Das (Führungs-)Detail steckt im System

Das (Führungs-)Detail steckt im System

Du erinnerst Dich an Alex? Mitte 30 und gerade auf dem Weg zum nächsten großen Karriereschritt in einem neuen Unternehmen?
Alex sitzt wieder vor mir, es ist wieder Zeit darüber zu reflektieren, was in der letzten Woche alles passiert ist. Wieder gibt es ein Thema, das tiefer durchdrungen werden will (oder muss) um schneller, einfacher, mehr zu bewirken. 

Alex war schon lange bewusst geworden, wie wenig planbar und verlässlich die Arbeitswelt geworden ist. Unwägbarkeiten, neue Einflussfaktoren, neue Mitspieler im Markt, sich immer schneller verändernde Gewohnheiten und Wünsche. Immer öfter ist die Rede von linearem Denken und Handeln und nichtlinearen Systemen. Was sollte das alles bedeuten, und wie kann man damit umgehen bzw. vielleicht sogar Elemente aktiv nutzen?

In der letzten Woche hatten wir uns schon mit den Grundzügen des Petersberger Leadership- und Managementansatzes befasst. Heute war es Zeit ein paar systemtheoretische Aspekte in die Betrachtung mit einzubeziehen, um das Zusammenspiel der Kräfte und Mächte besser zu verstehen – und so vielleicht auch beeinflussen zu können.

Alex war aufgefallen, dass im Unternehmen große Verwirrung herrscht. Wie berichtet wurde, waren viele Mitarbeitende in Folge der Pandemie kurzfristig in Richtung Home-Office „gebeten“ worden und auch die Rahmenbedingungen in der Produktion wurden angepasst. Es wurde versucht, Rücksicht auf die neuen, außergewöhnlichen Belastungen zu legen. Gerade auch in Bereichen, in denen zuvor Anwesenheit zwar nicht verpflichtend war, aber wohl dennoch erwartet wurde, schien es, als wäre die Unzufriedenheit groß. Alex verstand das nicht, denn die Kollegen und Kolleginnen schienen im wesentlichen glücklich mit den Regelungen gewesen zu sein, befürworteten jetzt aber auch die Rückkehr zu mehr Präsenz und vermehrtem hybridem Arbeiten. Das Unternehmen schien bezüglich eines neuen Umgangs mit Arbeitsorten, -zeiten und -situationen viel gelernt zu haben. Und dennoch, etwas schien faul zu sein im Staate Dänemark.

Aus meiner Sicht schien es ratsam, sich zunächst mit ein paar grundlegenden Erkenntnissen der Systemtheorie zu befassen und insbesondere das Zusammenspiel verschiedener organisationaler, umweltbezogener aber auch sozialer und soziologischer Systeme betrachten, um dann das Problem auf dieser Grundlage zu reflektieren.

Alex’ Fragen entstammten der Wahrnehmung, dass das Organigramm zwar klare Strukturen aufzeigte, von diesen aber im realen Leben wenig zu spüren war. Es schien mehr Chaos als Ordnung zu geben, vieles wurde auf dem kleinen Dienstweg erledigt, während zugleich so getan wurde, als würden alle Prozesse perfekt bedient und eingehalten. 

Ich schlug vor, auf vier Kernfragestellungen genauer einzugehen: 

  1. Was sind die Grundlagen von Systemen? Wie funktionieren sie und was hat „Interaktion“ damit zu tun?
  2. Welche Systeme wirken in Organisationen und auf welche auf sie ein?
  3. Wie funktioniert das Zusammenspiel verschiedener Systeme in der Organisation?
  4. Wie kann man ganz konkret damit umgehen? Was kann man beeinflussen, was nicht oder nur indirekt?

Zum Schluss wollte ich noch (er)klären, wo das aktuelle Chaos in der Organisation herrührte und wie es aufzulösen sein sollte.

Meine Perspektiven dazu:

Was sind die Grundlagen von Systemen? Wie funktionieren sie und was hat „Interaktion“ damit zu tun?

„Systeme“ gibt es immer und überall und es entstehen laufend neue. Sie entstehen da, wo „Interaktion“, andere sagen, wo „Kommunikation“ stattfindet. Tatsächlich sind Systeme Interaktion bzw. Kommunikation. Sie beruhen darauf, dass jeder Austausch, jede Aktion eine Reaktion hervorruft. Die Bandbreite der auf die Aktion folgende Reaktion, womit die Interaktion vollzogen ist, reicht dabei von einem (bewussten) ignorieren und beibehalten der Richtung, des Denken und Handelns – was in sich eine klare Aussage bildet -, bis zur abrupten, vollständigen Wende. Alles ist möglich. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Systeme sich selbst beeinflussen, was ihre Interaktionsmuster nach innen sowie nach außen permanent beeinflusst. Sie sind also häufig, insbesondere, bei einer starken und offenen Interaktion mit der Umwelt, im stetigen Wandel. 

Bezogen auf Unternehmen hat sich gerade dieser letzte Aspekt in den vergangenen Jahrzehnten, aufgrund der immer intensiveren und immer dynamischeren digitalen Beziehungen mit Kunden, Partnern und dem sozialen Umfeld, stark verändert. Die meisten Unternehmen mussten sich vermehrt nach außen öffnen und in den Dialog gehen, was auch im Innern zwangsläufig zu Veränderungen führte. Dabei ist der Beobachtungspunkt wichtig, um zu verstehen, was diese Interaktion mit den Systemen macht und wie darauf reagiert wurde und wird. 

Blickt man von außen auf das System, so sieht man, wie sich die Organisation z.B. auf neue Markterfordernisse einstellt oder sich stärker abschottet, man sieht, wie Unternehmen bahnbrechende Innovationen hervorbringen oder andere, kaum etwas tun (müssen).
Andererseits erkennt der im Unternehmen befindliche Beobachter unter Umständen signifikante Anpassungen oder eben auch große Starre, beides möglicherweise gepaart mit wachsenden Konflikten und massiven, neuen Problemen in der Zusammenarbeit. Ist man sich dieses Beobachtungspunktes nicht bewusst, kann man nicht unterscheiden, was welchen Effekt hervorruft, ebenso wie man, wenn man aus einem Zugfenster einen anderen Zug auf dem Nebengleis sieht, nicht ohne weiteres entscheiden kann, welcher der beiden Züge sich bewegt. 

Welche Systeme wirken in Organisationen und auf welche auf sie ein?    

In Unternehmen gibt es, grob gesagt, drei Systemtypen, die miteinander Wechselwirkungen eingehen. Einerseits sind dies „Funktionssysteme“, die nach mehr oder minder klaren Regeln funktionieren, bzw. die in Form von Strukturen und Prozessen, Regeln und Rahmenbedingungen aufeinander und auf die Mitarbeitenden wirken. Andererseits sind es „Rollensysteme“ in denen Menschen versuchen ihre Interpretation ihrer Rollen wahrzunehmen und über diese mit anderen in Kontakt (und Interaktion) zu gehen. Drittens schließlich, liegen über oder unter all dem die Systeme unserer sozialen Interaktion, die von gegenseitigen (Selbst)Wahrnehmungen, Vorurteilen, Annahmen, Status, Anerkennung, Macht, Werten, Normen und, und, und… geprägt sind. 

Das Zusammenspiel dieser Systeme bewirkt, welche Interaktions- und Unternehmenskultur sich insgesamt in der Organisation herausbildet. Dazu kommen soziale Kleingruppen, wie Teams, die in einem stärkeren Sozialgefüge interagieren und damit zum Teil von den „Normen“ der Restorganisation stark abweichende Absichten und Muster entwickeln. 

Mit all dem müssen Organisationen bzw. die Menschen, die diese Organisationen ausmachen, ihnen Regeln und Rahmen geben, sie beeinflussen, und von ihnen beeinflusst werd, klar- und auskommen. Sie alle und ihr Zusammenspiel entscheiden darüber, wie das Unternehmen mit seinen Herausforderungen, ggf. hoher Dynamik oder massivem Beharrungsvermögen, mit Komplexität oder enormer Einfachheit und Stringenz klarkommt. Passen die Systeme nicht zur Aufgabenstellung des Unternehmens sind Probleme vorprogrammiert. Sind etwa die Systeme enorm anpassungsfähig, ist diese aber nicht erforderlich, entstehen schnell neue Ideen und Impulse, die den Rahmen des Unternehmens sprengen. Sind die Systeme auf Bestandssicherung ausgerichtet, ist aber große Dynamik erforderlich, wird die Organisation in ihrer bestehenden Struktur ebenso scheitern.

Wie funktioniert das Zusammenspiel verschiedener Systeme in der Organisation?

Das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme erfordert ein klares Bewusstsein, für deren Existenz. Je größer dieses ist, desto leichter kann das Zusammenspiel verstanden und in Teilen gelenkt werden. Der Petersberger Leadership- und Managementansatz (PLMA) gibt hier Hilfestellung, indem es die zwei greifbareren großen Metasysteme erkennbarer macht und die Schnittstellen zwischen denen Systemen aufzeigt.
Das Funktionssystem ist durch das Zusammenspiel der Geschäftsmodelle und der Managementmodelle geprägt. Beide bauen auf einem kulturellen Kern und einer ersten Zielsetzung des Unternehmens auf. Daraus entstehen eine erste Vision, ein erster Wertekodex und erste Normen bzw. ein erster Rahmen der Zusammenarbeit. Auf diesem Erstverständnis beruht auch der (erste) Werkzeugkasten der Organisation, der Strukturgebung, Prozessgestaltung, Parameter für die Ressourcennutzung genauso mit einschließt, wie die Frage nach Investitionsmitteln und Leitlinien oder nach dem nutzbaren Interaktionsraum (und -verhalten).

Im Rollensystem ist verankert, welche Aufgaben Management, Führung und Mitarbeitende haben. Die klassische Verteilung ergibt sich wie folgt: Das Management bestimmt den grundlegenden Rahmen und den kulturellen Kern sowie den zugehörigen Sanktionsrahmen, die Führung übersetzt diesen in Denk- und Handlungsmuster für die Mitarbeitenden, kümmert sich um eine konsequente Einhaltung dieser und gibt dem Management Anregungen und Feedback bezüglich der immer wieder notwendigen Anpassungen dieses Rahmens.
Die Mitarbeitenden interpretieren den Handlungsrahmen in Bezug auf ihre Tätigkeiten und Kompetenzen und stellen im Dialog sicher, dass dieser ihnen maximal für die Erfüllung ihrer Aufgaben nutzt und sie sich so optimal einbringen können. Intensive, offene, angstfreie Dialogmöglichkeiten sind damit wichtiger Bestandteil der Beziehung zwischen den Beteiligten aller drei Systeme. Dafür brauchen alle eine maximale Wahlfreiheit, großes Vertrauen in die eigenen und gemeinsamen Fähigkeiten, psychologische Sicherheit, einen stabilen und geeignet anpassungsfähigen Rahmen sowie die Möglichkeit sich fokussiert um die eigenen Aufgaben kümmern zu können. Bedingungen, die bei weitem nicht in allen Unternehmen so gegeben sind, oft, weil die Bedeutung und Funktionsweise des Zusammenspiels dieser Systeme nicht klar sind.

