zum Download)

Oh, mein Gott. Was bin ich froh mich aus der Planung und Umsetzung von Führungsmenschenentwicklungsmaßnahmen (auf der Arbeitgeberseite) raushalten zu können. Es gibt so unglaublich viele Ansätze, Richtungen, Angebote, die sich alle gegenseitig übertreffen, für die aktuellen Entwicklungen genau die richtigen sind und unbedingt genau jetzt gebucht und durchgeführt werden müssen.

Das Fatale daran: die unüberschaubare Maße kann glauben machen, dass es auf die Details, auf die sinnvolle Durchführung des Jahreszielgesprächs (finde den Fehler), die Vermittlung der richtigen Motivation (finde den Fehler) oder die das Erlernen eines geeigneten Mindsets (finde den Fehler) ankommt. Ja, es gibt ein paar Details, auf die es ankommt, aber zuvor muss die  Richtung stimmen und es müssen die Basics klar sein. Erst dann können und sollten Details relevant werden.

Mit Richtung meine ich, das gemeinsames Bild von Führung, was sie ausmacht und wie & wohin sie führen soll, dass alle Beteiligten gleichermaßen brauchen. Auf welche Denkweise (Mindset) soll sie aufbauen? Was soll sie vermitteln? Was soll sie bewirken? Braucht das Umfeld klassisches Management, das auf Weisung und Kontrolle setzen kann – weil etwa Massenproduktion in einem stabilen Umfeld so einfach am effizientesten funktioniert – oder ist der Reiseweg geprägt von einer komplexen, dynamischen Markt- und Wettbewerbssituation, die Agilität und (vielleicht sogar schon) echte, umfassende Nachhaltigkeit fordert?

Mit Basics meine ich, dass man sich, egal, welche Richtung man einschlägt, einiger fundamentaler Einflussfaktoren von Führung klar sein sollte. Klar, die Sichtweisen auf Führung sind mindestens  so vielfältig, wie es Führungsmenschen, Coaches und Berater gibt. Dennoch sehe ich immer wieder drei wesentliche Elemente, bei denen ich dazu einladen und anregen möchte, sie für sich selbst, in Bezug auf die eigene Rolle (als führender und geführter) und aus der Perspektive des Unternehmens-Gesamtsystems zu betrachten.

Worauf fußt Führung, woraus entspringt sie und was nährt Führung?

Wer genau liest vermisst vielleicht ein Wort?! Schließlich sollte es doch immer um „gute Führung“ gehen, oder?! 

Leider muss es das nicht, denn aus den drei Elemente lässt sich Führung grundsätzlich in jeder Richtung ableiten. Ob sie geeignet (= „gut“) ist, hängt davon ab, in welcher Umgebung, sie bei wem und wie wirkt. Und dabei ist die Wahrscheinlichkeit danebenzuliegen größer, als die Treffer zu landen. Führung ist schließlich eines der anspruchsvollsten, dynamischsten und komplexesten Themen. Zu führen, aber auch schlecht geführt zu werden, bringt Menschen oft genug in unnötige Stresssituationen und Dauerüberlastungen.
Das zeigt, die Anforderungen an Führung sind extrem hoch und steigen kontinuierlich weiter an – ein Grund, warum Führung immer breiter und arbeitsteiliger verstanden werden sollte. Aber das ist ein anderes Thema.

Der Grad möglicher Entlastung hängt dabei zunächst davon ab, wie aufmerksam wir uns mit vier anderen Elementen befassen: Wahlfreiheit, Fokus, Vertrauen und einem klaren Bewusstsein für die eigene Rolle und Situation. Diese vier bestimmen auf einer sehr persönlichen Ebene, welche Möglichkeiten Führung besitzt und umsetzen kann, wie sehr man sich auf den wichtigen Teil des Kontextes, in dem Führung funktionieren soll, konzentrieren kann, welche Qualität Beziehungen entwickeln können – auch die Beziehung zu sich selbst – und wie viel Lernimpulse man aus der Reflexion für sich mitnimmt. 

So findet auch jedes dieser Basiselemente eine Entsprechung in uns selbst. Es lohnt also immer auch zu reflektieren, wie es an dieser Stelle bei uns ganz persönlich aussieht.

So, jetzt aber – das erste Basiselement: Das Corporate Mindset, aka das Managementsystem

Ganz tief unten im Fundament steckt das Corporate Mindset, das Managementsystem, in dem, für das und auf dem Führung aktiv werden soll. Es ist das Element, das Führung Richtung und Rahmen gibt. Es gibt den Führungsmenschen implizit und explizit den kulturellen Kern, Werte, Normen und Basisannahmen mit auf den Weg. Es ist enges Korsett oder besteht aus raumgebenden Leitplanken. Es schafft weiten Lernraum oder punktuelle Informationscluster. Es setzt auf strenge Hierarchien oder auf Selbstorganisation. Es verankert das Unternehmen und drückt dessen Geist und seine Zielsetzung aus.
Und es findet leider in sich selbst selten widerspruchsfrei statt, was bei den Führungsmenschen im daily business unglaublich viele Reibungsverluste, Problemen und Störungen erzeugt.

Immerhin ist dieses System mit seinen Parametern und Regeln durchaus beeinflussbar, denn die Basisparameter nach denen das Unternehmen tickt, werden von jenen festgelegt, die im (und dem) Unternehmen wirklich etwas zu sagen haben. Es ist ein Struktursystem mit (theoretisch / relativ) großer Ordnung und Klarheit, insbesondere, wenn es geeignet ist, die Aufgabenstellung des Unternehmens wirklich optimal zu unterstützen. Wenn es gut auf die Vision, das Geschäftsmodell und die gewünschte Kultur abgestimmt ist, ist es weitestgehend widerspruchs- und konfliktfrei. Sonst leider eher nicht.

Diese Widersprüche und Konflikte sorgen u.a. oft für eine krasse Überregulierung vor. Für jeden Prozess, für jede Aufgabe gibt es Richtlinien, Formulare, explizite und implizite Vorgehensweisen um jede Form von Missbrauch und Wildwuchs im Keim zu ersticken. Dieses zu viel an Bürokratie und Regeln ist eines der größten strukturellen Probleme und die größte Bremse.  

Auch auf der persönlichen Ebene besitzen wir Grundannahmen darüber, wie Dinge zu sein haben, Regeln und Rahmenbedingungen in und mit denen wir arbeiten. Diese betreffen ganz direkt auch die Frage, welche Freiheiten wir als selbstverständlich und als unerreichbar (für uns) betrachten. Sie bestimmen unsere Routinen, unsere Denk- und Handlungsweisen. Meist bewegen wir uns nur innerhalb dieser Komfortzone, doch echtes Lernen und echte Weiterentwicklung finden immer nur an der Grenze zum ungewohnten und unbekannten statt. Sich immer wieder selbst herauszufordern und diese „magische Zone“ zu betreten, schafft langfristig mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl und damit oft auch mehr Akzeptanz und Anerkennung durch das Umfeld.
Auch hier gilt: Habe ich zu viele Regeln, Vorurteile und mentale Bremsen in mir, ist das die größte Bremse auf dem Weg zu einem sinnvoll gestalteten Arbeitsalltag und ich stehe mir permanent selbst im Weg. 

