Wie(so) Nachhaltigkeit unsere Arbeitswelt revolutioniert

Wie(so) Nachhaltigkeit unsere Arbeitswelt revolutioniert

>>> Reflexionsanstoß & Ansichtssache <<<

Es wird nicht lange dauern, bis sich Arbeit dann doch tatsächlich verändert. Woran New Culture, New Work, Agilität und all die langsam in den bubble-mainstream, das Mainstreamgefühl der eigenen Blase, eingeflossenen Ansätze sich schwergetan haben und letztendlich gescheitert sind, wird der Wunsch nach Beständigkeit, nach der Beibehaltung eines möglichst großen Anteils des Status Quo, nun einfordern.

Was wir uns klarmachen müssen: Das Paradoxon nur dann unseren Lebensstil bewahren zu können, wenn wir schnell beginnen unseren Lebens- und Arbeitsstil zu ändern, ist schon jetzt ein Fakt, dem wir uns stellen müssen.

Die Ansätze der letzten Jahr(zehnt)e, allen voran New Work und Agilität, waren gegen das was kommt, nur der zaghafte Versuch an das soziale Gewissen von Unternehmen zu appellieren. Trotz aller wissenschaftlichen Belege und Gegenbeweise war die Wahrnehmung des ökonomischen Vorteils für viele „Unternehmer“ zu gering, um hier etwas zu unternehmen und aktiv zu werden. Viele Chancen wurden vertan und nur wenige Organisationslenker waren klug und vorausschauend genug, hier umfassend und konsequent die richtigen Weichen zu stellen. Viele Unternehmen sind in Halbherzigkeiten steckengeblieben und haben so mehr Konflikte erzeugt als gelöst. In der Konsequenz ist mehr Frust gewachsen, als Lust zur Zusammenarbeit gestiegen. 

Weltweit sind Politik und Gesellschaft derzeit auf dem Weg zu verstehen, dass der Appell an die Selbstverantwortung (auch etwa im Kontext Arbeiten und Industrie 4.0) nicht (ge)reicht (hat), um die inzwischen so offensichtlichen großen und erforderlichen Ziele zu erreichen. Mit dem wachsenden Bewusstsein für die Notwendigkeit einer gemeinsamen Arbeit an Klima und den Umweltfolgen des Denkens der letzten 100 Jahre, wird im nächsten Schritt die Bereitschaft wachsen, diejenigen zu unterstützen, die schon jetzt und zeitnah im Sinne starker Nachhaltigkeit handeln, und die anderen über strengere Regeln und Vorgaben zum Einlenken zu bewegen. Das wird unser Leben und unser Arbeiten in vielen Bereichen betreffen und deutlich stärker verändern, als es die bisherigen Initiativen geschafft haben. 

Nachhaltigkeit wird damit vom Modewort zur Pflichtaufgabe und zum Motor, mit weitreichenden Auswirkungen: 

Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmen ökonomisch wieder stärker langfristig und ökologisch orientiert entscheiden werden, weil der Druck der Investoren, der Kunden und der Gesetzgebung wächst. Um das zu tun, werden (die Führungsmenschen von) Unternehmen erkennbar die Chancen und Fähigkeiten, die in ihren Unternehmen stecken, ausloten und nutzen, statt kurzfristige und eng gefasste Ziele vorzugeben. Sie werden mehr Freiräume einräumen, um den Mitarbeitenden Anstoß für eigene Motivation zu geben.

Um diese Chancen, Fähigkeiten und Freiräume für die Unternehmen nutzbar zu machen, werden sie darauf vertrauen (müssen), dass sich die Menschen im Unternehmen für den gemeinsamen Erfolg mit diesen Fähigkeiten und immer wieder neuen, fortschrittlichen Ideen engagieren. Um dieses Engagement zu ermöglichen, werden sie den Menschen mehr Möglichkeiten an die Hand geben, ihre Fähigkeiten zu erkennen und auszubauen. Emotionen und Bedürfnisse werden Raum finden, um Mitarbeitende verstehen zu lassen, welche Güte und Qualität in ihrer Arbeit steckt und sie so ein Gespür und Gefühl dafür entwickeln können, wo und wofür sie sich und ihr Können optimal einbringen. Das wird die Grundlage bilden, um durch mehr Vertrauen in die eigene und die gemeinsame Stärke neue Erfolge in alten und neuen Geschäftsfeldern zu ermöglichen. Der Erfolg und das Vertrauen in das, was miteinander erreichbar ist, egal ob das Gegenüber im gleichen Unternehmen arbeitet, Geschäftspartner oder Kunde ist, werden iterativ und kontinuierlich weiter wachsen können.


Wer Menschen führt wird sich der weiter wachsenden Dynamik hingeben, heute nicht wissen zu können, was das Morgen bringt. Sie werden lernen mit diesen umzugehen, sie auszuhalten, Entwicklungen zu interpretieren, um sie verständlich und für die Geführten erklärbar zu machen. Sie werden noch stärker selbstreflektiert und zukunftsorientiert agieren müssen, mit Blick auf sich und das Unternehmen, als die anderen. Sie werden generalistischer denkend das Big Picture im Blick haben und so signifikant größeren Einfluss auf das Wohl und Wehe der Unternehmen und der Menschen darin haben, als je zuvor.

Auf diesem Weg werden (wieder) viele Unternehmen scheitern. Es wird die treffen, die sich nicht auf die neuen Komplexitäten und Dynamiken eingestellt haben und die den Wandel mehr Offenheit nach innen nicht meistern. Sie werden ersetzt werden, durch Unternehmen, die von Menschen geführt werden, für die ein solches Denken und Handeln eine Selbstverständlichkeit ist. In solchen Unternehmen wird Arbeit nicht durch Zeit oder die, an Leistungskennzahlen gemessene, Wahrnehmung der Arbeitsleistung bestimmt, sondern durch die individuelle Wahrnehmung des eigenen Engagements und der Nutzung individueller Kompetenzen. In diesen Unternehmen wird sichtbarer sein, welche positive Wirkung das Erreichen eines individuellen und gemeinsamen Flows hat. Die Qualität des Arbeitslebens wird sich verändern und damit die Lebensqualität aller Beteiligten.