Wie kann man ganz konkret damit umgehen? Was kann man beeinflussen, was nicht oder nur indirekt?

Wichtig ist es zu verstehen, dass die Systeme eine hohe Eigendynamik besitzen und sich fortlaufend verändern, sich selbst und damit zugleich alle anderen beeinflussen. Es ist unmöglich ein konsistentes Bild all der wirkenden Systeme aufzuzeigen, sondern man kann immer nur einzelne Anteile und Bruchstücke betrachten und ihr Zusammenwirken interpretieren. Daher ist es insbesondere wichtig bei Bedarf Analysen und Diagnostiken zu verwenden, die diese systemischen Indifferenzen, zumindest teilweise, ausglichen können.
Je nach gewünschter Ziel- und Ausrichtung des Unternehmens, kann man in den Systemen gezielte Interventionen nutzen. Will man die Anpassungsfähigkeit vergrößern oder reduzieren, kann man etwa an Hebeln wie der Resilienz, dem grundsätzlich “gelassenen“ Umgang mit Herausforderungen und Störungen im Unternehmen, und der Geschwindigkeit von z.B. (Entscheidungs-)Prozessen arbeiten. Will man Selbstorganisation fördern oder beschränken, kann man am gegenseitigen und Selbstvertrauen und den Freiräumen dafür arbeiten. Will man Innovationen und Ideenfindungen beeinflussen, kann man an etwa die Ressourcenverfügbarkeit oder den gegenseitigen Respekt und der Anerkennung von Leistungen in den Blick nehmen. 

Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber es sit extrem wichtig die Handlungstreiber klar erkannt zu haben. Dabei hängt es sehr von der Beschaffenheit der jeweiligen Systeme ab, ob direkte oder indirekte Maßnahmen schneller und einfacher zum Ziel führen.

Alex’ Feedback auf diese Ausführungen war zunächst sehr gemischt. Die Komplexität der Zusammenhänge war verwirrend, andererseits wurde etwas klarer, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen. Im weiteren Gespräch wurde klar, dass gerade durch Geschäftsmodelle, die aktuell digitaler werden und neu entstehen sollen, massive Auswirkungen auf alle anderen Systeme ergeben. Eine Situation, die viele Unternehmen kennen, ebenso wahrnehmen und bei der nur hilft, regelmäßig die Interdependenzen zu reflektieren und aufzulösen – vor allem die in (und aus) Richtung der genutzten Managementansätze. Allerdings zeigt meine Erfahrung, dass es nur sehr wenige Unternehmen gibt, die sich dessen bewusst sind, und die dies dann auch konstruktiv angehen. Meist wird aus dem Bauch oder streng rational, und damit leider auch nur bedingt zielführend und eher die Situation verschlimmernd, entschieden.

Das Ende unserer Session drehte sich schließlich darum, wie das aktuelle und scheinbar zunehmende Chaos in der Organisation zu erklären sei. Den „kleinen Dienstweg“ kannte Alex von vorherigen Arbeitnehmern, in diesem Umfang war das aber neu.
Alex beschrieb es so: „Es scheint daher zu kommen, dass vor der Pandemie alles mit klaren Vorgaben angegangen und abgearbeitet wurde, dann aber, mit mehr Home Office auch mehr Freiheiten eingeräumt wurden. Die Führungskräfte hatten ja gar keine Chance mehr zu schauen, wer wann was macht und kaum einer hatte ein Gefühl dafür, wie der jeweilige Bearbeitungsstand gerade war. Vor allem, weil kaum noch absichtsfreie Kommunikation stattfand. Der Small Talk in der Teeküche fehlte. 

Auch Entscheidungen sollten schneller und ohne die detaillierte Rücksprache getroffen werden, was offenbar schonmal schwerfiel, weil gar nicht klar war, was vorher alles schon dazu entscheiden worden war. Deshalb sollte alles in noch mehr in Reports dokumentiert werden. Die Bürokratie ist wohl in dieser Zeit enorm angewachsen. Im Grunde kommt jetzt keiner mehr dazu, das alles zu lesen. Viel mehr Information kommt da aus den virtuellen Stand-ups und (online) Kaffeerunden. Manchen steht auch auf einem inoffiziellen Online-Board im Intranet.
Ach, und die Ziele wurden auch nicht angepasst. Das ist bei vielen einfach untergegangen. So klagen viele darüber, dass ihnen nicht mehr klar ist, wer was tun soll und jeder macht so gut er kann das, was gerade auf den Schreibtisch kommt. Das ist echt frustrierend und kostet unglaublich viel Zeit und Energie.“

Ich musste ehrlich gesagt etwas schmunzeln. Denn was Alex da beschrieb, war so typisch für die Zeit. Das Unternehmen war, in eine schon fast klassische und weit verbreitete Pandemiefalle geraten. Wo zuvor noch relativ traditionell nach dem Motto „Weisung & Kontrolle“ gearbeitet wurde und Zielvorgaben, -vereinbarungen und Zielerreichungen im Fokus standen, wurden Teile dieses Rahmenwerks aufgrund der neuen Situation kurzfristig über den Haufen geworden. Wo zuvor die Entscheidungswege immer über die Schreibtische der Führungsmenschen führten, mussten jetzt mehr Freiheiten gegeben und viele Entscheidungen delegiert werden. Zugleich war auf einmal mehr Selbstverantwortung gefragt, ohne dass die dazu notwendigen Informationen so schnell für alle zugänglich gemacht werden konnten.

Die Folge in solchen Konstellationen sind immer dieselben: Mehr Konflikte, mehr spürbares Chaos, Frust und Unruhe. Gift für jede Organisation.

In solche Fällen gibt es zwei Lösungswege: Der erste: Zurück zum vorherigen Status. Das scheint der schnelle und einfache Weg zu sein. In Wahrheit ist er ungemein gefährlich, denn er schürt die Unzufriedenheit all jener Mitarbeiter, die sich an ihre neuen Freiheiten gewöhnt haben und diese nur sehr unfreiwillig wieder aufgeben. Dieser Weg ist ein Kampf der viele Opfer fordert.

Die zweite Option ist aufwändiger, aber mit Blick auf die Zukunft des Unternehmens zielführender: Der Aufbau eines wieder konsistenten Managementmodells, indem zum Einen Bürokratie auf das absolut notwendigste Maß reduziert und durch gezieltere Kommunikationswege sowie mehr Selbstorganisation ersetzt wird. Zum Anderen gilt es den Mitarbeitenden die Möglichkeiten zu schaffen, fokussierter (und mehr im gemeinsamen Flow) zu arbeiten, indem sie die notwendige Richtung ihrer Arbeit anhand der Kommunikation des Unternehmens ableiten können. Ihnen wird so klarer, wann was zu tun ist, um eine optimale Wirkung für das Unternehmen (und sich selbst) zu erzielen.

Das half Alex, die Situation besser zu verstehen, auch wenn noch nicht ganz konkret und klar wurde, welche Hebel dazu tatsächlich schon in Greifweite liegen und wie man das Top-Management motivieren kann, sich zu bewegen. Doch dazu fehlt auch mir noch der tiefe, analytische Blick ins Unternehmen. Aber dahin kommen wir gewiss noch.

Disclaimer

Die Geschichte von Alex ist nicht 1:1 so passiert, aber sie ist exemplarisch für Führungsmenschen und Unternehmen, die sich auf den Weg gemacht haben, besser zu werden und sich für die Zukunft zu rüsten.
Alex ist ein virtueller Charakter, den ich in den nächsten Monaten auf der Reise in Richtung eines besseren Führungsverständnisses und einer Neudefinition des Managementmodells des Unternehmens begleiten werde. Den ersten Teil dieser Reise kannst Du hier nachlesen.

Ich werde diese Reise als Beispiel und zur Themensetzung für eine andere Reisegruppe nutzen: ‚meine‘ Studierenden. Als Dozent begleite ich auch in diesem Semester Masterstudierende an der HS Fresenius in Köln, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Wir befassen uns intensiv mit der Fragestellung, wie man wert- und ergebnisorientierte Führung zeitgemäß interpretieren und umsetzen kann. Den größten Teil dieser Vorlesungsreihe werde ich, wie gewohnt, im Rahmen eines „Flipped Classroom“ in Online Dialogen abhalten, auf die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Texten und Fragestellungen vorbereiten sollen. 


Dazu werde ich diese Texte in meinem Blog jeweils ca. 1 Woche vor der Vorlesung veröffentlichen, s.d. auch alle Leser meiner Postings und Blogbeiträge daran partizipieren und Anmerkungen einbringen können. Dabei wird Alex mir (und den Studierenden) immer wieder eine neue Kernfrage oder ein zu lösendes Problem mitbringen, auf dessen Lösung der Beitrag und die Vorlesung mit konkreteren Fragestellungen und Perspektiven hinarbeiten.
Geplant ist, den Onlinedialog mit meinen Studierenden teilweise für Außenstehende zu öffnen. Voraussichtlich zum ersten Mal am 21.10.2021. Näheres dazu rechtzeitig auf diesem Kanal.

Zum Schluß noch eine aktuelle Empfehlung zum Thema „Systemtheorie“: Die Folge 124 des „Good Work Podcast“ von Jule Jankowski. Jule spricht hier eine gute Stunde lang mit Fritz B. Simon über systemische Gruppendynamik. Hörenswert! 

Wer meinen Impulsen und Gedankengängen weiter folgen möchte, findet mich auf Linkedin und Xing oder abonniert hier meine Blognews. Kundenanfragen bitte ausschließlich über mein Kontaktformular oder per mail. 

Reiseführer auf einer Führungsreise (oder ‘Meine Reise mit Alex – 1. Teil’)

Reiseführer auf einer Führungsreise (oder ‘Meine Reise mit Alex – 1. Teil’)

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann… ja, dann kann vieles passieren. Dinge über die man nachher die tollsten Geschichten erzählen kann. Manchmal beginnen solche Reisen mit einer großem Tamtam, manchmal mit einem neuen Job.