Das zweite Basiselement ist der Kompetenzkontext, in dem man sich selbst und das Team sich bewegt. Abhängig vom herrschenden Managementsystem, sollten Führungsmenschen, die in einem ruhigen, komplexitätsarmen Umfeld auf hierarchische Entscheidungsfindung setzen (können), mehr fachliche, beziehungsweise Führungsmenschen in einem dynamischeren, komplexeren Umfeld, mit kompetenznutzenden Entscheidungsprozessen, mehr menschliche Führungskompetenz besitzen.
Auch dieses Element ist, mit dem notwendigen Bewusstsein in der Organisation auf der Managementsystemseite, beeinflussbar. Dieser Bereich besitzt zugleich eine individuelle Systemkomponente, die andere Skills in dem Umgang erfordern. 

Auf der persönlichen Ebene sollte daher geklärt sein, was im Zusammenhang mit den Aufgaben, die man selbst bzw. Das Team und die Organisation gestellt bekommen, am sinnvollsten ist UND womit man am besten klarkommt. Nicht jeder kann menschenzentriert führen und ist in der Rolle des Moderators, Mentors, Kommunikationsinterfaces, des „Lernbegleiters“ und „Entwicklungshelfers“, glücklich. 

Das dritte Element sind die Beziehungen, mit denen Führungsmenschen immer zu tun haben, die sie aufbauen, pflegen und manchmal abbrechen müssen. Ein naturgemäß komplexes, weil auf Seiten aller Beteiligten sehr individuelles und die Persönlichkeit betreffendes Thema. 

Es geht darum zwischen Nähe, Verbundenheit und Distanz, zwischen Aufmerksamkeit und „Laufen lassen“, Feedback und Feedforward, Vorgaben und Wahlfreiheit, Kontrolle und Vertrauen, Aufgabenvielfalt und Fokus das für beide Seiten optimale Maß zu finden. Hier ist die Hauptaufgabe, die Bedingungen zu schaffen, dass viele der „Flow State Trigger“ zum Tragen kommen können. 

Zum Download einfach anklicken und speichern

Dazu braucht es immer auch eine gesunde Beziehung zu des Führungsmenschen zu sich selbst, d.h. Selbst(er)kenntnis und SelbstbewusstHEIT, Selbstwahrnehmung und Offenheit sich in der eigenen Denk- und Handlungsweise zu hinterfragen. Dinge, die man ganz hervorragend mit guten Freunden beim Wein bzw. Bier diskutieren kann oder deren Betrachtung eine kluge, zeitgemäße Organisation durch Coaching begleitet.  

Noch etwas gehen zeitgemäß geführte und zukunftsorientierte Unternehmen anders an, gerade in schwierigeren, veränderlichen, schnelle Anpassung erfordernden Umfeldern. Sie setzen vermehrt auf verteilte Führung. Führung, gerade dann, wenn das Bewusstsein über eine Zunahme der vielfältigen Herausforderungen weiter wächst, ist kaum mehr durch einzelne Personen zu leisten. Es hilft und tut gut, sich die Aufgabe zu teilen und Menschen in den „lead“ zu bringen, die die gerade geforderte Kompetenz auch umfassend besitzen. Das erleichtert allen die Arbeit, macht das Unternehmen schneller und erfolgreicher. 

Aus meiner Sicht ist es entscheidend, sich diese drei Basiselemente, ihr Zusammenspiel und ihre jeweilige Wirkung auf den Arbeitsalltag immer wieder vor Augen zu führen. Nur so lassen sich Fehler in diesem Zusammenspiel identifizieren, unnötiger Ballast abwerfen und nur so können Führungskräfte wirklich bewusst entlastet werden, damit sie ihre wahren Kompetenzen optimal einbringen können. Am Ende geht es schließlich um den Erfolg des Unternehmens und damit um den Erfolg aller.   

Wenn Du herausfinden möchte, welche Störquellen für zeitgemäße Führung sich im Managementsystem Deines Unternehmens verbergen, dann habe ich, sowohl auf individueller, wie auch auf Teamebene, ein herausragendes Tool dafür am Start. Eine weltweit hundertfach genutzte, wissenschaftlich fundierte Onlinebefragung, die in kürzester Zeit die klassischsten Problemstellungen aufzeigt. Zielgenau und schnell & einfach zu benutzen. Wer mag, einfach bei mir anfragen. 

Wenn Dich das Thema grundsätzlich interessiert und Du es in Bezug auf Deine eigene Führungssituation vertiefen möchtest, dann sicher Dir einen Termin für ein persönliches Gespräch mit mir.   

Ach, und ein ganz anderer Input zum Thema Führung: Das Augenhöhe Camp in Hamburg, das ich auch in diesem Jahr wieder als Medienpartner unterstütze und unterstützen darf. Auch hier geht es, wenn Du willst, um Führung.

Wer in dem bestehenden breiten Angebot gute Literatur zu einem bewussten Umgang (auch) mit Führung im Zusammenhang mit Agilität sucht, der sollte sich „Agile by Choice“, das neue Buch von Lukas Michel vorbestellen. Ich durfte meine Referenz gleich auf dem Buchdeckel hinterlassen: „Führung ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben in Unternehmen. Der Kern guter Führung ist Selbstreflexion und die Fähigkeit, sich selbst zu führen. ‚agile by choice‘ enthält den perfekten Leitfaden zur Selbstreflexion und zur Entwicklung von mehr Führungskompetenz.„ (Trotz aller Bedenken bzgl. Übermacht und Nachhaltigkeit bei Amazon: Hier kann man das gerade erschienene Buch schon bestellen.)

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Da hilft kein impfen!

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>>> Reflexionsimpuls <<<

Wandel funktioniert nicht nach Rezept und nicht nach Plan. Es ist aufwändig, die Welt zu verändern, es kostet Zeit, Geld und Mühen. Drei Ressourcen, die wir teils nicht einbringen wollen oder bei denen es schlichtweg nicht in unserer Macht liegt sie zur Verfügung zu haben. Und dennoch ist es JETZT Zeit die großen Dinge zu anzugehen und zu verändern. Allem voran die Pandemie und die um sich greifende Klimakatastrophe.

Das ich Unternehmen, vom Soloselbstständigen bis zu den weltweiten Konzernen auch bei diesen beiden Themen immer besonders im Blick habe, ist kein Geheimnis. Wir, mit unseren Angeboten und dem Einfluss auf Kunden und Mitarbeiter, können und müssen hier vieles tun, was wir bislang außerhalb unserer Einflusssphäre wahrgenommen haben. Doch wir, die Impulsgeber und Führungsmenschen in solchen Unternehmen, haben und hatten schon immer einen wichtigen Hebel in der Hand. Einen Hebel, den wir jetzt gezielter denn je einsetzen können. Was und wie, dafür bitte ich euch einen Moment Zeit zu nehmen. 