Wenn wir ein wenig von dem in die Zukunft retten wollen, was wir heute als Lebensqualität wahrnehmen, einer Lebensqualität, von der Milliarden Menschen nur träumen, dann ist es Zeit Nachhaltigkeit nicht nur als Aufgabe, sondern als Management- und Führungsverständnis, als Chance und Hebel zu verstehen. Dann ist es Zeit Unternehmen zu schaffen, die anpassungsfähig, klimapositiv, umwelterhaltend und damit vor allem menschenorientiert sind. 

Menschenzentrierung muss das eigentliche Ziel nachhaltigen unternehmerischen Denken, Handelns und Entscheidens sein.

Dazu brauchen Unternehmen: 

  • Eine langfristige ökonomische Orientierung, um Stabilität und psychologische Sicherheit für das Unternehmen zu erzeugen. Quartals-, Halbjahres- und Jahresbudgets sind hierfür nicht tauglich!
  • Eine langfristige soziale Orientierung, um das Gefühl von Stabilität und psychologischer Sicherheit für die Menschen im Unternehmen erlebbar zu machen. Mehr echte Partizipation und ein gegenseitig respektvoller Umgang miteinander auf Augenhöhe sind Mindestanforderungen! 
  • Eine langfristige ökologische Orientierung, um die Grundlagen für unsere Lebens- und Arbeitsqualität zu stabilisieren und zu sichern. Nachhaltigkeit muss tief in der DNA des Unternehmens verankert sein, „sustainalbe by design“ gelebte Praxis sein! 

Die wichtigsten Hebel dafür, und für jedes Unternehmen und jeden individuellen Karriereweg in der Zukunft, sind:

  • Eine zielgerichtete Digitalisierung und dynamische Arbeitsstrukturen, um die vorhandenen Ressourcen wie Zeit, Finanzen, Rohstoffe etc. optimal zu nutzen.
  • Klimapositives Denken und Handeln als Grundlage jeder Entscheidung im Unternehmen und damit als Teil der Vision, Mission und Strategie.
  • Ein bewusster und fokussierter Blick auf die eigenen (individuellen und gemeinsamen) Fähigkeiten und die Möglichkeiten diese für (neue) Spitzenleistung zu nutzen. 
  • Der Wunsch, der Wille und die Möglichkeit zur Selbstreflexion auf allen Ebenen und vor allem auch in der Gesamtsicht auf das Unternehmen.   
  • Eine aktive Ansprache des (individuellen und Unternehmens-)Umfelds, intensive(re) Vernetzung und  Austausch, um gemeinsame Möglichkeiten besser auszuloten. 
  • Die Öffnung für dynamische, multidimensionale Entwicklungswege und Entscheidungen, um mit den wachsenden Komplexitäten umzugehen. 
  • Ein zielgerichteter Abbau von Störquellen, Hemmnissen und unnötigen Belastungen im Arbeitsalltag. Kurz: ein organisationales Betriebssystem, das den Anforderungen der Zukunft schon heute gerecht wird.  

Unternehmen(slenker), die das heute berücksichtigen und Vorleben werden deutlich entspannter die Zukunft erwarten können. Sie sind die Gewinner der Entwicklung.

Wer glaubt, dass die eigene Belegschaft dazu nicht fähig ist, hat in der Vergangenheit die Weichen falsch gestellt. Ist das so, so ist es höchste Zeit sich Zeit für eine Reflexion zu nehmen, um vielleicht doch noch den Zug wieder auf einen besseren Weg in Richtung Zukunft umzulenken. 

Wir bestimmen am Ende selbst, welchen Weg wir in unsere Zukunft gehen. Die Lehren der Vergangenheit, angewandt auf die 3 Sekunden Gegenwart, die wir als „das Jetzt“ wahrnehmen, bestimmen durch ihre Wirkung auf die Zukunft das, was wir kurz-, mittel- und langfristigen erleben werden. Die Entscheidung dazu treffen wir in jedem Jetzt  – alle 3 Sekunden wieder.

Strategisches Führungs- & Alltagsthema Nachhaltigkeit

Strategisches Führungs- & Alltagsthema Nachhaltigkeit

Wer im Leben weiterkommen will, muss sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Das gilt für Individuen genauso wie für Unternehmen. Nur, dass es bei Unternehmen deutlich schwerer fällt, die Richtung für dieses Weiterkommen klar zu definieren. Doch – zum Glück oder Leid – diktiert uns das Leben oder die Welt in der wir leben manchmal selbst, welche Richtung langfristig zielführend ist.
Nachhaltigkeit ist eine solche Richtung, die immer stärker von außen vorgegeben und nicht mehr zu negieren ist. Es nützt weder das Thema auszusitzen, noch abzuwarten bis der Wettbewerb den Schritt unvermeidlich macht. Denn wer wartet, wird in der Kundenwahrnehmung ganz eindeutig hinten liegen und nur noch schwerer an knappere Ressourcen und bessere Ideen kommen. 

Weiterkommen heißt aber auch, sich gut vorzubereiten, um die meist unbekannten Herausforderungen tatsächlich meistern zu können. Wie also kann Nachhaltigkeit zu einem Element der strategischen Weiterentwicklung werden? Welche Facetten sind relevant und Hebel kann man nutzen, um den relevanten Teil sicher abzudecken?
Nachhaltigkeit ist ohne Frage Teil einer komplexen Weiterentwicklung, einer Veränderung, die, soviel sollte in einer sich dynamisch entwickelnden Welt klar sein, ganzheitlich angegangen, betrachtet, immer wieder bewusst reflektiert und strategisch bewertet werden muss. Der Fokus und die Implementierung singulärer Aspekte ist reine Ressourcenverschwendung und erhöht deutlich die Aufwände, weil sie selten im Kern ansetzt.
Eine umfängliche, strategisch wirksame Umsetzung sollte, wie immer bei solch umfassenden Themenstellungen, bei den wesentlichen Basissystemen des Unternehmens ansetzen, bei den Geschäfts-, Management- und Führungssystemen. 