Alex ist auf einer solchen Reise. Das Ziel dieser Reise scheint klar, der Weg ist im Vorfeld kaum zu identifizieren und die Unwägbarkeiten riesig. Das Ziel: Alex will und soll sich in einem neuen Job, in einem neuen Unternehmen als Führungsmensch einbringen. Mit Mitte 30 hat Alex schon einiges an Erfahrungen gesammelt, hat für gute Chefs gearbeitet aber auch schon das krasse Gegenteil von einer als gut und positiv wahrgenommen, bestmöglich unterstützenden Führung erlebt. Den einen ging es dabei tatsächlich um den Menschen, darum die Chancen für alle bestmöglich zu nutzen, anderen darum die Vorgaben millimetergenau zu erfüllen. Mal ging es um die gemeinsamen Stärken, mal um die Abgrenzung des Silos. Mal war Erfolg das Ergebnis, mal eine zunehmende Zahl von Konflikten, Krisen und wachsende Unsicherheit.

Darum war es Alex jetzt und nach dem Job- und Unternehmenswechsel wichtig, die Grundlagen besser zu verstehen, zu erkennen, welchen Wirkraum Führung hat, welchen man sich nehmen und welchen man gestalten kann. Hinzu kam und kommt, dass trotz (oder gerade wegen) dieser Intention, grundlegende Sicherheiten fehlen. Die Führungsriege des neuen Unternehmens, eines gut aufgestellten Mittelständlers mit ca. 1.500 Mitarbeitenden, viel Service und Entwicklung und einer kleinen Produktion, hatte die Idee, das Unternehmen zukunftsfähiger zu machen. Doch außer dieser Idee, geboren aus dem Verständnis, dass sich in den letzten Jahren das Umfeld, die nutzbaren Technologien und die Anforderungen der Kunden stark gewandelt hatten und dieser Effekt eher zu als abnehmen und sich eher beschleunigen als verlangsamen würde, war da noch nicht viel – oder besser gesagt, es war da viel: viel Gestaltungsraum. Und Alex hatte, mit viel Glück, die Aufmerksamkeit dieser Führungsriege erhalten und sollte, gerade weil die Erfahrung für eine solche Veränderung im gesamten Unternehmen fehlte und Alex gerne vorausgehen und neues Terrain erkunden wollte, als Speerspitze und Influencer neue Impulse ins Unternehmen tragen.

So war Alex also bei mir aufgeschlagen, ganz klassisch über das Kontaktformular auf meiner Website. Und dann haben wir geredet. Schnell war klar, dass die Chemie stimmt und die Aufgabenstellung uns beide reizte – die Grundvoraussetzungen dafür, dass beide Partner engagiert zusammenarbeiten. Und Partner sollten und wollten wir werden – für die einen als „Duo infernale“ als die Durcheinanderbringer und Aufrüttler, für die anderen als „Dreamteam“, dass gezielt neue, wichtige Impulse setzt. Wann wir dabei was sein würden und werden, das wird die Reise zeigen.

Mir selbst war und ist es immer wichtig, die Grundlagen zu verstehen und oft finden sich, wenn man die eine Ebene mal verstanden und in sich aufgenommen hat, wieder tiefer liegenden Schichten, die angesehen werden wollen und sollten. Um ganz konkret in die Problemstellungen eines Unternehmens einzudringen, die Deckschichten, die die eigentlichen Ursachen von Problemen meist überdecken, abzutragen, empfehle ich meist als geeignetes Tool, das Diagnostische Mentoring zu nutzen. Hier jedoch – so sehr am Anfang dieser ungewissen Reise, muss es zunächst darum gehen, eine gemeinsame Basis, Sprache und Verständnis sowie einen ersten Denkrahmen zu schaffen, auf die man aufbauen kann. Einfach nur um sicherzustellen, dass wir später nicht nur das Gleiche sagen, sondern auch dasselbe darunter verstehen. 

Lange Jahre im Berufsleben und über zehn Jahre intensive Suche nach Zusammenhängen von Führung und Management, nach Aktion & Reaktion, nach Ursachen und Wirkungen, haben zu einer reichen Sammlung an Modelle und Ansätze geführt, die ich häufig angepasst und  weiterentwickelt habe, sodass sie zu meinen Wahrnehmungen der Realität passen. Einer dieser weiterentwickelten und -gedachten Ansätze, der den relevanten Denk-und Handlungsrahmen für das Zusammenspiel von Management und Unternehmen, von Führung und Führungswerkzeugen, von Zielen und Ergebnissen darstellt, ist der „Petersberger Leadership- und Managementansatz“ (PLMA). 

Petersberger Leadership- & Managementansatz (PLMA)

Und genau hier, beim PLMA, bin ich mit Alex gestartet. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Alex bislang gesammelt hatte, der etwas diffusen Aufgabenstellung der Führungsriege, der Unklarheit, worauf der Fokus am Ende liegen und wohin die Reise gehen sollte – ob es um mehr ‚new work‘, neuen Arbeitssituationen und einem neuen Verständnis der Möglichkeiten eines neuen Miteinanders, um mehr Anpassungsfähigkeit und ‚Agilität‘, um mehr Ökologie in der Ökonomie, also mehr Nachhaltigkeit, oder, und das war das Wahrscheinlichste, organisationsindividuell irgendwo in den Sweet Spot dazwischen gehen sollte – brauchten wir zunächst ein flexibles und dennoch ausreichend umfassendes Grundgerüst. 

Und genau dafür ist das PLMA gedacht. So sind wir es durchgegangen und haben im ersten Schritt über die grundlegenden Zusammenhänge, das Metasystem, das jedes Unternehmen ausmacht, die verschiedenen Einflussfaktoren und Einflussebenen, diskutiert. Wir haben begonnen die Schichten nach und nach aufzublättern und in die Tiefe zu gehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Wir waren auf dem Weg ins All, um das Zusammenspiel dieser Faktoren im Unternehmen in aus dieser Perspektive zu verstehen und dann in Zukunft den Sinn fürs Detail wieder schärfen zu können. 

Der Startpunkt für unseren Dialog über und mit dem Ansatz waren 3 konkrete Fragestellungen:
1) Wofür gibt es Führung bzw. welche Zielsetzung hat Führung?

2) In welchem Zusammenhang und Abhängigkeiten stehen Management, Führung und das Geschäftsmodell?

3) Geht’s auch ohne Führung und Management?

Meine Perspektiven dazu:
 

Wofür gibt es Führung bzw. welche Zielsetzung hat Führung?

Führung, im Sandwich zwischen ‚Management‘ und ‚Menschen’ und damit mittendrin im Wirkungskreis von Werkzeugen, Ressourcen, den Geschäftsmodellen, deren Pendants, den Managementmodell(en), den Investitionen in die Weiterentwicklung all dieser Elemente und als maßgeblicher Hebel im Interaktionsraum und für das Nutzererleben aller Beteiligten, hat am Ende vor allem eine Aufgabe: Die Brücke(n) zwischen den Systemen zu bauen und es allen gemeinsam zu ermöglichen den Raum zu betreten und auszufüllen. 

Es ist damit zugleich eine anspruchsvolle wie auch erfüllende Aufgabenstellung. Eine, die immer wieder automatisch neu entstehen kann und in vielen traditionellen Strukturen allzu oft durch zu enge Vorgaben, Prozesse und Strukturen signifikant ausgebremst wird. Dabei entsteht ‚Führung‘ auch ohne Strukturen und Vorgaben spontan, wenn sich Menschen zusammentun, um gemeinsam Resultate zu erzielen, mit denen man alleine seine Probleme hätte.
Diesen Prozess der ‚Spontanführung‘ kennen wir alle. Wann immer unklar ist, wer ‚den Lead’ übernimmt, springt meist schnell jemand in die Bresche. Gut und hilfreich ist es, wenn dieser jemand weiß, was er oder sie dabei und damit tut. In Unternehmen ist der Schritt der Verantwortungsübernahme oft planvoller, dennoch nicht immer wird jemand beauftragt, der wirklich verinnerlicht hat, was das bedeutet. 


Die Zielsetzung von Führung ergibt sich aus dem Ziel, bzw. der Absicht hinter der Aktion. Geht es nur darum, sich im Freundeskreis auf einen Kinofilm zu einigen oder steht (und fällt) mit dem Erfolg der Tätigkeit die Zukunft des Unternehmens? Das eine braucht Klarheit und Moderationsskills, das andere darüber hinaus ein multiperspektivisches System-, Themen- und Rollenverständnis. Immer aber geht es darum, die Intentionen und Fähigkeiten aller Beteiligten in die Richtung eines gemeinsamen optimalen Erfolgs zu koordinieren und zu bündeln. Das muss und kann gute Führung leisten, wobei dies manchmal bedeutet, eng und konsequent zu führen und in anderen Situationen, maximale Freiheit und Lernräume zu eröffnen. Führung sollte daher immer (wieder) anders sein (können). Den einen richtigen Stil, die eine richtige Vorgehensweise gibt es nicht, denn neben den Menschen, mit denen man zu tun hat, sind es auch immer wieder die anderen (Sub-)Systeme wie das Geschäftsmodell, die Organisationsstruktur oder die Regeln, Rahmenbedingungen und Kultur(en), von denen Führung abhängt und in denen sie wirksam sein muss.

In welchem Zusammenhang und Abhängigkeiten stehen Management, Führung und das Geschäftsmodell?

Wie gerade schon angesprochen hängt Führung oft ganz direkt und manchmal sehr subtil von den (Sub-)Systemen im Unternehmen ab. Anforderungen und Erwartungen strömen von vielen Seiten auf die Führungsmenschen ein. Regeln und deren Auslegung, Normen und Werte, die offen geführten und ebenso wie die verborgenen Diskussionen rund um alle möglichen Aspekte der Ausgestaltung von Arbeitssituationen, von Qualitätswahrnehmungen, von Freiräumen, Feedback und so wichtige unsichtbare Werte wie Vertrauen, Verbindlichkeit und Verbundenheit, sie alle nehmen viel Zeit in Anspruch. Das individuelle Eingehen auf einzelne, auf die Nutzung von Ressourcen, das Verständnis für Stillstand und Weiterentwicklung, all das prägt den Umgang miteinander – wobei mir immer wieder gespiegelt wird, dass es schwerer ist den Stillstand auszuhalten, als die als notwendig verstandenen Entwicklungsschritte zu gehen.
Im Zusammenspiel von Geschäftsmodell, Management(Ansatz) und Führung, steht aus meiner Sicht der Managementansatz ganz automatisch immer an erster und dritter Stelle. Im ersten Moment geht es um die Fundamente, die Grundprinzipien, nach denen das Unternehmen funktionieren soll, um Grundwerte und den kulturellen Kern. Schwarz-weiß betrachtet bedeutet dies entweder ‚Weisung & Kontrolle‘,x als Norm zu definieren oder im anderen Extrem fundamentale Freiheit zur Selbstorganisation. Im realen Leben ist die Welt aber glücklicherweise deutlich grauer und sogar viel bunter. 