Spätestens seit Agilität – trotz und wegen seiner Substanz – zur Mode geworden ist, ist „Mindset“ ein Thema. Häufig hört man „Das Mindset der Mitarbeiter muss sich ändern“, manchmal “Das Mindset der Chefs ist noch nicht reif für Agilität“. 

Ja, klar kann es sein, dass die Haltung, die Sichtweisen, die Erfahrungen der Mitwirkenden es nicht leicht machen oder gar zulassen, dass neue Arbeitsweisen angenommen und gelernt werden können und wollen. Klar entsteht Widerstand – immer! Klar stehen persönliche Ziele dem gemeinsamen im Weg, klar hat jede und jeder persönliche Werte und Normen. Und klar, man kann daran arbeiten, das alles zu verändern. Man kann coachen, Workshops und Seminare machen, Erfahrungen vermitteln, Ideen ausprobieren, trainieren. Und wenn sich jede und jeder voll einbringt, dann kann ein ‚Mindsetshift‘ funktionieren. Der Nachteil: Das Ganze hat nur minimale Reichweite. Man muss mit jedem und jeder einzelnen arbeiten. Man muss hoffen, dass etwas durchdringt und es ist und bleibt wirklich viel, viel, viel Arbeit am und mit den Menschen. Aber, klar, die Zeit und das Geld und die Mühen sind es Wert. Schließlich gibt es keine Alternative….

Was machst Du eigentlich, wenn Du zum Sport gehst, oder in die Oper? Gleiche Klamotten, gleiches Auftreten, gleiches Denken, gleiches „Mindset“? Ich wette, Du verhältst Dich in unterschiedlichen Settings auch unterschiedlich. Du denkst sogar unterschiedlich, weil Du ganz unterschiedliche Impulse und Eindrücke bekommst. Gleichzeitig ist es für uns die natürlichste Sache der Welt uns anzupassen, zumindest wenn wir das wollen und wissen, oder zumindest ahnen, welches Verhalten von uns erwartet wird. Genau das machen wir ja auch jeden Tag, wenn wir zur Arbeit gehen. 

Bei einem Mindset-change im Job geht es also glücklicherweise „nur“ um das Mindset, dass wir während der Arbeit haben (sollen). Was wir uns klarmachen sollten: Die geforderte ‚Entwicklung‘ ist immer eine Antwort auf die Veränderungen, die das Unternehmen erlebt und die es – und das ist der Punkt – noch nicht im unternehmenseigenen Verhaltenskodex verankert hat. Durch den Mindset-change wird versucht das Verhalten jedes einzelnen zu verändern, um insgesamt zu neuen Werten, Normen, Perspektiven zu kommen und so den Rahmen, in dem alle agieren sollen, zu verändern. 

Ob das so sinnvoll ist? Ich habe da meine Zweifel!

Was wir uns auch klarmachen sollten: DAS „Mindset“ der Mitarbeitenden gibt es gar nicht. Es gibt, wie gesagt, nur viele, viele individuelle und zudem situationsabhängige Verhaltens- und Denkweisen. Die Frage ist, welche Wege es gibt, um zu etwas zu kommen, das dann, später als Mindset der Organisation, als Selbstverständnis, Wertekodex, Denk- und Verhaltensrahmen, als Kultur wahrgenommen wird? Denn das hätte eine große Reichweite, die nicht nur die Mitarbeitenden umfasst, sondern sich über die Grenzen des Unternehmens hinaus fortsetzt und von Kunden und dem ganzen Umfeld wahrgenommen wird. Es ist, als baue man an der Stelle der alten Oper das neue Stadion (oder umgekehrt) statt jedem Opernbesucher Sportklamotten in die Hand zu drücken. Womit auch klar ist: Wer weiter in die Oper gehen will, den wird weder das neue Stadion, noch würden ihn oder sie die neuen Klamotten überzeugen. 

Gerade die Unternehmen, die in stabilen Umfeldern groß und profitabel geworden sind, denen ist es oftmals gelungen ist, durch Normen und Strukturen die Effizienz zu optimieren, sollten sich diesen Unterschied klarmachen und ihn bedenken. Solange sie nach Plan arbeiten können, funktionieren sie tadellos. Kommen jedoch Veränderungen, Ausnahmen, sind Abweichungen vom Plan notwendig, dann wird es schwierig, dann müss(t)en Verhalten und Denken anderen Wegen folgen können. Dann müssten, um in der Analogie zu bleiben, doch Operngläser oder Handtücher verteilt werden. Das wäre ein leichtes, wenn es denn möglich wäre das eine oder andere zu tun, wenn es allgemein zugelassen wäre. Doch meist braucht das Genehmigungen, Entscheidungen, Anträge und plötzlich ist es zu spät.
Dabei gilt eine banale Tatsache: Die Menschen in der Organisation könn(t)en damit umgehen – immer! 

Wichtig ist: Als Organisation komplexitätsklug zu sein, d.h. die Ausnahmen rechtzeitig zu erkennen und anders als der alten Norm entsprechend mit ihnen umzugehen, erfordert ein entsprechendes, angepasstes, organisationales Rahmenwerk. Ein Rahmenwerk, das den Beteíligten den Raum gibt frei(er) zu agieren und das ausreichend Beispiele und Referenzen beinhaltet, an denen man sich orientieren kann.
Mit komplexen, dynamischen Systemen umgehen, komplexe Herausforderungen und Aufgabenstellungen meistern zu können erfordert kein angepasstes Mindset einiger Mitarbeiter, es erfordert ein anderes Mindset der Organisation! Es erfordert, tief in der Basis aller Regeln, Normen und Werte andere Ansätze und Konzepte. Wobei der Punkt ist: Diese Ansätze und Konzepte zu entwickeln und zu verankern erfordert meistens deutlich weniger Geld, Zeit und Mühe, als in dies mit jedem Mitarbeiter im Einzelcoaching, -training, Workshop und Seminar zu erarbeiten. 

UND: Jedes Unternehmen kann es schaffen und die Voraussetzungen dafür aufbauen in Zukunft komplexitätsklug agieren zu können und immer wieder adäquat und schnell auf seine spezifischen „Ausnahmen“ zu reagieren. Voraussetzung dafür ist, dass die Mitwirkenden ihre Fähigkeit zum Umgang mit Komplexität einbringen können und vor allem dürfen.

Allerdings: Es gibt kein Rezept, keine Vorlage und keine best Practice, denn jedes Unternehmen ist in sich ein komplexes und offenes dynamisches und komplexes System. Aber, es gibt Zutaten und Hinweise, aus denen sich strategische Zielrichtungen und Maßnahmen ableiten lassen.