Roger Martin, einer der weltweit führenden Strategieberater und 2017 von Thinkers50 als #1 Managementvordenker ausgezeichnet, hat als grundlegenden Leitfaden für strategische Planungen fünf wesentliche und in sich vielfach abhängige Entscheidungen formuliert. 

  1. Was ist unser erstrebenswertes Ziel? Was zieht uns (und unsere Kunden) magisch an?
  2. Wo werden wir spielen? Wer sind Kunden, Wettbewerber oder Partner? 
  3. Wie wollen wir gewinnen? Was unterscheidet uns vom Rest? 
  4. Welche Fähigkeiten müssen wir haben oder entwickeln?
  5. Welche Systeme sind erforderlich und wie müssen sie zusammenwirken?

Als Kernfrage reflektiert er strategische Entwicklungen mit der Frage: ‚Was müsste wahr sein?’. Ich würde dabei ergänzen: ‚Was wäre möglich, wenn es keine Beschränkungen gäbe?‘
Was müsste passieren, was müsste möglich sein? Wie müssten Kunden reagieren, welche Fähigkeiten müsste man haben, damit der Plan gelingt? Kriterien und Bedingungen, die immer wieder auf ihren weiterhin (?) bestehenden Wahrheitsgehalt hin überprüft werden sollten. Auf diese Weise interpretiert, erlauben diese Fragen sich immer wieder klarzumachen, ob und wie die aktuellen Entwicklungen das Fundament des Unternehmens, die Geschäfts-, Management- oder Führungssysteme beeinflussen, beeinträchtigen, fördern oder, im schlimmsten Fall, ungeeignet erscheinen lassen. 

Was müsste also wahr sein, damit Nachhaltigkeit (s)einen relevanten Platz in den Systemen eines Unternehmens erhält? An welchen Stellen müssten die Antworten auf die fünf Fragen beantwortet werden? Was könnten wir erreichen, wenn wir die realen und imaginären Beschränkungen überwinden würden? 

Nachhaltigkeit ist sicher nur in absoluten Ausnahmefällen der Geschäftszweck eines Unternehmens. Dennoch ist sie ein relevanter und zunehmend ausschlaggebender Faktor, den Kunden, Mitarbeitende und Partner zunehmend erwarten und fordern (müssen) und der sich im Geschäftsmodell wiederfinden sollte. Nutzt man etwa den Business Model Canvas als Rahmen, so ist die Frage nach mehr Nachhaltigkeit in allen Segmenten zu beantworten.

An vielen Stellen erzeugt die Zielsetzung Nachhaltigkeit tatsächlich nachhaltig zu implementieren  spezifische und explizite Ankerpunkte im Geschäftsmodell. Auch im Managementsystem finden sich dann, sowohl bei den übergeordneten Rahmenparametern und den grundlegenden Annahmen, den Normen und im kulturellen Kern, neue und ausdrückliche Hinweise auf den Umgang mit dem Thema. Gerade wenn ökonomische Aspekte gegen ökologische aufgewogen werden müssen, sind solche Hilfestellungen unumgänglich, um eine einheitliche Linie einzuschlagen und den Mitarbeitenden Orientierung zu geben. Augenscheinlich wird dies, wenn man an die Beschaffung von Ressourcen oder Investitionen zur Klimaneutralität geht.

Im Wechselspiel zwischen den Anforderungen der Geschäftsmodelle, dem organisationalen und kulturellen Rahmen des Managementsystems, ist das Führungssystem mit seinen Akteuren und Werkzeugen gefragt, um all dies mit den Aufgabenstellungen und den unterschiedlichen Bedürfnissen der Mitarbeitenden zu vereinbaren und umzusetzen. Auch ein Grund, warum Führungsrollen zunehmend komplex und fordernd sind und es immer wichtiger wird, Führung als gemeinsame und damit verteilte Aufgabe anzusehen – aber das hier nur am Rande. 

Meist fordert der „neue“ Gesichtspunkt Nachhaltigkeit die Nutzung von neuem Wissen und den Aufbau neuer Kompetenzen. Dies in siloartigen, gegeneinander abgegrenzten Strukturen anzugehen, hat das Potenzial in großem Umfang neue interne und externe Konflikte heraufzubeschwören. In moderner und menschenzentrierter geführten Unternehmen, entstehen diese, auch bei schwierigen Aufgabenstellungen, deutlich seltener, wie auch meine Studie aus dem Frühjahr gezeigt hat. Die Studienergebnisse können hier angefordert werden.

Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag – Neue Regeln für die Organisation

Wenn Mitarbeitende neues Terrain erkunden sollen, müssen sie frei(er) agieren und benötigen neue Freiräume, um Ideen zu entwickeln, zu erproben und umzusetzen. Erhalten sie diese nicht verliert die Entwicklung an Fahrt und die Mitwirkenden an Motivation. Ohnehin ist die Frage zu beantworten, warum sich jemand die zusätzliche Mühe machen und zusätzliche Arbeit aufbürden sollte, wenn die relevanten Auswirkungen ggf. erst Jahre später tatsächlich sichtbar werden? Spannend ist hier die Berechnung und Kommunikation hochgerechneter Auswirkungen auf die Kinder und Enkel der Akteure, d.h. auf einen Zeitraum von 20 bis 40 Jahren. Auch, wenn das die hohe Kunst ist. 