Dann, im zweiten Schritt, wirkt das Geschäftsmodell auf diesen Rahmen ein und lädt seine Anforderungen und Gestaltungsräume an Ressourcenmangel und -verfügbarkeit, an Kundenwünsche und Umsetzungsmöglichkeiten, an Partnerschaften und Engpässen, auf diesem Fundament des Managementansatzes in der Hoffnung ab, dass dieses dieser Belastung standhält.

Diese Anforderungen machen klar, welche Investitionen getätigt werden müssen, um Menschen und Materialien, Werkzeuge und Vorgehensweisen mit ihnen in Einklang zu bringen. Es muss gelernt, gemacht, gebaut und fokussiert werden, damit gelingen kann, was gelingen soll. Aus all dem ergeben sich neue Regeln und Routinen, die notwendigen und die möglichen Strukturen und damit der Paradigmen und Rahmenbedingungen unter denen zusammengearbeitet wird. Der Managementrahmen entsteht.
Und jetzt (erst) ist Führung gefragt um das alles miteinander und mit den Menschen tatsächlich umzusetzen und die erfolgreiche Umsetzung zu ermöglichen.

Geht’s auch ohne Führung und Management?

Eine spannende Frage, die Alex da stellte. Wir diskutieren und lesen viel über und von Unternehmen die maximal selbstorganisiert handeln, in der die Mitarbeitenden scheinbar unendliche Freiheiten besitzen. Ohne Hierarchie, ohne Führung, ohne erkennbaren Rahmen. Doch, wenn man genauer hinsieht, dann ist da ganz natürlich Management und Führung! Kein Zusammenwirken von Menschen hat je funktioniert, ohne dass eine kulturelle Basis, ein Grundverständnis für die Art und Weise der Zusammenarbeit bestand. Und genau das leistet Management, das ist Management. Und kein Zusammenwirken, bei dem sich Menschen zusammengetan haben, um gemeinsam mehr zu erreichen, als der einzelne bewirken kann, ist jemals ohne eine Kommunikation darüber ausgekommen, wer wann welche Aufgabe und Rolle übernimmt. Manchmal findet diese Kommunikation still und leise statt, manchmal ist sie hitzig und laut – aber immer ist es Teil des Prozesses. Und dieser Austausch, die Moderation des Prozesses, der Weg zur Entscheidung, manchmal durch einzelne, manchmal durch die ganze Gruppe, das ist Führung. Dabei ist Management der Führung bestimmende Faktor, denn Führung kann und muss immer den Rahmen ausfüllen (und erweitern oder verkleinern), den Management bietet. Führung und die von ihr ausgehende Kommunikation, der Austausch und die Dialoge sind Grundpfeiler einer optimalen Zusammenarbeit.

Damit waren Alex und ich am Ende unseres ersten Dialogs angekommen. Aber wir haben erst angefangen, wir werden weitermachen und tiefer in die Frage- und Problemstellungen, die Alex und das Unternehmen auf dem Weg zu einem neuen Umgang miteinander, zum Aufbau eines zeitgemäßen und zugleich zukunftsfähigen Selbstverständnisses, beschäftigen.

Ich bin sicher, das wird eine spannende, interessante Reise und ich freue mich auf die nächste Etappe.

Epilog zum ersten Teil

Die Geschichte von Alex ist nicht 1:1 so passiert, aber sie ist exemplarisch, für Führungsmenschen und Unternehmen, die sich auf den Weg gemacht haben, besser zu werden und sich für die Zukunft zu rüsten.
Alex ist ein virtueller Charakter, den ich in den nächsten Monaten auf der Reise in Richtung eines besseren Führungsverständnisses und einer Neudefinition des Managementmodells des Unternehmens begleiten werde. Ich werde diese Reise als Beispiel und zur Themensetzung für eine andere Reisegruppe nutzen: ‚meine‘ Studierenden. Als externer Dozent begleite ich auch in diesem Semester Masterstudierende an der HS Fresenius in Köln, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Wir befassen uns intensiv mit der Fragestellung, wie man wert- und ergebnisorientierte Führung zeitgemäß interpretieren und umsetzen kann. Den größten Teil dieser Vorlesungsreihe werde ich, wie gewohnt, im Rahmen eines „Flipped Classroom“ in Online Dialogen abhalten, auf die sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Texten und Fragestellungen vorbereiten sollen. 


Als kleines Experiment werde ich diese Texte in meinem Blog jeweils ca. 1 Woche vor der Vorlesung veröffentlichen, s.d. auch alle Leser meiner Postings und Blogbeiträge daran partizipieren und Anmerkungen einbringen können. Dabei wird Alex mir (und den Studierenden) immer wieder eine neue Kernfrage oder ein zu lösendes Problem mitbringen, auf dessen Lösung der Beitrag und die Vorlesung mit konkreteren Fragestellungen und Perspektiven hinarbeiten.
Mit Einverständnis meiner Lerngruppe werde ich zudem einen Teil des jeweiligen Onlinedialogs für alle öffnen und den zugehörigen Zoom Link vorab veröffentlichen und oder Gäste dazu einladen, s.d. wir direkt miteinander ins Gespräch kommen können. 
Ich bin auf die Ergebnisse dieses Experiments sehr gespannt und freue mich auf euer Feedback und vor allem auch eure Hinweise und Tipps, also euer Feedforward!

Gute Führung beginnt mit……

Gute Führung beginnt mit……

>>> Wissenswertes & Reflexionsimpuls <<<

In diesem Beitrag erfährst Du:

  • Welche drei Basiselemente von Führung immer beachtet werden sollten.
  • Wie sie wirken und welche beeinflussbar sind.
  • Wie Du diese selbst für Dich reflektieren kannst.
  • Und als Erinnerung die 17 Flow-Auslöser (auch als Grafik zum Download)

Oh, mein Gott. Was bin ich froh mich aus der Planung und Umsetzung von Führungsmenschenentwicklungsmaßnahmen (auf der Arbeitgeberseite) raushalten zu können. Es gibt so unglaublich viele Ansätze, Richtungen, Angebote, die sich alle gegenseitig übertreffen, für die aktuellen Entwicklungen genau die richtigen sind und unbedingt genau jetzt gebucht und durchgeführt werden müssen.

Das Fatale daran: die unüberschaubare Maße kann glauben machen, dass es auf die Details, auf die sinnvolle Durchführung des Jahreszielgesprächs (finde den Fehler), die Vermittlung der richtigen Motivation (finde den Fehler) oder die das Erlernen eines geeigneten Mindsets (finde den Fehler) ankommt. Ja, es gibt ein paar Details, auf die es ankommt, aber zuvor muss die  Richtung stimmen und es müssen die Basics klar sein. Erst dann können und sollten Details relevant werden.

Mit Richtung meine ich, das gemeinsames Bild von Führung, was sie ausmacht und wie & wohin sie führen soll, dass alle Beteiligten gleichermaßen brauchen. Auf welche Denkweise (Mindset) soll sie aufbauen? Was soll sie vermitteln? Was soll sie bewirken? Braucht das Umfeld klassisches Management, das auf Weisung und Kontrolle setzen kann – weil etwa Massenproduktion in einem stabilen Umfeld so einfach am effizientesten funktioniert – oder ist der Reiseweg geprägt von einer komplexen, dynamischen Markt- und Wettbewerbssituation, die Agilität und (vielleicht sogar schon) echte, umfassende Nachhaltigkeit fordert?

Mit Basics meine ich, dass man sich, egal, welche Richtung man einschlägt, einiger fundamentaler Einflussfaktoren von Führung klar sein sollte. Klar, die Sichtweisen auf Führung sind mindestens  so vielfältig, wie es Führungsmenschen, Coaches und Berater gibt. Dennoch sehe ich immer wieder drei wesentliche Elemente, bei denen ich dazu einladen und anregen möchte, sie für sich selbst, in Bezug auf die eigene Rolle (als führender und geführter) und aus der Perspektive des Unternehmens-Gesamtsystems zu betrachten.

Worauf fußt Führung, woraus entspringt sie und was nährt Führung?

Wer genau liest vermisst vielleicht ein Wort?! Schließlich sollte es doch immer um „gute Führung“ gehen, oder?! 

Leider muss es das nicht, denn aus den drei Elemente lässt sich Führung grundsätzlich in jeder Richtung ableiten. Ob sie geeignet (= „gut“) ist, hängt davon ab, in welcher Umgebung, sie bei wem und wie wirkt. Und dabei ist die Wahrscheinlichkeit danebenzuliegen größer, als die Treffer zu landen. Führung ist schließlich eines der anspruchsvollsten, dynamischsten und komplexesten Themen. Zu führen, aber auch schlecht geführt zu werden, bringt Menschen oft genug in unnötige Stresssituationen und Dauerüberlastungen.
Das zeigt, die Anforderungen an Führung sind extrem hoch und steigen kontinuierlich weiter an – ein Grund, warum Führung immer breiter und arbeitsteiliger verstanden werden sollte. Aber das ist ein anderes Thema.

Der Grad möglicher Entlastung hängt dabei zunächst davon ab, wie aufmerksam wir uns mit vier anderen Elementen befassen: Wahlfreiheit, Fokus, Vertrauen und einem klaren Bewusstsein für die eigene Rolle und Situation. Diese vier bestimmen auf einer sehr persönlichen Ebene, welche Möglichkeiten Führung besitzt und umsetzen kann, wie sehr man sich auf den wichtigen Teil des Kontextes, in dem Führung funktionieren soll, konzentrieren kann, welche Qualität Beziehungen entwickeln können – auch die Beziehung zu sich selbst – und wie viel Lernimpulse man aus der Reflexion für sich mitnimmt. 

So findet auch jedes dieser Basiselemente eine Entsprechung in uns selbst. Es lohnt also immer auch zu reflektieren, wie es an dieser Stelle bei uns ganz persönlich aussieht.

So, jetzt aber – das erste Basiselement: Das Corporate Mindset, aka das Managementsystem

Ganz tief unten im Fundament steckt das Corporate Mindset, das Managementsystem, in dem, für das und auf dem Führung aktiv werden soll. Es ist das Element, das Führung Richtung und Rahmen gibt. Es gibt den Führungsmenschen implizit und explizit den kulturellen Kern, Werte, Normen und Basisannahmen mit auf den Weg. Es ist enges Korsett oder besteht aus raumgebenden Leitplanken. Es schafft weiten Lernraum oder punktuelle Informationscluster. Es setzt auf strenge Hierarchien oder auf Selbstorganisation. Es verankert das Unternehmen und drückt dessen Geist und seine Zielsetzung aus.
Und es findet leider in sich selbst selten widerspruchsfrei statt, was bei den Führungsmenschen im daily business unglaublich viele Reibungsverluste, Problemen und Störungen erzeugt.