Was also sollte drin sein, in so einem Rahmenwerk, dass dazu in der Lage ist die Organisation komplexitätsklug zu machen und dabei dem Mitwirkenden den notwendigen Raum zu geben? Der erste Schritt sind bewusste, ehrliche Antworten auf die Fragen:

  1. Was ist das Ziel? Worum geht es ganz konkret? Was würden wir tun, wenn wir keine Minute Zeit und keinen Cent erübrigen könnten und wir voll engagiert an die Sache herangehen würden? Was wollen wir unbedingt (im Markt) bewirken?
  2. Wie machen wir Teams – jedes einzelne für sich betrachtet – klug, effektiv und effizient? Welche Normen und Regeln braucht das Team? Wie groß sollte es sein? Welche Kompetenzen, welches Wissen und welcher Zugang zu Informationen sollte vorhanden und möglich sein? 
  3. Wie schaffen wir Strukturen, in denen sich Teams, Abteilungen und Bereiche modular ergänzen, sich gegenseitig unterstützen können und ggf. ‚ungestraft‘ Redundanzen entstehen? 
  4. Wie gelingt es, dass Kompetenz und Wissen führt – statt Hierarchie oder Demokratie? Was ist an Werten und Normen wichtig, damit kompetenzbasierte Führung funktioniert? Wie kommt man zu klugen, zielgerichteten Entscheidungen? Wie kann die notwendige Vertrauensfülle geschaffen werden? Wie verhalten sich Fehler und Lernen zu Vertrauen und Respekt?
  5. Wie gelangt Wissen dahin, wo es benötigt wird und angewendet werden kann? 
  6. Und eine der wichtigsten Fragen: Wie kann bestehender Wertschöpfung verhindernder Arbeitsballast identifiziert und neuer vermieden werden?   

Auf der Konzeptebene fallen die Antworten leicht, im speziellen, organisationsindividuellen Kontext, kostet es etwas mehr Aufwand die Antworten auszugestalten. 

Auf der Konzeptebene würde ich wie folgt antworten:

  1. Es geht darum konkrete Kundenprobleme zu lösen. Nur das interessiert! D.h. nicht, dass Mitarbeiter nicht im Fokus stehen sollten, Menschenzentrierte Führung ist essenziell, aber der Kunde ist mit seinen Umsätzen der Hauptinvestor in das Unternehmen.   
  2. Es sind kleine, frei agierende, crossfunktionale Teams von Menschen, die sich gerne ergänzen, einander zuhören und respektvoll miteinander umgehen. Eine Ebene höher sind es Teams von Teams, die frei agieren, sich crossfunktional austauschen, sich gerne ergänzen, einander zuhören und respektvoll miteinander umgehen. Eine weitere Ebene höher sind es Bereiche, die frei agieren, … Du weißt, was da noch kommt. 
  3. Wenn 2. gelingt, ist 3. schon fast geschafft. Dann kann das Unternehmen als Netzwerk komplexitätskluger Teams funktionieren, die mit jedem Grad an Komplexität und Dynamik umgehen können – und, ja auch mit vollkommener Stabilität. 
  4. Es geht um gegenseitigen Respekt und Vertrauen und damit die Elimination von Respektlosigkeiten, der Aufbau von Vertrauenswürdigkeit und Vertrauensfülle. Wenn Respekt und Vertrauen – in die eigenen Fähigkeiten wie auch in die der anderen – die Entscheidungsprozesse leiten, dann ist viel gewonnen!
  5. Umfassende, verständliche und transparente Kommunikation, keine Gerüchte, keine Halbwahrheiten, kein „das sollten wir niemandem sagen“. Wer sich einmal hintergangen oder uninformiert gefühlt hat, wird sich mit Respekt und Vertrauen schwertun. Und, ja, klar gibt es Bereiche, da kann und darf nicht jeder alles wissen. Wenn aber klar ist, welche Bereiche das sind und WARUM das Wissen hier nicht geteilt werden kann, dann ist auch hier viel gewonnen. 
  6. Das ist einfach und mühevoll. ‚Einfach‘ ist damit zu beginnen den Prozess, an dem man gerade arbeitet anzuschauen und zu überlegen, unter welchen Annahmen und Zielsetzungen er eingeführt wurde. Wem nützt er? Warum existiert er? Wer hat ihn geschaffen? Wer muss Zeit, Geld, Mühe oder andere Ressourcen investieren? Was würde sich ändern, wenn es den Prozess so nicht gäbe? Wie könnte eine ebenso wirksame (im Sinne der Wertschöpfung) Alternative aussehen? Wer traut sich die Alternative(n) auszuprobieren und die Erfahrung zu berichten?
    ‚Mühevoll‘ ist es, das mit allen Prozessen zu tun (und hilfreich ist es natürlich die Prozesse bzgl. Ihrer Häufigkeit und Tragweite zu priorisieren). 

Und eine siebte Antwort auf eine nicht gestellte Frage: Sich so aufzustellen hilft, um mit den aktuellen und künftig exponentiell wachsenden Herausforderungen, wie Nachhaltigkeit, besser begegnen. Und, soviel ist sicher: Dieses Thema spült in jedes bislang noch so stabile Unternehmen eine Menge an zusätzlicher Komplexität!

„Ihr könnt eure Mitarbeiter nicht mit neuen Mindsets impfen! Hört auf die Mitarbeitenden verbiegen zu wollen, wenn das Mindset der Organisation schief, verzogen und das Problem ist. Es sind nicht die Menschen, die ihr ändern müsst, es ist der Rahmen in dem sie miteinander arbeiten, den es zu verändern gilt!“ 

Ob sich ein Unternehmen überhaupt mit diesen Fragestellen beschäftigen sollte, ob die Top-Führungskräfte ihre Zeit und Kompetenzen hier einbringen sollten, hängt davon ab, wie und wo das Unternehmen dasteht und wohin es sich entwickeln will.

Wie stabil oder dynamisch ist das Umfeld, der Markt, der Wettbewerb? Gilt es auf besondere Ereignisse oder neue Herausforderungen und Probleme zu reagieren? Erfordern diese Reaktionen neues Wissen, neue Erkenntnisse, neue Impulse? 

Wie klar ist der Fokus jedes einzelnen auf die Kernziele des Unternehmens, (und) die  Wertschöpfung? Wie ist die Informationslage? Wohin entwickeln sich Trends und welche sind relevant?


Mustererkennung ist hier wichtig! Muster im Umfeld, wie auch Muster, die sich in den Strukturen und der Handlungsweise des Unternehmens widerspiegeln. Sie erlauben es abzuleiten, welche Wirksamkeit und welche Kosten einzelne Maßnahmen mit sich bringen. Sie erlauben zu identifizieren welche Grundlagen, Basisannahmen, Regeln und Rahmenbedingungen man ändern kann, sollte und muss. Sie erlauben auch zu erkennen, wieso viele Reports, Boni und KPI nicht mehr in die Zeit passen. Sie gestatten Abhängigkeiten in Beziehungen, Rollen und Strukturen aufzudecken, die vor allem Kosten aber kaum Nutzen erzeugen und sie rücken Schattenorganisationen ins rechte Licht (denn oft sind sie ein Spotlight wert, denn sie retten mehr Organisationen, als man glaubt).