In jedem Fall ist es notwendig die bestehenden, bewussten und unbewussten, expliziten und impliziten Handlungs- und Verhaltensleitplanken im Detail zu betrachten und (oftmals) neu zu formulieren. Wann ist es vertretbar für eine Verringerung des ökologischen Fußabdrucks Mehrausgaben zu tätigen und in welchem Umfang? Wer kann solche Entscheidungen treffen, ohne zeitliche Einbußen in Kauf zu nehmen? Wer darf in Zukunft welche Verkehrsmittel nutzen? Welche Alternativen sind wirklich im Sinne des Unternehmens sinnvoll? Wie und in welchem Maß kann der Energieverbrauch gesenkt werden? Welche Energieformen sollten genutzt werden? Darf, kann oder soll man bei der Beschaffung von Ressourcen auf Nachhaltigkeit besonders achten? Welche Freiheiten hat die Produktentwicklung bei der Gestaltung? Darf es auch etwas aufwändiger und teurer sein, nur damit es ressourcenschonender produziert und recycelt werden kann? Welche neuen Kundengruppen kann und soll das Marketing ansprechen?  Sind das Unternehmen und die Investoren bereit auf Marge und Gewinn zu verzichten? Wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen benutzt und/oder selbst produziert, um mehr Unabhängigkeit zu erlangen? Werden Elektromobilität und andere Mobilitätsformen im Unternehmen gefördert? Welche Anforderungen werden an Lieferanten und Partner gestellt? Wie gestalten wir einen fairen Umgang mit Kunden und Mitarbeitenden? Können und sollen wir uns an einer Kreislaufwirtschaft unserer Produkte beteiligen oder diese aufbauen? Wie können wir selbst die Wiederverwendung unserer Produkte steuern, daran partizipieren oder direkt profitieren? ‚Mieten oder Kaufen‘ – Welche neuen Geschäftsmodelle sind denk- und machbar?

Und so weiter und so fort…

Wenn man so vorgeht, müssen einige sehr große und eine Vielzahl kleiner Fragen beantwortet werden. Der Weg dahin kann nur erfolgreich sein, wenn das Management die dafür geeigneten Rahmenbedingungen, Strukturen und Antworten entwirft und kommuniziert. Auf dieser Grundlage sind dann alle anderen in der Lage, ihre Antworten selbst abzuleiten. Nichts bremst mehr als Unsicherheit und die Angst Fehler zu machen. 


Aber auch dann besteht die Gefahr, dass sich die Detailantworten widersprechen. Darum ist es um so wichtiger, Vernetzung und einen aktiven Austausch aktiv zu fördern und zu nutzen. Relevante Reflexionsfragen für den Alltag sind: Wie wird ein intensiver interner Austausch zu den (neuen) Erfahrungen mit diesen neuen Parametern organisiert? Wie organisieren wir fachliche meetups, interne Barcamps? Wie schaffen wir möglich viel Crossfunktionalität für diesen Austausch?

Wer diesen Weg konsequent geht, entwirft dabei die Grundlagen für ein Metasystem, ein System von Systemen, bei dem Nachhaltigkeit bereits in das Design der Systeme eingewoben ist. ‚Sustainability by design“ wird das große Ziel aller Unternehmen werden (müssen), die langfristig und erfolgreich im Markt präsent bleiben wollen. 

Die Unternehmen, die mit mir arbeiten, sind auf diesem Weg. Sie stellen sich all diese Fragen. Sie nutzen interne und externe Fachgruppen. Sie wollen Nachhaltigkeit, jetzt, weil sie erkannt haben, welchen Potenzial in einer konsequenten Umsetzung für sie verborgen liegt.
Ich kann nur sagen: Es lohnt!

Wer meinen Impulsen und Gedankengängen weiter folgen möchte, findet mich auf Linkedin und Xing oder abonniert hier meine Blognews. Kundenanfragen bitte ausschließlich über mein Kontaktformular oder per mail. 

Da hilft kein impfen!

Da hilft kein impfen!

>>> Reflexionsimpuls <<<

Wandel funktioniert nicht nach Rezept und nicht nach Plan. Es ist aufwändig, die Welt zu verändern, es kostet Zeit, Geld und Mühen. Drei Ressourcen, die wir teils nicht einbringen wollen oder bei denen es schlichtweg nicht in unserer Macht liegt sie zur Verfügung zu haben. Und dennoch ist es JETZT Zeit die großen Dinge zu anzugehen und zu verändern. Allem voran die Pandemie und die um sich greifende Klimakatastrophe.

Das ich Unternehmen, vom Soloselbstständigen bis zu den weltweiten Konzernen auch bei diesen beiden Themen immer besonders im Blick habe, ist kein Geheimnis. Wir, mit unseren Angeboten und dem Einfluss auf Kunden und Mitarbeiter, können und müssen hier vieles tun, was wir bislang außerhalb unserer Einflusssphäre wahrgenommen haben. Doch wir, die Impulsgeber und Führungsmenschen in solchen Unternehmen, haben und hatten schon immer einen wichtigen Hebel in der Hand. Einen Hebel, den wir jetzt gezielter denn je einsetzen können. Was und wie, dafür bitte ich euch einen Moment Zeit zu nehmen. 

Spätestens seit Agilität – trotz und wegen seiner Substanz – zur Mode geworden ist, ist „Mindset“ ein Thema. Häufig hört man „Das Mindset der Mitarbeiter muss sich ändern“, manchmal “Das Mindset der Chefs ist noch nicht reif für Agilität“. 

Ja, klar kann es sein, dass die Haltung, die Sichtweisen, die Erfahrungen der Mitwirkenden es nicht leicht machen oder gar zulassen, dass neue Arbeitsweisen angenommen und gelernt werden können und wollen. Klar entsteht Widerstand – immer! Klar stehen persönliche Ziele dem gemeinsamen im Weg, klar hat jede und jeder persönliche Werte und Normen. Und klar, man kann daran arbeiten, das alles zu verändern. Man kann coachen, Workshops und Seminare machen, Erfahrungen vermitteln, Ideen ausprobieren, trainieren. Und wenn sich jede und jeder voll einbringt, dann kann ein ‚Mindsetshift‘ funktionieren. Der Nachteil: Das Ganze hat nur minimale Reichweite. Man muss mit jedem und jeder einzelnen arbeiten. Man muss hoffen, dass etwas durchdringt und es ist und bleibt wirklich viel, viel, viel Arbeit am und mit den Menschen. Aber, klar, die Zeit und das Geld und die Mühen sind es Wert. Schließlich gibt es keine Alternative….

Was machst Du eigentlich, wenn Du zum Sport gehst, oder in die Oper? Gleiche Klamotten, gleiches Auftreten, gleiches Denken, gleiches „Mindset“? Ich wette, Du verhältst Dich in unterschiedlichen Settings auch unterschiedlich. Du denkst sogar unterschiedlich, weil Du ganz unterschiedliche Impulse und Eindrücke bekommst. Gleichzeitig ist es für uns die natürlichste Sache der Welt uns anzupassen, zumindest wenn wir das wollen und wissen, oder zumindest ahnen, welches Verhalten von uns erwartet wird. Genau das machen wir ja auch jeden Tag, wenn wir zur Arbeit gehen. 