Immerhin ist dieses System mit seinen Parametern und Regeln durchaus beeinflussbar, denn die Basisparameter nach denen das Unternehmen tickt, werden von jenen festgelegt, die im (und dem) Unternehmen wirklich etwas zu sagen haben. Es ist ein Struktursystem mit (theoretisch / relativ) großer Ordnung und Klarheit, insbesondere, wenn es geeignet ist, die Aufgabenstellung des Unternehmens wirklich optimal zu unterstützen. Wenn es gut auf die Vision, das Geschäftsmodell und die gewünschte Kultur abgestimmt ist, ist es weitestgehend widerspruchs- und konfliktfrei. Sonst leider eher nicht.

Diese Widersprüche und Konflikte sorgen u.a. oft für eine krasse Überregulierung vor. Für jeden Prozess, für jede Aufgabe gibt es Richtlinien, Formulare, explizite und implizite Vorgehensweisen um jede Form von Missbrauch und Wildwuchs im Keim zu ersticken. Dieses zu viel an Bürokratie und Regeln ist eines der größten strukturellen Probleme und die größte Bremse.  

Auch auf der persönlichen Ebene besitzen wir Grundannahmen darüber, wie Dinge zu sein haben, Regeln und Rahmenbedingungen in und mit denen wir arbeiten. Diese betreffen ganz direkt auch die Frage, welche Freiheiten wir als selbstverständlich und als unerreichbar (für uns) betrachten. Sie bestimmen unsere Routinen, unsere Denk- und Handlungsweisen. Meist bewegen wir uns nur innerhalb dieser Komfortzone, doch echtes Lernen und echte Weiterentwicklung finden immer nur an der Grenze zum ungewohnten und unbekannten statt. Sich immer wieder selbst herauszufordern und diese „magische Zone“ zu betreten, schafft langfristig mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl und damit oft auch mehr Akzeptanz und Anerkennung durch das Umfeld.
Auch hier gilt: Habe ich zu viele Regeln, Vorurteile und mentale Bremsen in mir, ist das die größte Bremse auf dem Weg zu einem sinnvoll gestalteten Arbeitsalltag und ich stehe mir permanent selbst im Weg. 

Das zweite Basiselement ist der Kompetenzkontext, in dem man sich selbst und das Team sich bewegt. Abhängig vom herrschenden Managementsystem, sollten Führungsmenschen, die in einem ruhigen, komplexitätsarmen Umfeld auf hierarchische Entscheidungsfindung setzen (können), mehr fachliche, beziehungsweise Führungsmenschen in einem dynamischeren, komplexeren Umfeld, mit kompetenznutzenden Entscheidungsprozessen, mehr menschliche Führungskompetenz besitzen.
Auch dieses Element ist, mit dem notwendigen Bewusstsein in der Organisation auf der Managementsystemseite, beeinflussbar. Dieser Bereich besitzt zugleich eine individuelle Systemkomponente, die andere Skills in dem Umgang erfordern. 

Auf der persönlichen Ebene sollte daher geklärt sein, was im Zusammenhang mit den Aufgaben, die man selbst bzw. Das Team und die Organisation gestellt bekommen, am sinnvollsten ist UND womit man am besten klarkommt. Nicht jeder kann menschenzentriert führen und ist in der Rolle des Moderators, Mentors, Kommunikationsinterfaces, des „Lernbegleiters“ und „Entwicklungshelfers“, glücklich. 

Das dritte Element sind die Beziehungen, mit denen Führungsmenschen immer zu tun haben, die sie aufbauen, pflegen und manchmal abbrechen müssen. Ein naturgemäß komplexes, weil auf Seiten aller Beteiligten sehr individuelles und die Persönlichkeit betreffendes Thema. 

Es geht darum zwischen Nähe, Verbundenheit und Distanz, zwischen Aufmerksamkeit und „Laufen lassen“, Feedback und Feedforward, Vorgaben und Wahlfreiheit, Kontrolle und Vertrauen, Aufgabenvielfalt und Fokus das für beide Seiten optimale Maß zu finden. Hier ist die Hauptaufgabe, die Bedingungen zu schaffen, dass viele der „Flow State Trigger“ zum Tragen kommen können. 

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Dazu braucht es immer auch eine gesunde Beziehung zu des Führungsmenschen zu sich selbst, d.h. Selbst(er)kenntnis und SelbstbewusstHEIT, Selbstwahrnehmung und Offenheit sich in der eigenen Denk- und Handlungsweise zu hinterfragen. Dinge, die man ganz hervorragend mit guten Freunden beim Wein bzw. Bier diskutieren kann oder deren Betrachtung eine kluge, zeitgemäße Organisation durch Coaching begleitet.  

Noch etwas gehen zeitgemäß geführte und zukunftsorientierte Unternehmen anders an, gerade in schwierigeren, veränderlichen, schnelle Anpassung erfordernden Umfeldern. Sie setzen vermehrt auf verteilte Führung. Führung, gerade dann, wenn das Bewusstsein über eine Zunahme der vielfältigen Herausforderungen weiter wächst, ist kaum mehr durch einzelne Personen zu leisten. Es hilft und tut gut, sich die Aufgabe zu teilen und Menschen in den „lead“ zu bringen, die die gerade geforderte Kompetenz auch umfassend besitzen. Das erleichtert allen die Arbeit, macht das Unternehmen schneller und erfolgreicher. 

Aus meiner Sicht ist es entscheidend, sich diese drei Basiselemente, ihr Zusammenspiel und ihre jeweilige Wirkung auf den Arbeitsalltag immer wieder vor Augen zu führen. Nur so lassen sich Fehler in diesem Zusammenspiel identifizieren, unnötiger Ballast abwerfen und nur so können Führungskräfte wirklich bewusst entlastet werden, damit sie ihre wahren Kompetenzen optimal einbringen können. Am Ende geht es schließlich um den Erfolg des Unternehmens und damit um den Erfolg aller.   

Wenn Du herausfinden möchte, welche Störquellen für zeitgemäße Führung sich im Managementsystem Deines Unternehmens verbergen, dann habe ich, sowohl auf individueller, wie auch auf Teamebene, ein herausragendes Tool dafür am Start. Eine weltweit hundertfach genutzte, wissenschaftlich fundierte Onlinebefragung, die in kürzester Zeit die klassischsten Problemstellungen aufzeigt. Zielgenau und schnell & einfach zu benutzen. Wer mag, einfach bei mir anfragen. 

Wenn Dich das Thema grundsätzlich interessiert und Du es in Bezug auf Deine eigene Führungssituation vertiefen möchtest, dann sicher Dir einen Termin für ein persönliches Gespräch mit mir.   

Ach, und ein ganz anderer Input zum Thema Führung: Das Augenhöhe Camp in Hamburg, das ich auch in diesem Jahr wieder als Medienpartner unterstütze und unterstützen darf. Auch hier geht es, wenn Du willst, um Führung.

Wer in dem bestehenden breiten Angebot gute Literatur zu einem bewussten Umgang (auch) mit Führung im Zusammenhang mit Agilität sucht, der sollte sich „Agile by Choice“, das neue Buch von Lukas Michel vorbestellen. Ich durfte meine Referenz gleich auf dem Buchdeckel hinterlassen: „Führung ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben in Unternehmen. Der Kern guter Führung ist Selbstreflexion und die Fähigkeit, sich selbst zu führen. ‚agile by choice‘ enthält den perfekten Leitfaden zur Selbstreflexion und zur Entwicklung von mehr Führungskompetenz.„ (Trotz aller Bedenken bzgl. Übermacht und Nachhaltigkeit bei Amazon: Hier kann man das gerade erschienene Buch schon bestellen.)

Um meine Blogbeiträge als einer der ersten lesen zu können, melde Dich hier für meine BlogNews an.

Die Klimafrage: Zu spät oder noch nicht zu spät…?

Die Klimafrage: Zu spät oder noch nicht zu spät…?

Eigentlich eine banale Frage, deren Antwort wohl jedem klar ist. Wenn’s eh zu spät ist, brauche ich doch gar nicht mehr mit irgendwelchen Maßnahmen zu starten.

Die Unwetterkatastrophen, die unserer Region(en) gerade heimgesucht haben, zeigen ja, was „ein bisschen Wind“, in diesem Fall vor allem der veränderte Jetstream, bewirken kann. Die zunehmenden Dürren der letzten Jahre haben uns weniger schmerzlich getroffen als der viele Regen, Symptome der gleichen Entwicklung sind es ja dennoch. 

Also, wir stecken mittendrin und was können wir denn überhaupt noch tun?

Noch sind viele fleißige Hände hier in der Region (ich lebe zwischen Erft und Ahr, an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, und damit an einer der großen bürokratischen Zuständigkeitsgrenzen…. ) unterwegs, um den direkt Betroffenen zu helfen, viele davon zunächst selbstorganisiert und selbstverantwortlich. Viele tun, was sie können, bringen ihre Ideen, Energie und Stärken ein, und tun auch Dinge, die vielleicht nicht zu 100% ihren Potenzialen entsprechen, die aber einfach getan werden müssen. Von allen Seiten hört man von Menschen, Freunden, Bekannten, Verwandten, die vieles oder alles verloren haben. Wie jede Überschwemmung, jedes Hochwasser, jede Naturgewalt, die uns aufzeigt, wie klein und hilflos wir Menschen in Anbetracht der Kräfte der Natur doch sind, ist die Solidarität überwältigend groß. Und sie ist enorm wichtig, weil die Situation den einzelnen immer überfordert und wir in der Gemeinschaft zu unserer/n Stärke/n zurückfinden.

Zugleich hört man immer öfter die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt, dass die Warnungen, nicht ernst genommen wurden. Ehrlich – auch ich habe zwei Warnapps, auch ich habe die Warnungen gelesen, auch ich habe sie nicht in dem Maß Ernst genommen, wie es notwendig gewesen wäre, wenn das Unwetter nur 10 km weiter östlich seine Wassermassen abgeladen hätte – denn auch ich erhalte zu viele irrelevante Informationen und kann kaum mehr filtern, was tatsächlich Bedeutung für mich besitzt. 

Hätte der Wind ein wenig mehr aus dem Westen geblasen, dann hätte ich abends nicht „nur“ im Garten unserer Nachbarn gestanden, um das Wasser abzupumpen und die Überflutung eines Kellers zu verhindern. Dann hätte ich, trotz „sicherer“ Hanglage, die Pumpe im eigenen Keller installieren müssen (so wie vor 9 Jahren, als wir das Wasser im Keller hatten). So hatten wir hier einfach nur ein Riesenglück.