Quintessenz 

Wir sollten Mindsets aufbauen, die uns helfen, die Krisen und Katastrophen zu überstehen, neue Möglichkeiten zu eröffnen und den Denkrahmen stetig zu erweitern. Nur müssen wir dieses Mindset Tief im Fundament der Organisation verankern, nicht „nur“ in den Mitarbeitenden.
Wir brauchen Mut Neues auszuprobieren und Gelassenheit Fehler zu machen. Wir müssen alte Zöpfe abschneiden und Systemwechsel ermöglichen.
Das alte hat uns an die Schwelle zu dieser neuen Zeit geführt. Jetzt ist Zeit den nächsten Schritt in diese Zeit zu meistern, um mit den neuen Herausforderungen und weiter wachsenden Komplexitäten umzugehen. Ich weiß, dass die Masse aller Unternehmen das kann und will. Ich weiß auch, dass viele sich noch schwertun, weil Ihnen in der Vielfalt der Möglichkeiten die Orientierung fehlt. Aber: Ihr habt in euch, was euch ausmacht! Findet Wege dem Raum zu geben, werdet los, was euch hindert, werft über Bord, was ihr nicht mehr braucht und lasst euch helfen, wo ihr Unsicherheit verspürt. Die beste Zeit die Zukunft zu gestalten war in der Vergangenheit, aber es ist dennoch besser heute zu starten, als morgen! Bei all dem hilft kein impfen, es braucht nur die Erkenntnis und die Überzeugung, dass die Zukunft noch immer positiv gestaltbar ist. Startet! Jetzt!

Wenn ‘umweltfreundlich’ nicht mehr reicht – Wie sich Fokuspunkte  im Management verschieben und vereinen müssen

Wenn ‘umweltfreundlich’ nicht mehr reicht – Wie sich Fokuspunkte im Management verschieben und vereinen müssen

Ich wollte diesen Beitrag mit einem dramatischen Statement starten und beschreiben, wie sich der Druck auf Unternehmenslenker und Führungskräfte immer mehr erhöht, weil sie immer mehr Anforderungen, Erwartungen, Vorgaben erfüllen müssen, wie immer mehr neue Fokuspunkte sich zu den alten, wie Kundenzentrierung, dem ‚war for talents‘, Wachstum, Umsatz, Gewinn, Kostensenkung, Corporate Social Responsibility, Bürokratieabbau, Corona, Home Office, Hybridem Arbeiten, New work, next normal hinzugesellen. 

Aber, wenn man mal genauer hinschaut, ist für so einen langsamen dramatischen Aufbau eigentlich keine Zeit mehr.

Wir stehen vor einem, aus meiner Sicht absolut notwendigen, und signifikanten und unvermeidlichen Entwicklungsschritt für „das Management“. Nachdem wir in den letzten zig-Jahren kaum echte Fortschritte bei Themen wie Kundenzentrierung gemacht haben (überlegt bitte selbst, wie lange ihr das Thema schon selbst versucht vollständig umzusetzen, oder wie lange ich davon lest und hört), nachdem in den vergangenen (auch fast zig-)Jahren mit transformationaler Führung, ‚new work‘ und dem ‚war for talents‘ die Idee einer Menschenzentrierung im Management und der Führung Einzug gehalten hat, stehen wir jetzt an der Schwelle einer Entwicklung, in der umweltfreundlich und klimaneutral als Attribute nicht mehr ausreichen, auch wenn (oder gerade auch weil) viele Unternehmen da noch nicht sind. 

Und auch wenn das Thema Ökologie aus ökonomischer Unternehmenssicht vor allem ein Kostentreiber ist: aus der gesamtgesellschaftlichen und gesamtmenschheitlichen Verpflichtung, heraus, die jeder von uns trägt, ist jeder Tag, der vergeht in dem wir es nicht sehr ernsthaft und konsequent angehen, ein Tag, der unsere Nachkommen, mit 99,9999% prozentiger Wahrscheinlichkeit, teu(r)er zu stehen kommen wird. Kurz: Wir sind eh schon zu spät und warten ist keine Option mehr.

Wer’s nicht glaubt, der/die kann ja, jetzt schonmal seinen Herbsturlaub hier nebenan im Ahrtal buchen, es sollte aber wohl der Herbsturlaub 2022 oder 2023 sein, der vorher wird da nicht viel Erholung in wiederhergestellter, schöner Natur möglich sein. Oder er/sie kann versuchen für den Rest des Jahres mit den noch verfügbaren, nachwachsenden Ressourcen dieses Jahres auszukommen. Allerdings ist heute, weltweit gesehen, earth overshoot day und die Ressourcen für dieses Jahr sind alle schon verbraucht. (Allein auf Deutschland bezogen war das bereits der 5. Mai, für die Schweiz der 11. Mai, und für die Vereinigten Staaten der 14. März.)

Kurz: Wir müssen loslegen und ich habe die Hoffnung verloren, dass wir auf die Politik warten können, um sinnvolle Vorgaben oder auch nur Hinweise zu erhalten. 

Die Frage ist: Wie können wir dies tun, ohne uns damit gleichzeitig vollkommen zu überfordern – denn damit ist auch niemandem geholfen?

Gestern schreib ich als Kommentar auf einen Linkedin-Post von Christina Bösenberg u.a.: „Um die weitere Klimakatastrophe abzumildern, muss jeder für sich, aber insbesondere wir alle gemeinsam etwas tun. Für mich liegt der Schlüssel bei „uns“, dh. bei allen Unternehmer:inne:n, Unternehmenden und Vorständen, GFs etc. Wenn es möglichst schnell gelingt ,Angebote und Arbeitsstrukturen zu schaffen, bei denen Kund:in:en und Mitarbeitende gar nicht anders können als ökologisch „richtig“ zu handeln, haben wir einen Riesenschritt getan!

Natürlich muss zugleich aus Unternehmenssicht ökonomisch und sozial „richtiges“ Handeln mit in den Waagschale, aber das ist nicht nur möglich, sondern halt absolut notwendig.“

Was ich in dem Kommentar schuldig geblieben bin, ist die Antwort darauf, wie das gelingen, bzw. wie man damit strukturiert und zielgerichtet beginnen kann, neben all den anderen Themen, die Unternehmenslenker und -denker schon jetzt täglich herausfordern?

Um es gleich vorwegzuschicken. Auch hier wird der Platz nicht reichen, meinen favorisierten Ansatz soweit im Detail vorzustellen, dass man damit arbeiten kann. Das würde (mindestens) ein Buch füllen. Aber vielleicht hilft eine erste Skizze, um darauf weiter rumzudenken. Daher hier in möglichst kurzen Worten meine Wegbeschreibung, zusammen mit ein paar ersten Reflexionsfragen, um erste Schritte zu starten: 

Ich muss kurz ausholen: 

Das Ziel hinter einem kundenzentrierten Managementansatz ist ökonomisch in eine optimale Position zu kommen, um bestmögliche Angebote, im Idealfall gemeinsam mit den Kunden oder zumindest eng an dessen/deren Vorstellungen entlang, zu schaffen. Das langfristige wirtschaftliche Überleben ist einer der Haupttreiber.