Bei einem Mindset-change im Job geht es also glücklicherweise „nur“ um das Mindset, dass wir während der Arbeit haben (sollen). Was wir uns klarmachen sollten: Die geforderte ‚Entwicklung‘ ist immer eine Antwort auf die Veränderungen, die das Unternehmen erlebt und die es – und das ist der Punkt – noch nicht im unternehmenseigenen Verhaltenskodex verankert hat. Durch den Mindset-change wird versucht das Verhalten jedes einzelnen zu verändern, um insgesamt zu neuen Werten, Normen, Perspektiven zu kommen und so den Rahmen, in dem alle agieren sollen, zu verändern. 

Ob das so sinnvoll ist? Ich habe da meine Zweifel!

Was wir uns auch klarmachen sollten: DAS „Mindset“ der Mitarbeitenden gibt es gar nicht. Es gibt, wie gesagt, nur viele, viele individuelle und zudem situationsabhängige Verhaltens- und Denkweisen. Die Frage ist, welche Wege es gibt, um zu etwas zu kommen, das dann, später als Mindset der Organisation, als Selbstverständnis, Wertekodex, Denk- und Verhaltensrahmen, als Kultur wahrgenommen wird? Denn das hätte eine große Reichweite, die nicht nur die Mitarbeitenden umfasst, sondern sich über die Grenzen des Unternehmens hinaus fortsetzt und von Kunden und dem ganzen Umfeld wahrgenommen wird. Es ist, als baue man an der Stelle der alten Oper das neue Stadion (oder umgekehrt) statt jedem Opernbesucher Sportklamotten in die Hand zu drücken. Womit auch klar ist: Wer weiter in die Oper gehen will, den wird weder das neue Stadion, noch würden ihn oder sie die neuen Klamotten überzeugen. 

Gerade die Unternehmen, die in stabilen Umfeldern groß und profitabel geworden sind, denen ist es oftmals gelungen ist, durch Normen und Strukturen die Effizienz zu optimieren, sollten sich diesen Unterschied klarmachen und ihn bedenken. Solange sie nach Plan arbeiten können, funktionieren sie tadellos. Kommen jedoch Veränderungen, Ausnahmen, sind Abweichungen vom Plan notwendig, dann wird es schwierig, dann müss(t)en Verhalten und Denken anderen Wegen folgen können. Dann müssten, um in der Analogie zu bleiben, doch Operngläser oder Handtücher verteilt werden. Das wäre ein leichtes, wenn es denn möglich wäre das eine oder andere zu tun, wenn es allgemein zugelassen wäre. Doch meist braucht das Genehmigungen, Entscheidungen, Anträge und plötzlich ist es zu spät.
Dabei gilt eine banale Tatsache: Die Menschen in der Organisation könn(t)en damit umgehen – immer! 

Wichtig ist: Als Organisation komplexitätsklug zu sein, d.h. die Ausnahmen rechtzeitig zu erkennen und anders als der alten Norm entsprechend mit ihnen umzugehen, erfordert ein entsprechendes, angepasstes, organisationales Rahmenwerk. Ein Rahmenwerk, das den Beteíligten den Raum gibt frei(er) zu agieren und das ausreichend Beispiele und Referenzen beinhaltet, an denen man sich orientieren kann.
Mit komplexen, dynamischen Systemen umgehen, komplexe Herausforderungen und Aufgabenstellungen meistern zu können erfordert kein angepasstes Mindset einiger Mitarbeiter, es erfordert ein anderes Mindset der Organisation! Es erfordert, tief in der Basis aller Regeln, Normen und Werte andere Ansätze und Konzepte. Wobei der Punkt ist: Diese Ansätze und Konzepte zu entwickeln und zu verankern erfordert meistens deutlich weniger Geld, Zeit und Mühe, als in dies mit jedem Mitarbeiter im Einzelcoaching, -training, Workshop und Seminar zu erarbeiten. 

UND: Jedes Unternehmen kann es schaffen und die Voraussetzungen dafür aufbauen in Zukunft komplexitätsklug agieren zu können und immer wieder adäquat und schnell auf seine spezifischen „Ausnahmen“ zu reagieren. Voraussetzung dafür ist, dass die Mitwirkenden ihre Fähigkeit zum Umgang mit Komplexität einbringen können und vor allem dürfen.

Allerdings: Es gibt kein Rezept, keine Vorlage und keine best Practice, denn jedes Unternehmen ist in sich ein komplexes und offenes dynamisches und komplexes System. Aber, es gibt Zutaten und Hinweise, aus denen sich strategische Zielrichtungen und Maßnahmen ableiten lassen.

Was also sollte drin sein, in so einem Rahmenwerk, dass dazu in der Lage ist die Organisation komplexitätsklug zu machen und dabei dem Mitwirkenden den notwendigen Raum zu geben? Der erste Schritt sind bewusste, ehrliche Antworten auf die Fragen:

  1. Was ist das Ziel? Worum geht es ganz konkret? Was würden wir tun, wenn wir keine Minute Zeit und keinen Cent erübrigen könnten und wir voll engagiert an die Sache herangehen würden? Was wollen wir unbedingt (im Markt) bewirken?
  2. Wie machen wir Teams – jedes einzelne für sich betrachtet – klug, effektiv und effizient? Welche Normen und Regeln braucht das Team? Wie groß sollte es sein? Welche Kompetenzen, welches Wissen und welcher Zugang zu Informationen sollte vorhanden und möglich sein? 
  3. Wie schaffen wir Strukturen, in denen sich Teams, Abteilungen und Bereiche modular ergänzen, sich gegenseitig unterstützen können und ggf. ‚ungestraft‘ Redundanzen entstehen? 
  4. Wie gelingt es, dass Kompetenz und Wissen führt – statt Hierarchie oder Demokratie? Was ist an Werten und Normen wichtig, damit kompetenzbasierte Führung funktioniert? Wie kommt man zu klugen, zielgerichteten Entscheidungen? Wie kann die notwendige Vertrauensfülle geschaffen werden? Wie verhalten sich Fehler und Lernen zu Vertrauen und Respekt?
  5. Wie gelangt Wissen dahin, wo es benötigt wird und angewendet werden kann? 
  6. Und eine der wichtigsten Fragen: Wie kann bestehender Wertschöpfung verhindernder Arbeitsballast identifiziert und neuer vermieden werden?   