Das wir (alle) die Zeichen und Warnungen nicht sehen können und wollen, liegt daran, dass wir bislang oft Glück hatten. Irgendwie ist es immer gut gegangen, irgendwie kam dann immer jemand und hat das schlimmste gerade noch verhindert und irgendwie war es dann alles doch nicht so schlimm. Dabei hätte gerade dieser Regen, das sieht man an der Erft, buchstäblich jeden treffen können und nicht nur diejenigen, die am Talgrund in der Nähe eines Baches leben.
Prof. Harald Lesch hat unserer Reaktion, unsere „Zurückhaltung“ beim Klimawandel mit einem Zahn verglichen, von dem man zwar weiß, dass er ein Fall für den Zahnarzt ist, man sich aber mit den kleinen und großen Schmerzen arrangiert, Tabletten nimmt, mal mit Cognac spült und sich ablenkt… bis, ja, bis der Zahn tatsächlich raus MUSS.

Das Ahrtal (das Beitragsbild zeigt Weinberge und den Ort Dernau vor dem Unwetter) ist leider ein gutes Beispiel für das, was – außer den unmittelbaren Folgen eines Unwetters – auf uns zukommen kann. Wer es nicht kennt, es ist ein schönes Tal, ein beliebtes Naherholungs- und Ausflugsziel, geprägt von Weinbau und Tourismus. Idyllisch gelegen, im Sommer und Herbst mit seinen Weinbergen wundervoll anzusehen, ein Wanderparadies mit immer ambitionierteren Winzern.

Seit einer Woche ist es eine Region die sich kurz- und mittelfristig neu erfinden muss. Die Infrastruktur ist teils vollkommen zerstört. Es gibt Orte in die keine Straße mehr führt und Behelfsstraßen = Schneisen durch den Wald, die erst noch gebaut bzw. stabilisiert werden müssen. Es ist fast unmöglich die Ahr zu überqueren. Es gibt ganz einfach keine Brücken mehr. Allein die Hochbrücke der A61 bietet noch eine Möglichkeit. Es ist nicht klar, wann Strom-, Wasser-, Abwasser- und Gasversorgung wieder funktioniert. Doch die großen Herausforderungen kommen erst noch, wenn Strom, Gas und Wasser wieder fließen.
Wovon wird die Region in Zukunft leben? Bis die Natur sich erholt hat, die Gegend wieder zum Wandern und zu Weinfesten einlädt, kann und wird es Jahre dauern. Die Eifel ist seit jeher eine strukturschwache Gegend, der Nürburgring etwa wurde vor 100 Jahren gebaut, um wenigstens ein paar Menschen zu beschäftigen und für die Rennen in die Region zu holen. Und jetzt das!

Die Frage wird sein, wer, was, wie wieder überhaupt aufbaut. Einige Restaurant- und Hotelbesitzer haben schon angekündigt nicht in einen Wiederaufbau zu investieren. Winzern fehlen die Geräte und Räume. Vielen Arbeitnehmern zukünftig ihre Aufgaben.
Wenn sich also das Wetter öfter mal von dieser „negativen Seite“ zeigt, wenn wir mehr Katastrophen sehen und die Welt in der wir leben sich tatsächlich verändert, wie werden wir dann leben und arbeiten? 

Sicherlich lässt sich das nicht ohne weiteres verallgemeinern, zu denken geben sollte es uns allen dennoch, denn in der einen oder anderen Form kann es uns eben doch alle treffen. Welche Lehren lassen sich ziehen, welche Ursachen können behoben oder gelindert werden?

Was auf diesem Weg sicher wenig hilft ist, zu klären, wie die Warnkette verlaufen ist und wer zu langsam, zu schlecht, zu wenig nachdrücklich reagiert hat.

Was schon eher hilft ist, in ein paar Wochen, wenn die direkt Betroffenen sich an einem wirklich sicheren und lebenswerten Ort befinden, zu klären, wie wir in Zukunft auf solche Katastrophen reagieren. Wir brauchen eine Retrospektive aber keine Schuldzuweisung.
Wir brauchen Antworten auf Fragen, wie die Kommunikationsinfrastruktur autonomer und unabhängiger vom Stromnetz aufgestellt werden kann oder ob wir zentralere, dezentralere oder, und der Begriff fehlt mir bislang in der Debatte, agiler aufgestellte, anpassungsfähige Strukturen brauchen? Die beste Mischung aus zentralem Ressourcenüberblick zu -zugriff und dezentraler Bewertungen der Lage, Konzepte, die es zulassen, schnell, fokussiert, flexibel, vorausschauend, mit Überblick und auf Basis redundanter und modular einsetzbarer Ressourcen zu agieren.
Aber wir brauchen auch Antworten auf die Fragen welche Branchen und Berufe „Klimafest“ sind, was, wo langfristig machbar ist und wo sich die Aufgaben und Tätigkeiten verändern.  

Das alles ist aber nichts im Vergleich zu der Frage, wie wir es jetzt noch, am Rande einer Klimazeitenwende schaffen, können, das bereits angerichtete so weit abzumildern, dass wir eine weiterhin menschenlebenswerte Welt ermöglichen? 

Wo starten wir mit Nachdruck (!?) mehr Nachhaltigkeit, einen bewussteren Umgang mit Menschen und den Ressourcen der Natur? An welchen Stellen haben wir die besten Hebel in der Hand.

Wer meine Beiträge öfter liest, der kennt meine Antwort. Wenn wir etwas ändern wollen, können, wir nicht auf die Politik warten. Die reagiert IMMER NUR ex-post, wenn der Druck der Bevölkerung wirklich deutlich spürbar und unabänderlich ist (aber vielleicht kommen wir da ja gerade hin). Wer schneller, flexibler und damit nachhaltiger (re)agieren kann, das sind wir alle an unseren Arbeitsstellen. Arbeitgeber sind in diesem Kontext ganz wunderbare Organisationen, weil sie und mit dem Fokus etwas zu bewirken zusammenbringen. Die Frage, die wir uns in dem Zusammenhang nur stellen sollten ist: Bewirken wir hier gemeinsam auch etwas, dass nicht nur uns und dem Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft und unserem Überleben als Menschheit dient?

Was ist unser Ziel, was unser Fokus? Was ist die Strategie? Was ist Nachhaltigkeit für uns und wie bringen wir sie in den Arbeitsalltag so ein, dass wir und unsere Kunden nicht mehr darüber nachdenken müssen, das Richtige zu tun? Wie können wir mit einfachen Lösungen helfen, das große komplexe Thema menschliches Überleben sicherzustellen. Und um nichts weniger geht es für uns! Wir Europäer haben in den vergangenen Jahrhunderten immer schon das Leben auf diesem Planeten entscheidend mit geprägt. Vielleicht gelingt es uns diesmal etwas wirklich rundum gutes damit zu bewirken. Vielleicht gelingt es uns Vorreiter zu werden und Beispiel zu geben.

Wer sich als Unternehmer und Unternehmenslenker fragt, warum er/sie hier vorauseilen soll, den/die kann ich beruhigen. Von „vorauseilen“ kann im Kontext Nachhaltigkeit und Klimaschutz kaum mehr die Rede sein. Viele kleine, aber auch wirklich große Unternehmen machen vor, was geht. Mein Lieblingsbeispiel ist „Patagonia“. Wer mehr dazu lesen möchte, einfach mal hier schauen (https://eu.patagonia.com/de/de/our-footprint/).

Was dabei wichtig ist: „Green washing“ hilft weder euch, noch dem Unternehmen, noch den Menschen. Fangt bitte wirklich ernsthaft an, im Kern des Denkens und Handelns. Bei euren Zielen und dem, was und wie ihr denkt, diese erreichen zu können. Vielfach tauchen bei dieser Betrachtung Denk- und Handlungsmuster auf die sich tief in das gegenseitige Verständnis und eure Arbeitsauffassung eingewoben haben. Wer klug ist, setzt direkt hier an, um mit relativ einfachen Mitteln sehr viel zu verändern. Also, auch hier ist es wie im „richtigen Leben“: Die besten Stellen um anzusetzen, sind nicht immer gleich sichtbar, aber es lohnt ungemein danach zu suchen. Und das im Idealfall bevor man dazu gezwungen wird.

Wer Impulse sucht, kann sich gerne das Gespräch mit mir suchen (www.guidobosbach.com

Und die Unwetterfolgen?!
Eine gute Übersicht von Spendenkonten hat das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen zusammengestellt: https://www.dzi.de/wp-content/uploads/2021/07/DZI-Spenden-Info-Unwetterkatastrophe-im-Westen-Deutschlands-2.2docx.pdf

Aber auch in Sachsen, in Bayern und in Österreich gibt es zahlreiche Betroffene, denen geholfen werden kann, z.B. über die Feuerwehr Berchtesgaden e.V., Sparkasse Berchtesgadener Land
IBAN: DE79 7105 0000 0000 3575 33 / BIC: BYLADEM1BGL

Lasst uns einfach zusammen die Welt zum Besseren verändern!

Kultur braucht Führungsmenschen

Kultur braucht Führungsmenschen

Ich habe in den letzten zwei Tagen wegen der Impfreaktion meines Körpers auf die erste Corona-Schutzimpfung (BioNTech – übrigens, der Firmensitz ist “An der Goldgrube”… nur für diejenigen, die ggf. böses dabei denken) flachgelegen. Zeit, darüber nachzudenken, wie froh man sein kann, nicht die volle Dröhnung der Erkrankung abzubekommen, wie gut es uns in Europa geht und wie entspannt die meisten in die Zukunft blicken könnten…. Zumindest, wenn es uns besser gelingen würde, eine langfristig lebenswerte, ‘enkelfähige’ Zukunft aufzubauen und dafür mal zum Kern der Themen vorzustoßen.

Wir diskutieren über den Klimawandel und das Homeoffice, wir diskutieren über New Work, New Pay und next normal, über Purpose und vieles andere, was wichtig ist, bleiben aber oft auch nur an der Oberfläche und scheuen uns tiefer einzusteigen. Auch wenn wir, statt uns an den Symptomen abzuarbeiten, nur einfach mal die 30 Minuten investieren müssten, um uns bzgl. der tatsächlichen (und nicht der befürchteten !!) Ursachen klarer zu werden. Natürlich reden wir auch lang und breit darüber, welchen CO2-Preis wir in 15 oder in 20 Jahren für richtig halten, aber erstaunlich wenig darüber, wie wir jetzt schneller weniger CO2 emittieren könnten. Wir reden über das Wegfallen der Home-Office-Verordnung, und den Wunsch von Führungskräften die Mitarbeiter wieder mehr zu sehen, aber wir reden nicht über optimale Umfelder für Spitzenleitung. Wir reden über Neue Arbeitswelten und darüber wie sehr das Virus New Work ‘geholfen’ hat, aber können in der Führung kaum damit umgehen und scheuen uns vor der kulturellen Veränderung. Und so weiter und so fort.
Wir kommen bei diesen Debatten nicht in dem Tempo weiter, dass wir aufnehmen könnten. Nicht weil wir es nicht besser wissen, oder wissen könnten, sondern weil wir die sich auftuenden Perspektive so wenig gewohnt sind. Wir kratzen nur an der Oberfläche, weil wir wissen, dass es dann nicht weh tut, auch wenn wir zugleich ahnen, dass es uns nur in klitzekleinen Schritten weiterbringt. Es scheint besser zu sein auf den kleinen Erfolg zu hoffen, als sich für den großen Erfolg auf – vermeintlich – dünnes Eis zu bewegen.