Das Ziel eines menschenzentrierten Managementansatzes, zu dem ich auch Aktivitäten in Richtung von ‚new work’ und ganz allgemein Arbeitszufriedenheit und Flow zähle, ist es positive Wirkung auf einer sozialen Ebene – insbesondere bei aktuellen und zukünftigen Mitarbeitern – zu erzielen. Ziel ist es die Voraussetzungen für mehr Leistungsfähigkeit, -bereitschaft und -vermögen zu schaffen. 

Das Ziel eines umweltzentrierten Managementansatzes ist es einen positiven Beitrag für die Überlebensgrundlagen der Spezies Mensch auf diesem Planeten zu leisten. Dinge wie Ressourcenneutralität, die Nutzung regenerativer Energiequellen und eine positive CO2 Bilanz tauchen dabei auf der Bucketlist auf. Es ist damit ein Ansatz der, anders als die anderen,   zunächst nicht direkt auf den Erfolg und das Überleben des Unternehmens einzahlt, sondern allein auf der metagesellschaftlichen Ebene zu liegen (scheint). Zudem spielt natürlich die Überlegung eine Rolle, dass andere Unternehmen sich dieser Herausforderung einfach nicht stellen und damit im Wettbewerb (zunächst) profitieren. Überlegungen die berechtigt und notwendig sind, aber die eben auch weitergehende Auswirkungen in sich tragen.

Wenn man so unterschiedliche Fokuspunkte hat, lohnt es in ihrem Schnittpunkt zu starten. 

Alle drei Zentrierungs-, oder besser, ‚Fokusbereiche‘ finden sich in der Gesamtsicht in der Logik der starken Nachhaltigkeit wieder, die bewusst auf eine ausgeglichene Bilanz und Balance der drei Elemente abzielt.  

Natürlich kann man den Weg gehen, den einige Organisationen bereits eingeschlagen haben, diese drei Bereiche unabhängig voneinander zu betrachten und zu implementieren. Was dabei entsteht, bezeichne ich, zum Beispiel im Bereich agilerer Kundenbeziehungen gerne als agile Inseln (der Glückseligkeit oder des Missmuts, je nachdem wie das Umfeld darauf reagiert).

Im Bereich des sozialen Miteinanders wird mit work hacks experimentiert, neue Mitarbeiter werden hofiert, zusätzliche Boni (und andere ‚Leckerlie’) in Aussicht gestellt, die nach mehr Menschenzentrierung aussehen, aber zugleich oft für Spannungen im Führungs-/Management-/Betriebssystem führen, weil sie nicht mit dem bisherigen Denken und Handeln kompatibel sind. (Wobei ja auch ich damit und daran natürlich auch verdiene, wie viele Kollegen auch.)

Und natürlich sind einige Unternehmen auch ISO 14001 etc. konform unterwegs und halten alle bestehenden Standards ein. Wobei ich behaupte, dass es zwischen der ISO-Norm und der Übernahme echter, ernstgemeinster Corporate Climate & Environmental Responsibility noch ein Unterschied besteht.

Aber es gibt eben auch Unternehmen, denen gelingt es Nachhaltigkeit so tief in die Grundfesten des Unternehmens zu integrieren, dass man das, was dabei entsteht als einen neuen, (eben) nachhaltigen Managementansatz verstehen kann. Zwei Beispiele, die ihr sicher kennt: Patagonia in den USA und Vaude aus Tettnang im Südschwarzwald. Beide in einem Bereich tätig, den man aus ökologischer Sicht, soweit möglich, vermeiden sollte: der Textil- und Bekleidungsindustrie. Einem Bereich in dem Rohstoffe oftmals ökologisch belastet sind, die Bedingungen bei der Herstellung selten unseren sozialen Standards genügt und die Ökonomie oft auf Profitmaximierung ausgerichtet ist.
Und doch ist es in beiden Unternehmen gelungen ein Managementsystem zu etablieren, das es den Mitarbeitern und Kunden leicht macht ökologisch, sozial „richtig“ zu handeln und das die Unternehmen dennoch auch ökonomisch ausreichend erfolgreich sein lässt. So erfolgreich, dass Patagonia inzwischen keine Wachstumsziele mehr verfolgt.

Nachhaltiges Denken und Handeln so im Unternehmen zu verankern, dass alle Beteiligten, Kunden, Mitarbeiter aber auch Lieferanten und Geschäftspartner kaum anders können, als im Sinne des Überlebens unserer Spezies sinnvoll zu handeln, ist dabei deutlich weniger aufwändig, schwierig und mit Konfliktpotenzialen behaftet, als die drei Bereiche jeden für sich anzugehen und abzuarbeiten. Warum? Ganz einfach, weil sich ein anderer und vor allem stimmiger kultureller Kern entwickeln kann, weil die Widerspruchsfreiheit im Denken und Handeln steigt, weil systeminterne Konflikte verhindert und Energien und Ressourcen fokussierter eingesetzt werden können. Was tief ins organisationale Betriebssystem (aka das Managementmodell) eingewoben ist, wirkt einfach nachhaltig und langfristig besser und erfolgreicher.   

Wer sich traut als Mitarbeiter/Führungsmensch(en), Team oder in der ganzen Organisation in diese Richtung zu denken, für den hier ein paar Reflexionsfragen, um erste Klarheit zu gewinnen:

  • In welcher Welt wollen wir alt werden und sollen unsere Kinder leben können? Wie soll sie aussehen, bzw. wie soll sie nicht aussehen, in 10, 20 oder 30 Jahren?
  • Was wollen die anderen und wer denkt wie ‚wir‘? Wer hat Angst, wer negiert die Entwicklung? 
  • Was passiert, wenn unsere Kunden beginnen ‚nachhaltig richtig handeln zu wollen‘? Was macht das dann mit unserem Geschäft? Können wir darauf reagieren? Werden wir dann eher auf der Gewinner- oder auf der Verliererseite stehen?
  • Welche Grundannahmen über unsere Kunden, unsere Angebote und unsere Zusammenarbeit passen dann noch, welche müss(t)en sich verändern?
  • Sind wir, Stand heute, in der Lage, diese Veränderungen umzusetzen oder steht uns dafür noch etwas im Weg? Was ist es? Kann man diese Themen offen und ehrlich ansprechen oder haben wir an dieser Stelle ein kulturelles Problem?
  • Wer kann uns helfen, bestehende Hemmnisse zu überwinden? Wer, intern oder extern, kann uns helfen unsere Angebote und Produkte anzupassen?  
  • Wo stehen wir aktuell überhaupt im Kontext Ökonomie, Soziales und Ökologie? Sind wir in allen Bereichen schon gut aufgestellt und funktioniert der Austausch bzw. das Zusammenspiel dazu intern wirklich gut und reibungslos?
  • Wie (re)agieren unsere Wettbewerber auf diese Veränderung? Können wir uns ein Differenzierungsmerkmal schaffen, indem wir beginnen konsequent, im Sinne eines nachhaltigen Managements zu handeln? 