Auf der Konzeptebene fallen die Antworten leicht, im speziellen, organisationsindividuellen Kontext, kostet es etwas mehr Aufwand die Antworten auszugestalten. 

Auf der Konzeptebene würde ich wie folgt antworten:

  1. Es geht darum konkrete Kundenprobleme zu lösen. Nur das interessiert! D.h. nicht, dass Mitarbeiter nicht im Fokus stehen sollten, Menschenzentrierte Führung ist essenziell, aber der Kunde ist mit seinen Umsätzen der Hauptinvestor in das Unternehmen.   
  2. Es sind kleine, frei agierende, crossfunktionale Teams von Menschen, die sich gerne ergänzen, einander zuhören und respektvoll miteinander umgehen. Eine Ebene höher sind es Teams von Teams, die frei agieren, sich crossfunktional austauschen, sich gerne ergänzen, einander zuhören und respektvoll miteinander umgehen. Eine weitere Ebene höher sind es Bereiche, die frei agieren, … Du weißt, was da noch kommt. 
  3. Wenn 2. gelingt, ist 3. schon fast geschafft. Dann kann das Unternehmen als Netzwerk komplexitätskluger Teams funktionieren, die mit jedem Grad an Komplexität und Dynamik umgehen können – und, ja auch mit vollkommener Stabilität. 
  4. Es geht um gegenseitigen Respekt und Vertrauen und damit die Elimination von Respektlosigkeiten, der Aufbau von Vertrauenswürdigkeit und Vertrauensfülle. Wenn Respekt und Vertrauen – in die eigenen Fähigkeiten wie auch in die der anderen – die Entscheidungsprozesse leiten, dann ist viel gewonnen!
  5. Umfassende, verständliche und transparente Kommunikation, keine Gerüchte, keine Halbwahrheiten, kein „das sollten wir niemandem sagen“. Wer sich einmal hintergangen oder uninformiert gefühlt hat, wird sich mit Respekt und Vertrauen schwertun. Und, ja, klar gibt es Bereiche, da kann und darf nicht jeder alles wissen. Wenn aber klar ist, welche Bereiche das sind und WARUM das Wissen hier nicht geteilt werden kann, dann ist auch hier viel gewonnen. 
  6. Das ist einfach und mühevoll. ‚Einfach‘ ist damit zu beginnen den Prozess, an dem man gerade arbeitet anzuschauen und zu überlegen, unter welchen Annahmen und Zielsetzungen er eingeführt wurde. Wem nützt er? Warum existiert er? Wer hat ihn geschaffen? Wer muss Zeit, Geld, Mühe oder andere Ressourcen investieren? Was würde sich ändern, wenn es den Prozess so nicht gäbe? Wie könnte eine ebenso wirksame (im Sinne der Wertschöpfung) Alternative aussehen? Wer traut sich die Alternative(n) auszuprobieren und die Erfahrung zu berichten?
    ‚Mühevoll‘ ist es, das mit allen Prozessen zu tun (und hilfreich ist es natürlich die Prozesse bzgl. Ihrer Häufigkeit und Tragweite zu priorisieren). 

Und eine siebte Antwort auf eine nicht gestellte Frage: Sich so aufzustellen hilft, um mit den aktuellen und künftig exponentiell wachsenden Herausforderungen, wie Nachhaltigkeit, besser begegnen. Und, soviel ist sicher: Dieses Thema spült in jedes bislang noch so stabile Unternehmen eine Menge an zusätzlicher Komplexität!

„Ihr könnt eure Mitarbeiter nicht mit neuen Mindsets impfen! Hört auf die Mitarbeitenden verbiegen zu wollen, wenn das Mindset der Organisation schief, verzogen und das Problem ist. Es sind nicht die Menschen, die ihr ändern müsst, es ist der Rahmen in dem sie miteinander arbeiten, den es zu verändern gilt!“ 

Ob sich ein Unternehmen überhaupt mit diesen Fragestellen beschäftigen sollte, ob die Top-Führungskräfte ihre Zeit und Kompetenzen hier einbringen sollten, hängt davon ab, wie und wo das Unternehmen dasteht und wohin es sich entwickeln will.

Wie stabil oder dynamisch ist das Umfeld, der Markt, der Wettbewerb? Gilt es auf besondere Ereignisse oder neue Herausforderungen und Probleme zu reagieren? Erfordern diese Reaktionen neues Wissen, neue Erkenntnisse, neue Impulse? 

Wie klar ist der Fokus jedes einzelnen auf die Kernziele des Unternehmens, (und) die  Wertschöpfung? Wie ist die Informationslage? Wohin entwickeln sich Trends und welche sind relevant?


Mustererkennung ist hier wichtig! Muster im Umfeld, wie auch Muster, die sich in den Strukturen und der Handlungsweise des Unternehmens widerspiegeln. Sie erlauben es abzuleiten, welche Wirksamkeit und welche Kosten einzelne Maßnahmen mit sich bringen. Sie erlauben zu identifizieren welche Grundlagen, Basisannahmen, Regeln und Rahmenbedingungen man ändern kann, sollte und muss. Sie erlauben auch zu erkennen, wieso viele Reports, Boni und KPI nicht mehr in die Zeit passen. Sie gestatten Abhängigkeiten in Beziehungen, Rollen und Strukturen aufzudecken, die vor allem Kosten aber kaum Nutzen erzeugen und sie rücken Schattenorganisationen ins rechte Licht (denn oft sind sie ein Spotlight wert, denn sie retten mehr Organisationen, als man glaubt).