Ja, ich bin bekennenden Ursachenfetischist. Das ist der Grund, warum ich die AgilityInsights Diagnostiken so liebe und mit Heiko (Heiko Bartlog) und Christoph (Christoph Karsten) ein ThinkTank/Lösungsfindungs-/PeerConsulting-Format aufgesetzt habe (www.freikopfler.de), dass einfach so, schnell und unglaublich wirksam funktioniert. Das ist der Grund, warum es nicht immer ganz einfach ist mit mir zu arbeiten, mir manchmal die Hutschnur platzt. Es ist aber auch der Grund, warum ich Feedback erhalte, wie “Wieso kennen Sie mein Unternehmen so gut, wenn Sie doch nur die Analysedaten gesehen haben?”.

Aber weg von mir zurück zur Diskussion von Symptomen bzw. den lohnen Blick in mehr Tiefe. Meine wirklich große Angst ist, dass wir tatsächlich unsere Zukunft zu großen Teilen verspielen. Wir verspielen sie, weil wir krampfhaft versuchen, uns an dem festzuhalten, von dem wir zwar wissen und wissenschaftlich nachgewiesen haben, dass es falsch und fatal ist, wir uns aber nicht darauf einlassen können, die Ursachen, Hintergründe und ggf. zuvor zu gehende Schritte anzusehen und daran zu drehen.
Ein Beispiel: In meiner Filterblase wird schon lange betont, wie wichtig es ist den gemeinsamen Sinn der Arbeit zu verstehen. Der “Purpose” ist wichtig, ohne einen gemeinsamen Purpose der von allen mitgetragen wird funktioniert ein Unternehmen – und das ist nun mal wirklich so – nur deutlich suboptimal. (Das wird zwar vielfach nicht bemerkt, einfach, weil man sich nicht vorstellen kann, wie kraftvoll so eine gemeinsame, emotionalisiert, gemeinsam-individuelle und damit sozial bindende Zielsetzung sein kann… aber das ist dann noch ein anderes Problem.) Doch auch hier gibt es eine wichtige tiefere Ebene: den ‘kulturellen Kern’. Denn bevor ich einen “Purpose”, idealerweise gemeinsam definieren kann, muss ich die Kernelemente der kulturellen Basis, auf der dieser Purpose aufsetzt, so festgelegt haben, dass am Ende tatsächlich das entstehen kann, was ich als Initiator / Gründer / Unternehmer / Führungsmensch / Ideenstifter beabsichtige. Sonst kann der Schuss massiv nach hinten losgehen!
Das schließt zum Beispiel die Fragestellung ein, ob das Unternehmen für seine Eigentümer, für die Mitarbeiter, die Kunden oder die Menschheit insgesamt Nutzen und Profit schaffen soll. Von dieser Frage hängt ab, wie das Unternehmen im Kontakt mit den anderen Stakeholdern agieren wird. Ebenso die Frage, welche Entscheidungs-, Dialog- und Konfliktkultur gelebt werden soll, d.h. geht es um ein strenges Top-Down, um ein “wir hören zu” oder echte Augenhöhe über alle Ebenen hinweg. Ist das nicht klar, fehlt dem Purpose die Substanz und das Fundament.
Natürlich ist in vielen Fällen, vor allem bei den Unternehmen, die sich mit dem Thema bereits bewusst befasst haben, das Thema ‘kultureller Kern’ (meist unbewusst) mit abgearbeitet worden, dennoch ist es total wichtig, sich hier bewusst zu werden, was man da geschaffen hat.

Und damit bin ich bei einer der großen Diskussionen. Der Veränderung unserer Gesellschaft, und hier bin ich auch leider wieder in meiner Filterblase gefangen, aber vielleicht teilt ihr meine Ansichten (gerne auch mit euren Kommentaren) einfach mal und wir lassen die Blase platzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir insgesamt eine andere Interaktionskultur brauchen. Wir sollten lernen uns anders anzusehen, respektvoller miteinander umzugehen und das Misstrauen auf die 5% zu beschränken, die es wirklich verdienen, weil sie so abgef… und aso…. sind, dass sie sich nicht anders verhalten können und wollen.
Diejenigen, die hier viel mehr bewegen können, als sie ahnen, weil sie doch nur im kleinen agieren und mit wenigen anderen direkt zu tun haben, sind die vielen, vielen kleinen und großen Unternehmer:innen und Führungsmenschen. Ihr seid es, die Kultur vorleben und vorgeben. Wenn ihr vertraut, wird Vertrauen zu einem Kulturelement, wenn ihr Verantwortung einfordert, wird Verantwortlichkeit zu einem Kulturelement, wenn ihr Augenhöhe vorlebt, werden sinnvolle, tiefgreifende, inspirierende Diskussionen mit enormem Gewinnpotenzial zu einem Kulturelement. Wenn ihr Vernetzung fördert, werden Netzwerke zu einem stabilen Bestandteil neuer “Ecosystems”, wenn ihr jeden (der es im Mindestmaß verdient hat) respektiert, werden alle respektiert, wenn ihr konsequent Verstöße gegen kulturelle Leitlinien und Werte ahndet, werden diese nicht mehr auftreten, wenn ihr transparent kommuniziert, werden viele eurem Beispiel folgen. Ihr seid der Kern eurer Kultur, ihr seid Beispiele und Vorbilder. Ihr seid, worauf am Ende auch die Entwicklung unserer Gesellschaft fußt. Denn, was ihr in euren Organisationen vorlebt und vorgebt, tragen die Beteiligten nach außen, zu euren Kunden, zu euren Geschäftspartnern, in ihre Familien, ihre Nachbarschaften, ihre Vereine und damit in die Gesellschaft. Ihr seid (aus meiner Sicht) der wichtigste Schlüssel, um uns alle (als Gesellschaft) zukunftstauglich und -fähig zu machen.
Unternehmen und ihre Führungsmenschen sind das größte Reservoir für (idealerweise positive) Kulturimpulse unserer Gesellschaft!

Ich weiß, wie schwer es ist, alleine solche “Ursachentiefenbohrungen” zu machen. Da geht es um die Frage, was die Mitarbeitenden und Mitwirkenden selbst über ihre Situation aussagen, welche Wahlmöglichkeiten sie haben, wie fokussiert sie agieren können, wie weit sie sich mit ihren Fähigkeiten und Rollen wohlfühlen. Es geht um z.B. um die Basics um gemeinsam in den Flow zu kommen. Es geht um Fragen, ob sich gewissen “System-“Parameter nicht grundsätzlich widersprechen, ob etwa Selbstverantwortung gefordert, aber enge Zielvorgaben gemacht werden, oder im kleinen Delegiert und im großen zentral regiert wird. Vieles was wir an der Oberfläche als lästiges und penetrantes Problem erleben, Silodenken, fehlende Innovationsimpulse und mangelnde Umsetzung der Strategie hat Ursachen, die im System tief unter der Oberfläche verborgen sind.

Um einen Impuls zu setzen und ohne hier zu sehr die Werbetrommel zu schüren – wobei ich glaube ich ohnehin die meisten schon abgeschreckt habe – biete ich euch an:

  • In vielen “Management- bzw. organisationalen Betriebsystemen” (und jede Organisation hat sowas, auch wenn es nicht bewusst ist) sind Konflikte “fest verdrahtet”, d.h. grundlegende Prinzipien widersprechen sich. Ich nutze eine kleine Diagnostik (und Online Befragung), die dies (u.a.) aufzeigt und so ermöglicht in den Dialog zur Lösung zu starten. Ich biete den ersten 20 Interessenten an, dieses kostenfrei zu nutzen. Bei Interesse bitte PN an mich, oder über meine website melden.
  • Wer die Ursache und mögliche Lösungen für ein, für ihn/sie wirklich verzwicktes Problem aufdecken will, der sollte auf www.freikopfler.de einen Termin mit Heiko, Christoph und mir buchen. Bislang konnten wir immer große Schritte zur Lösung beitragen.
  • Wer schon weiß, dass die Organisation Probleme mit sich herumträgt, die Ansatzpunkte und Ursachen aber noch nicht erkennen kann, kann in einem ersten Schritt an der aktuelle laufenden Studie von AgilityInsights teilnehmen. Als Teilnehmer bekommt ihr eine kostenfreie Analyse inkl. einem Gespräch zur Frage, warum Spitzenleistung bei euch funktioniert bzw. – leider viel häufiger – scheitert. Darin enthalten sind auch die Symptome aber vor allem die Ursachen! Und nebenbei helft ihr uns die Studie noch aussagekräftiger zu machen. Hier geht es zur zugehörigen Onlinebefragung:  https://agilityinsights.net/de/forschungsumfrage-2022 
  • Zur Zeit entwerfe ich ein Coaching- und Mentoringformat, das wahrscheinlich ‘ThinkTalk’ heißen wird und in dem ich anbiete schwierige (Management- und Führungs)Aufgabenstellung in ein- oder mehrmaligen 30-60 min Onlinetreffen im kleinen Kreis, ggf. mit weiteren Experten, zu diskutieren. Wer das als Pilotkunde gegen eine kleine Schutzgebühr ausprobieren möchte, meldet sich bitte per PN oder über meine website bis Ende Juli bei mir.

Das waren jetzt ein paar gute Angebote, um selbst, für und mit den Kollegen in Richtung Ursachenebene voranzukommen. Ich glaube es ist höchste Zeit hier mehr zu tun, darum nutzt die Dialoge mit anderen und vielleicht sogar das eine oder Angebot von mir dazu.

Wer tiefer einsteigen und bohren will, kann sich ohnehin jederzeit einfach bei mir melden, aber ich denke, das wisst ihr schon!