So sehr ich es mir wünschen würde: Ich glaube nicht, dass man die Entscheidung darüber nachhaltig richtig zu handeln, allein den Kunden und dem Umfeld überlassen kann und sollte. Noch sind die Menschen, die sich mit ausreichend viel Herzblut für diese Themen einsetzen (können) klar in der Minderheit. Andererseits glaube ich, dass es nicht lange dauern wird, bis neue Regularien Unternehmen in Zugzwang bringen werden. Wir sind einfach zu spät dran, um noch lange warten zu können. Die Revolution der Kinder und Jugend, die die Auswirkungen unserer heutigen Lebensweise ausbaden müssen, kann nicht mehr sehr lange auf sich warten lassen. Aus meiner Sicht sind es vor allem die verantwortungsbewussten Manager und Unternehmer, denen es gelingen kann, eine Trendwende mit der notwendigen Geschwindigkeit umzusetzen. Wichtig dabei: Macht auf euch aufmerksam, macht euch miteinander bekannt, meldet euch zu Wort, zeigt das sich etwas tut! Das Thema hat das Potenzial eine starke Gemeinschaft zusammenzuführen.

Die wirklich klugen, zukunftsgerichteten Unternehmenslenker sind schon längst in dieser Richtung auf dem Weg, andere beginnen zu folgen. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem jeder verantwortliche Manager überlegen muss, wohin die persönliche und die unternehmensweite Reise gehen soll. Ich denke, es kann nur ein Ziel geben.

Die Klimafrage: Zu spät oder noch nicht zu spät…?

Die Klimafrage: Zu spät oder noch nicht zu spät…?

Eigentlich eine banale Frage, deren Antwort wohl jedem klar ist. Wenn’s eh zu spät ist, brauche ich doch gar nicht mehr mit irgendwelchen Maßnahmen zu starten.

Die Unwetterkatastrophen, die unserer Region(en) gerade heimgesucht haben, zeigen ja, was „ein bisschen Wind“, in diesem Fall vor allem der veränderte Jetstream, bewirken kann. Die zunehmenden Dürren der letzten Jahre haben uns weniger schmerzlich getroffen als der viele Regen, Symptome der gleichen Entwicklung sind es ja dennoch. 

Also, wir stecken mittendrin und was können wir denn überhaupt noch tun?

Noch sind viele fleißige Hände hier in der Region (ich lebe zwischen Erft und Ahr, an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, und damit an einer der großen bürokratischen Zuständigkeitsgrenzen…. ) unterwegs, um den direkt Betroffenen zu helfen, viele davon zunächst selbstorganisiert und selbstverantwortlich. Viele tun, was sie können, bringen ihre Ideen, Energie und Stärken ein, und tun auch Dinge, die vielleicht nicht zu 100% ihren Potenzialen entsprechen, die aber einfach getan werden müssen. Von allen Seiten hört man von Menschen, Freunden, Bekannten, Verwandten, die vieles oder alles verloren haben. Wie jede Überschwemmung, jedes Hochwasser, jede Naturgewalt, die uns aufzeigt, wie klein und hilflos wir Menschen in Anbetracht der Kräfte der Natur doch sind, ist die Solidarität überwältigend groß. Und sie ist enorm wichtig, weil die Situation den einzelnen immer überfordert und wir in der Gemeinschaft zu unserer/n Stärke/n zurückfinden.

Zugleich hört man immer öfter die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt, dass die Warnungen, nicht ernst genommen wurden. Ehrlich – auch ich habe zwei Warnapps, auch ich habe die Warnungen gelesen, auch ich habe sie nicht in dem Maß Ernst genommen, wie es notwendig gewesen wäre, wenn das Unwetter nur 10 km weiter östlich seine Wassermassen abgeladen hätte – denn auch ich erhalte zu viele irrelevante Informationen und kann kaum mehr filtern, was tatsächlich Bedeutung für mich besitzt. 

Hätte der Wind ein wenig mehr aus dem Westen geblasen, dann hätte ich abends nicht „nur“ im Garten unserer Nachbarn gestanden, um das Wasser abzupumpen und die Überflutung eines Kellers zu verhindern. Dann hätte ich, trotz „sicherer“ Hanglage, die Pumpe im eigenen Keller installieren müssen (so wie vor 9 Jahren, als wir das Wasser im Keller hatten). So hatten wir hier einfach nur ein Riesenglück.

Das wir (alle) die Zeichen und Warnungen nicht sehen können und wollen, liegt daran, dass wir bislang oft Glück hatten. Irgendwie ist es immer gut gegangen, irgendwie kam dann immer jemand und hat das schlimmste gerade noch verhindert und irgendwie war es dann alles doch nicht so schlimm. Dabei hätte gerade dieser Regen, das sieht man an der Erft, buchstäblich jeden treffen können und nicht nur diejenigen, die am Talgrund in der Nähe eines Baches leben.
Prof. Harald Lesch hat unserer Reaktion, unsere „Zurückhaltung“ beim Klimawandel mit einem Zahn verglichen, von dem man zwar weiß, dass er ein Fall für den Zahnarzt ist, man sich aber mit den kleinen und großen Schmerzen arrangiert, Tabletten nimmt, mal mit Cognac spült und sich ablenkt… bis, ja, bis der Zahn tatsächlich raus MUSS.

Das Ahrtal (das Beitragsbild zeigt Weinberge und den Ort Dernau vor dem Unwetter) ist leider ein gutes Beispiel für das, was – außer den unmittelbaren Folgen eines Unwetters – auf uns zukommen kann. Wer es nicht kennt, es ist ein schönes Tal, ein beliebtes Naherholungs- und Ausflugsziel, geprägt von Weinbau und Tourismus. Idyllisch gelegen, im Sommer und Herbst mit seinen Weinbergen wundervoll anzusehen, ein Wanderparadies mit immer ambitionierteren Winzern.

Seit einer Woche ist es eine Region die sich kurz- und mittelfristig neu erfinden muss. Die Infrastruktur ist teils vollkommen zerstört. Es gibt Orte in die keine Straße mehr führt und Behelfsstraßen = Schneisen durch den Wald, die erst noch gebaut bzw. stabilisiert werden müssen. Es ist fast unmöglich die Ahr zu überqueren. Es gibt ganz einfach keine Brücken mehr. Allein die Hochbrücke der A61 bietet noch eine Möglichkeit. Es ist nicht klar, wann Strom-, Wasser-, Abwasser- und Gasversorgung wieder funktioniert. Doch die großen Herausforderungen kommen erst noch, wenn Strom, Gas und Wasser wieder fließen.
Wovon wird die Region in Zukunft leben? Bis die Natur sich erholt hat, die Gegend wieder zum Wandern und zu Weinfesten einlädt, kann und wird es Jahre dauern. Die Eifel ist seit jeher eine strukturschwache Gegend, der Nürburgring etwa wurde vor 100 Jahren gebaut, um wenigstens ein paar Menschen zu beschäftigen und für die Rennen in die Region zu holen. Und jetzt das!