Quintessenz 

Wir sollten Mindsets aufbauen, die uns helfen, die Krisen und Katastrophen zu überstehen, neue Möglichkeiten zu eröffnen und den Denkrahmen stetig zu erweitern. Nur müssen wir dieses Mindset Tief im Fundament der Organisation verankern, nicht „nur“ in den Mitarbeitenden.
Wir brauchen Mut Neues auszuprobieren und Gelassenheit Fehler zu machen. Wir müssen alte Zöpfe abschneiden und Systemwechsel ermöglichen.
Das alte hat uns an die Schwelle zu dieser neuen Zeit geführt. Jetzt ist Zeit den nächsten Schritt in diese Zeit zu meistern, um mit den neuen Herausforderungen und weiter wachsenden Komplexitäten umzugehen. Ich weiß, dass die Masse aller Unternehmen das kann und will. Ich weiß auch, dass viele sich noch schwertun, weil Ihnen in der Vielfalt der Möglichkeiten die Orientierung fehlt. Aber: Ihr habt in euch, was euch ausmacht! Findet Wege dem Raum zu geben, werdet los, was euch hindert, werft über Bord, was ihr nicht mehr braucht und lasst euch helfen, wo ihr Unsicherheit verspürt. Die beste Zeit die Zukunft zu gestalten war in der Vergangenheit, aber es ist dennoch besser heute zu starten, als morgen! Bei all dem hilft kein impfen, es braucht nur die Erkenntnis und die Überzeugung, dass die Zukunft noch immer positiv gestaltbar ist. Startet! Jetzt!

Wenn ‘umweltfreundlich’ nicht mehr reicht – Wie sich Fokuspunkte  im Management verschieben und vereinen müssen

Wenn ‘umweltfreundlich’ nicht mehr reicht – Wie sich Fokuspunkte im Management verschieben und vereinen müssen

Ich wollte diesen Beitrag mit einem dramatischen Statement starten und beschreiben, wie sich der Druck auf Unternehmenslenker und Führungskräfte immer mehr erhöht, weil sie immer mehr Anforderungen, Erwartungen, Vorgaben erfüllen müssen, wie immer mehr neue Fokuspunkte sich zu den alten, wie Kundenzentrierung, dem ‚war for talents‘, Wachstum, Umsatz, Gewinn, Kostensenkung, Corporate Social Responsibility, Bürokratieabbau, Corona, Home Office, Hybridem Arbeiten, New work, next normal hinzugesellen. 

Aber, wenn man mal genauer hinschaut, ist für so einen langsamen dramatischen Aufbau eigentlich keine Zeit mehr.

Wir stehen vor einem, aus meiner Sicht absolut notwendigen, und signifikanten und unvermeidlichen Entwicklungsschritt für „das Management“. Nachdem wir in den letzten zig-Jahren kaum echte Fortschritte bei Themen wie Kundenzentrierung gemacht haben (überlegt bitte selbst, wie lange ihr das Thema schon selbst versucht vollständig umzusetzen, oder wie lange ich davon lest und hört), nachdem in den vergangenen (auch fast zig-)Jahren mit transformationaler Führung, ‚new work‘ und dem ‚war for talents‘ die Idee einer Menschenzentrierung im Management und der Führung Einzug gehalten hat, stehen wir jetzt an der Schwelle einer Entwicklung, in der umweltfreundlich und klimaneutral als Attribute nicht mehr ausreichen, auch wenn (oder gerade auch weil) viele Unternehmen da noch nicht sind. 

Und auch wenn das Thema Ökologie aus ökonomischer Unternehmenssicht vor allem ein Kostentreiber ist: aus der gesamtgesellschaftlichen und gesamtmenschheitlichen Verpflichtung, heraus, die jeder von uns trägt, ist jeder Tag, der vergeht in dem wir es nicht sehr ernsthaft und konsequent angehen, ein Tag, der unsere Nachkommen, mit 99,9999% prozentiger Wahrscheinlichkeit, teu(r)er zu stehen kommen wird. Kurz: Wir sind eh schon zu spät und warten ist keine Option mehr.

Wer’s nicht glaubt, der/die kann ja, jetzt schonmal seinen Herbsturlaub hier nebenan im Ahrtal buchen, es sollte aber wohl der Herbsturlaub 2022 oder 2023 sein, der vorher wird da nicht viel Erholung in wiederhergestellter, schöner Natur möglich sein. Oder er/sie kann versuchen für den Rest des Jahres mit den noch verfügbaren, nachwachsenden Ressourcen dieses Jahres auszukommen. Allerdings ist heute, weltweit gesehen, earth overshoot day und die Ressourcen für dieses Jahr sind alle schon verbraucht. (Allein auf Deutschland bezogen war das bereits der 5. Mai, für die Schweiz der 11. Mai, und für die Vereinigten Staaten der 14. März.)

Kurz: Wir müssen loslegen und ich habe die Hoffnung verloren, dass wir auf die Politik warten können, um sinnvolle Vorgaben oder auch nur Hinweise zu erhalten. 

Die Frage ist: Wie können wir dies tun, ohne uns damit gleichzeitig vollkommen zu überfordern – denn damit ist auch niemandem geholfen?

Gestern schreib ich als Kommentar auf einen Linkedin-Post von Christina Bösenberg u.a.: „Um die weitere Klimakatastrophe abzumildern, muss jeder für sich, aber insbesondere wir alle gemeinsam etwas tun. Für mich liegt der Schlüssel bei „uns“, dh. bei allen Unternehmer:inne:n, Unternehmenden und Vorständen, GFs etc. Wenn es möglichst schnell gelingt ,Angebote und Arbeitsstrukturen zu schaffen, bei denen Kund:in:en und Mitarbeitende gar nicht anders können als ökologisch „richtig“ zu handeln, haben wir einen Riesenschritt getan!

Natürlich muss zugleich aus Unternehmenssicht ökonomisch und sozial „richtiges“ Handeln mit in den Waagschale, aber das ist nicht nur möglich, sondern halt absolut notwendig.“

Was ich in dem Kommentar schuldig geblieben bin, ist die Antwort darauf, wie das gelingen, bzw. wie man damit strukturiert und zielgerichtet beginnen kann, neben all den anderen Themen, die Unternehmenslenker und -denker schon jetzt täglich herausfordern?