Vier Fallen auf dem Weg zurück in die „Normalität“ – und wie man sie vermeidet

Vier Fallen auf dem Weg zurück in die „Normalität“ – und wie man sie vermeidet

Es scheint als hätten wir das Schlimmste überstanden. Die Inzidenzzahlen fallen stetig, die Delta Variante hat noch nicht allzu sehr Fuß gefasst. Wir beginnen, uns wieder ins gewohnte Leben zurück zu wagen und versuchen Normalität wiederzufinden. 

Nicht umsonst wird die sich jetzt entwickelnde Normalität als ‚next normal‘ bezeichnet. So sehr bei manchen sicherlich auch der Wunsch da ist, (fast) alles wieder in die gewohnten Bahnen, zum ‚familiar normal’ zurückzudrehen – es wird Kraft kosten dies zu tun!
Unter der Oberfläche, in den Menschen, in den Prozessen und Strukturen haben sich große und kleine Dinge verändert, die nicht mehr umzukehren sind. Daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es bei allem dazu notwendigen Aufwand leichter fällt, sich auf ein neues, ein ‚next normal‘ einzulassen. Allerdings, gerade weil sich manches auch unter der Oberfläche, kaum sicht- aber dennoch oft fühl- und wahrnehmbar, verändert hat, ist es enorm wichtig, sich bewusst damit auseinanderzusetzen, wie das Neue aussehen kann und soll. Als Führungsmensch hat man die Wahl sich unvorbereitet ins Abenteuer zu stürzen oder aber persönliche und gemeinsame Sicherheit zu gewinnen, in dem man den Weg hin zu einem ‚intended normal‘ aktiv gestaltet. Trotz aller bestehenden (und manchmal nur vermeintlichen) Restriktionen.

Reflektieren, was sich verändert hat

Die Liste der Veränderungen vom gewohnten ‚familiar normal‘ zum ‚next normal‘ ist lang. Die Disruption, durch die massiven, teils existenzielle bedrohlichen Einschränkungen, die das Virus in der Arbeitswelt gebracht hat, hat vieles von jetzt auf gleich umgeworfen, anderes auf den Kopf gestellt. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass dieser Prozess schnell und einfach umkehrbar ist.

Es ging für viele raus aus dem Office-Office ins Home-Office, digitale Kollaborationswerkzeuge wurden von der Ausnahme zur Regel, der Austausch auf den Fluren, in den Kantinen und Teeküchen wurde unmöglich, Pausen vergessen, bis sich neue informelle digitale Kaffeerunden und Ausweichräume etabliert hatten. Statt gut vorbereitete Projektteams und Strategieeinheiten mit den Herausforderungen zu konfrontieren, wurden spontan, oft crossfunktionale und talentorientierte Task Forces gebildet, Entscheidungsprozesse angepasst, neue Kommunikationswege genutzt und die verbliebenen Kunden stärker einbezogen. Mit einer wachsenden Unsicherheit wurden „Orientierung und Richtung geben“ statt Strategie- und Budgetentscheidungen zu den Top-Themen im Management. Aufgaben und Rollen wurden wichtiger als Stellenbeschreibungen, formale Kontrolle wich gegenseitiger Unterstützung. Viele Führungskräfte erkannten den Führungsmenschen in sich. Netzwerke wurden angezapft, neue Kontakte geknüpft, einige Konflikte eskalierten, andere konnten plötzlich leichter gelöst werden. Verantwortung wurde neu „geregelt“ und manchmal einfach von Kollegen übernommen, denen man dies zuvor nicht zugetraut hätte. Es wurde fokussiert und zugleich in vielen Richtungen nach Neuem gefahndet, um im Geschäft zu bleiben und weggebrochene Umsatzquellen zu kompensieren. Vieles geriet in Bewegung, langfristig geplant und vorbereitet war nichts davon, funktioniert hat es dennoch erstaunlich oft! 

 
Auch wenn dies nur Beispiele und Einzelfälle sind, in vielen Unternehmen ist ähnliches geschehen. Vieles Alte wurde umgeworfen, vieles Neue ist entstanden. Manches war gut, manches nur Mist. Das eine vom anderen zu unterscheiden wird die Aufgabe der nächsten Monate sein.
Vor allem aber: Wer glaubt, es hätten sich vor allem Prozesse, Werkzeuge und Strukturen verändert, der irrt gewaltig! Mit diesen sichtbaren Elementen hat sich auch ganz intensiv ein unsichtbares Element gewandelt: die Kultur, zum Beispiel erkennbar an vielfältigen neuen Arten aufeinander zuzugehen und sich auszutauschen, direkter, unkomplizierter, schneller, hierarchieübergreifender. Daher ist es jetzt, trotz aller Kulturwandelimpulse der letzten Jahre, so wichtig wie nie zuvor, sehr bewusste hinzuschauen und die Signale wahrzunehmen. Jedenfalls dann, wenn man vermeiden möchte am Ende vor einem noch größeren Scherbenhaufen zu stehen.

Die Unternehmen, die in dieser Form diese einmalige Chance nutzen, werden sich die Rosinen aus ihren (und fremden) ‚best practices‘, gemischt mit agilen Ansätzen, new work und (hoffentlich auch) Nachhaltigkeitsimpulsen, herauspicken und damit schneller wieder auf einem sicheren festen Fundament stehen, als ihre Wettbewerber. Es wird ihnen einen entscheidenden Vorteil bieten, das Engagement und die Energie der Mitarbeitenden fokussierter einsetzen zu können.  Statt irgendwie in eine neue Normalität hineinzustolpern, können sie große Schritte in Richtung eines ‚intended normal’, einer bewusst und optimal vorbereiteten neuen Normalität gehen.
Sie können die Gelegenheit ergreifen besonnen und klug zu analysieren und dann erst zu entscheiden, was beibehalten werden soll(te), was nochmals angepasst werden muss und was auf den Sperrmüll gehört.

Ganz allgemein sehe dabei ist, 4 große Fallen bzw. wichtige Punkte, auf die machen achten sollte, um nicht in die zugehörige Falle zu tappen:

  1. Wie viel halten die Mitarbeitenden (noch) aus?
    Eine weitere Überforderung der Mitarbeitenden wäre fatal für die Moral, den Zusammenhalt und den zukünftigen Erfolg. Wie viel Energie haben sie noch, wie viel Engagement kann noch erwartet werden Wie sehr identifizieren sie sich noch mit dem Unternehmen und sich bereit sich dafür einzusetzen?
  2. Wir ernst wird die Kultur genommen?
    Umfassend verbindliche kulturelle Kernwerte waren in Krisenzeiten schon immer von besonderer Bedeutung. Kluge Unternehmen bauen daher zurzeit nicht nur auf eine klare geschäftliche Zielrichtung und geben damit Orientierung, sie starten noch vor der Formulierung einer ggf. angepassten Vision mit der Festlegung einer kulturellen Basis in Form von Werten, Verhaltens- und Handlungsprinzipien, um so zusätzlich das Gefühl von Sicherheit und Stabilität zu vermitteln. Und – sie setzen sich konsequent dafür ein, dass diese kulturellen Werte von allen nach innen und außen vertreten werden.    
  3. Was ist in den nächsten 12 Monaten wirklich, wirklich wichtig?
    Welche Kernthemen werden die nächsten 12 Monate bestimmen? Geht es um Geschäfts(-wiederaufbau), das Halten von Mitarbeitenden, die Entwicklung neuer Angebote, usw.?
    Das Kernthema sollte nach innen Zusammenhalt und (wieder) Sicherheit erzeugen und zugleich nach positiv nach außen wirken. Zurzeit gewinnt an Ansehen, Kunden und Umsatz,  wer nicht nur sich, sondern auch anderen hilft die aktuellen Herausforderungen zu überstehen. ‚Miteinander’ ist das Schlüsselwort.
    (Nebenbei: Meine 2020-2021er Studie zeigt, das Unternehmen, die ein menschenzentriertes Betriebssystem besitzen, deutliche Vorteile im Vergleich zu traditionell agierenden haben. Die Studie kannst Du hier kostenfrei als PDF anfordern.)
  4. Stillstand bremst!
    Vermeidet es, das Alte als Interimsstandard und Provisorium zu lange stehen zu lassen. Wir kehren alle gern zu alten, geliebten, aber zu oft auch ungeliebten Gewohnheiten zurück. Diese schleifen sich in den gewohnten Bahnen schnell wieder ein und sind dann um so stärkere Antriebe für alte und neue Konflikte.

Egal wie groß das Unternehmen ist, in dem Du arbeitest und das Dir wichtig ist, ich kann nur dazu raten folgender Wegskizze zu folgen: 

  • Startet in die Analyse der erlebten Veränderungen, der positiven und negativen Entwicklungen und Entscheidungen, der internen und externen Abhängigkeiten und der Chancen und Konflikte. Nehmt Euch Zeit dafür, sprecht mit Kunden, Mitarbeitenden, Führungsmenschen und neuen und alten Entscheidern. Stellt fest, was zu behalten lohnt, was angepasst werden sollte, was wegkann und wo etwaige Konflikte lauern. Findet heraus, wieviel Energiereserven  und sozialen und ökonomischen Potenziale noch vorhanden sind. 
  • Klärt miteinander, auf welchen Werten und welcher kulturellen Basis eine ggf. neue Vision für das Unternehmen aufbauen kann. Nehmt diesen kulturellen Kern und passt Eure Regeln, Gewohnheiten, Eure Strukturen und Prozesse daran an. Schafft unnütze Vorurteile (also alle !) ab und entwickelt mentale Modelle, die euch helfen ‚dranzubleiben‘.
  • Startet den Weg in Richtung ‚intended normal‘ mit dem für Euch optimalen Transformationsprozess – und der findet sich erfahrungsgemäß selten ‚von der Stange’.
  • Nutzt den Austausch mit anderen und spiegelt, was ihr macht. Die nächste große Krise kommt bestimmt und die jetzige zeigt schon, wie wichtig der interne und externe Zusammenhalt ist solchen Zeiten ist. Baut interne und externe Ankerpunkte auf, die Euch und den Kunden Kontinuität vermitteln. Wo sich alles stetig wandelt ist der feste Punkt in der Luft um so wichtiger, um die Welt wie sie ist aus den Angeln zu heben.  

Bei all dem wünsche ich Euch gutes Gelingen! Es wird so oder so nicht einfach, aber einfach könnte ja auch jeder 😉

Ganz kurz in eigener Sache: Aktuell habe ich freie Kapazitäten, um ein bis maximal zwei Unternehmen auf diesem Weg zu begleiten, natürlich inklusive Analysen, Impulsen, Konzepten und der gemeinsamen Arbeit an den identifizierten Themen. Wenn ich selbst schon ausgebucht sein sollte, wenn Du anfragst, finden wir gemeinsam garantiert eine:n geeignete:n Begleiter:in in meinem Netzwerk.