Die Frage wird sein, wer, was, wie wieder überhaupt aufbaut. Einige Restaurant- und Hotelbesitzer haben schon angekündigt nicht in einen Wiederaufbau zu investieren. Winzern fehlen die Geräte und Räume. Vielen Arbeitnehmern zukünftig ihre Aufgaben.
Wenn sich also das Wetter öfter mal von dieser „negativen Seite“ zeigt, wenn wir mehr Katastrophen sehen und die Welt in der wir leben sich tatsächlich verändert, wie werden wir dann leben und arbeiten? 

Sicherlich lässt sich das nicht ohne weiteres verallgemeinern, zu denken geben sollte es uns allen dennoch, denn in der einen oder anderen Form kann es uns eben doch alle treffen. Welche Lehren lassen sich ziehen, welche Ursachen können behoben oder gelindert werden?

Was auf diesem Weg sicher wenig hilft ist, zu klären, wie die Warnkette verlaufen ist und wer zu langsam, zu schlecht, zu wenig nachdrücklich reagiert hat.

Was schon eher hilft ist, in ein paar Wochen, wenn die direkt Betroffenen sich an einem wirklich sicheren und lebenswerten Ort befinden, zu klären, wie wir in Zukunft auf solche Katastrophen reagieren. Wir brauchen eine Retrospektive aber keine Schuldzuweisung.
Wir brauchen Antworten auf Fragen, wie die Kommunikationsinfrastruktur autonomer und unabhängiger vom Stromnetz aufgestellt werden kann oder ob wir zentralere, dezentralere oder, und der Begriff fehlt mir bislang in der Debatte, agiler aufgestellte, anpassungsfähige Strukturen brauchen? Die beste Mischung aus zentralem Ressourcenüberblick zu -zugriff und dezentraler Bewertungen der Lage, Konzepte, die es zulassen, schnell, fokussiert, flexibel, vorausschauend, mit Überblick und auf Basis redundanter und modular einsetzbarer Ressourcen zu agieren.
Aber wir brauchen auch Antworten auf die Fragen welche Branchen und Berufe „Klimafest“ sind, was, wo langfristig machbar ist und wo sich die Aufgaben und Tätigkeiten verändern.  

Das alles ist aber nichts im Vergleich zu der Frage, wie wir es jetzt noch, am Rande einer Klimazeitenwende schaffen, können, das bereits angerichtete so weit abzumildern, dass wir eine weiterhin menschenlebenswerte Welt ermöglichen? 

Wo starten wir mit Nachdruck (!?) mehr Nachhaltigkeit, einen bewussteren Umgang mit Menschen und den Ressourcen der Natur? An welchen Stellen haben wir die besten Hebel in der Hand.

Wer meine Beiträge öfter liest, der kennt meine Antwort. Wenn wir etwas ändern wollen, können, wir nicht auf die Politik warten. Die reagiert IMMER NUR ex-post, wenn der Druck der Bevölkerung wirklich deutlich spürbar und unabänderlich ist (aber vielleicht kommen wir da ja gerade hin). Wer schneller, flexibler und damit nachhaltiger (re)agieren kann, das sind wir alle an unseren Arbeitsstellen. Arbeitgeber sind in diesem Kontext ganz wunderbare Organisationen, weil sie und mit dem Fokus etwas zu bewirken zusammenbringen. Die Frage, die wir uns in dem Zusammenhang nur stellen sollten ist: Bewirken wir hier gemeinsam auch etwas, dass nicht nur uns und dem Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft und unserem Überleben als Menschheit dient?

Was ist unser Ziel, was unser Fokus? Was ist die Strategie? Was ist Nachhaltigkeit für uns und wie bringen wir sie in den Arbeitsalltag so ein, dass wir und unsere Kunden nicht mehr darüber nachdenken müssen, das Richtige zu tun? Wie können wir mit einfachen Lösungen helfen, das große komplexe Thema menschliches Überleben sicherzustellen. Und um nichts weniger geht es für uns! Wir Europäer haben in den vergangenen Jahrhunderten immer schon das Leben auf diesem Planeten entscheidend mit geprägt. Vielleicht gelingt es uns diesmal etwas wirklich rundum gutes damit zu bewirken. Vielleicht gelingt es uns Vorreiter zu werden und Beispiel zu geben.

Wer sich als Unternehmer und Unternehmenslenker fragt, warum er/sie hier vorauseilen soll, den/die kann ich beruhigen. Von „vorauseilen“ kann im Kontext Nachhaltigkeit und Klimaschutz kaum mehr die Rede sein. Viele kleine, aber auch wirklich große Unternehmen machen vor, was geht. Mein Lieblingsbeispiel ist „Patagonia“. Wer mehr dazu lesen möchte, einfach mal hier schauen (https://eu.patagonia.com/de/de/our-footprint/).

Was dabei wichtig ist: „Green washing“ hilft weder euch, noch dem Unternehmen, noch den Menschen. Fangt bitte wirklich ernsthaft an, im Kern des Denkens und Handelns. Bei euren Zielen und dem, was und wie ihr denkt, diese erreichen zu können. Vielfach tauchen bei dieser Betrachtung Denk- und Handlungsmuster auf die sich tief in das gegenseitige Verständnis und eure Arbeitsauffassung eingewoben haben. Wer klug ist, setzt direkt hier an, um mit relativ einfachen Mitteln sehr viel zu verändern. Also, auch hier ist es wie im „richtigen Leben“: Die besten Stellen um anzusetzen, sind nicht immer gleich sichtbar, aber es lohnt ungemein danach zu suchen. Und das im Idealfall bevor man dazu gezwungen wird.

Wer Impulse sucht, kann sich gerne das Gespräch mit mir suchen (www.guidobosbach.com

Und die Unwetterfolgen?!
Eine gute Übersicht von Spendenkonten hat das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen zusammengestellt: https://www.dzi.de/wp-content/uploads/2021/07/DZI-Spenden-Info-Unwetterkatastrophe-im-Westen-Deutschlands-2.2docx.pdf

Aber auch in Sachsen, in Bayern und in Österreich gibt es zahlreiche Betroffene, denen geholfen werden kann, z.B. über die Feuerwehr Berchtesgaden e.V., Sparkasse Berchtesgadener Land
IBAN: DE79 7105 0000 0000 3575 33 / BIC: BYLADEM1BGL

Lasst uns einfach zusammen die Welt zum Besseren verändern!