Um es gleich vorwegzuschicken. Auch hier wird der Platz nicht reichen, meinen favorisierten Ansatz soweit im Detail vorzustellen, dass man damit arbeiten kann. Das würde (mindestens) ein Buch füllen. Aber vielleicht hilft eine erste Skizze, um darauf weiter rumzudenken. Daher hier in möglichst kurzen Worten meine Wegbeschreibung, zusammen mit ein paar ersten Reflexionsfragen, um erste Schritte zu starten: 

Ich muss kurz ausholen: 

Das Ziel hinter einem kundenzentrierten Managementansatz ist ökonomisch in eine optimale Position zu kommen, um bestmögliche Angebote, im Idealfall gemeinsam mit den Kunden oder zumindest eng an dessen/deren Vorstellungen entlang, zu schaffen. Das langfristige wirtschaftliche Überleben ist einer der Haupttreiber.

Das Ziel eines menschenzentrierten Managementansatzes, zu dem ich auch Aktivitäten in Richtung von ‚new work’ und ganz allgemein Arbeitszufriedenheit und Flow zähle, ist es positive Wirkung auf einer sozialen Ebene – insbesondere bei aktuellen und zukünftigen Mitarbeitern – zu erzielen. Ziel ist es die Voraussetzungen für mehr Leistungsfähigkeit, -bereitschaft und -vermögen zu schaffen. 

Das Ziel eines umweltzentrierten Managementansatzes ist es einen positiven Beitrag für die Überlebensgrundlagen der Spezies Mensch auf diesem Planeten zu leisten. Dinge wie Ressourcenneutralität, die Nutzung regenerativer Energiequellen und eine positive CO2 Bilanz tauchen dabei auf der Bucketlist auf. Es ist damit ein Ansatz der, anders als die anderen,   zunächst nicht direkt auf den Erfolg und das Überleben des Unternehmens einzahlt, sondern allein auf der metagesellschaftlichen Ebene zu liegen (scheint). Zudem spielt natürlich die Überlegung eine Rolle, dass andere Unternehmen sich dieser Herausforderung einfach nicht stellen und damit im Wettbewerb (zunächst) profitieren. Überlegungen die berechtigt und notwendig sind, aber die eben auch weitergehende Auswirkungen in sich tragen.

Wenn man so unterschiedliche Fokuspunkte hat, lohnt es in ihrem Schnittpunkt zu starten. 

Alle drei Zentrierungs-, oder besser, ‚Fokusbereiche‘ finden sich in der Gesamtsicht in der Logik der starken Nachhaltigkeit wieder, die bewusst auf eine ausgeglichene Bilanz und Balance der drei Elemente abzielt.  

Natürlich kann man den Weg gehen, den einige Organisationen bereits eingeschlagen haben, diese drei Bereiche unabhängig voneinander zu betrachten und zu implementieren. Was dabei entsteht, bezeichne ich, zum Beispiel im Bereich agilerer Kundenbeziehungen gerne als agile Inseln (der Glückseligkeit oder des Missmuts, je nachdem wie das Umfeld darauf reagiert).

Im Bereich des sozialen Miteinanders wird mit work hacks experimentiert, neue Mitarbeiter werden hofiert, zusätzliche Boni (und andere ‚Leckerlie’) in Aussicht gestellt, die nach mehr Menschenzentrierung aussehen, aber zugleich oft für Spannungen im Führungs-/Management-/Betriebssystem führen, weil sie nicht mit dem bisherigen Denken und Handeln kompatibel sind. (Wobei ja auch ich damit und daran natürlich auch verdiene, wie viele Kollegen auch.)

Und natürlich sind einige Unternehmen auch ISO 14001 etc. konform unterwegs und halten alle bestehenden Standards ein. Wobei ich behaupte, dass es zwischen der ISO-Norm und der Übernahme echter, ernstgemeinster Corporate Climate & Environmental Responsibility noch ein Unterschied besteht.

Aber es gibt eben auch Unternehmen, denen gelingt es Nachhaltigkeit so tief in die Grundfesten des Unternehmens zu integrieren, dass man das, was dabei entsteht als einen neuen, (eben) nachhaltigen Managementansatz verstehen kann. Zwei Beispiele, die ihr sicher kennt: Patagonia in den USA und Vaude aus Tettnang im Südschwarzwald. Beide in einem Bereich tätig, den man aus ökologischer Sicht, soweit möglich, vermeiden sollte: der Textil- und Bekleidungsindustrie. Einem Bereich in dem Rohstoffe oftmals ökologisch belastet sind, die Bedingungen bei der Herstellung selten unseren sozialen Standards genügt und die Ökonomie oft auf Profitmaximierung ausgerichtet ist.
Und doch ist es in beiden Unternehmen gelungen ein Managementsystem zu etablieren, das es den Mitarbeitern und Kunden leicht macht ökologisch, sozial „richtig“ zu handeln und das die Unternehmen dennoch auch ökonomisch ausreichend erfolgreich sein lässt. So erfolgreich, dass Patagonia inzwischen keine Wachstumsziele mehr verfolgt.

Nachhaltiges Denken und Handeln so im Unternehmen zu verankern, dass alle Beteiligten, Kunden, Mitarbeiter aber auch Lieferanten und Geschäftspartner kaum anders können, als im Sinne des Überlebens unserer Spezies sinnvoll zu handeln, ist dabei deutlich weniger aufwändig, schwierig und mit Konfliktpotenzialen behaftet, als die drei Bereiche jeden für sich anzugehen und abzuarbeiten. Warum? Ganz einfach, weil sich ein anderer und vor allem stimmiger kultureller Kern entwickeln kann, weil die Widerspruchsfreiheit im Denken und Handeln steigt, weil systeminterne Konflikte verhindert und Energien und Ressourcen fokussierter eingesetzt werden können. Was tief ins organisationale Betriebssystem (aka das Managementmodell) eingewoben ist, wirkt einfach nachhaltig und langfristig besser und erfolgreicher.   

Wer sich traut als Mitarbeiter/Führungsmensch(en), Team oder in der ganzen Organisation in diese Richtung zu denken, für den hier ein paar Reflexionsfragen, um erste Klarheit zu gewinnen:

  • In welcher Welt wollen wir alt werden und sollen unsere Kinder leben können? Wie soll sie aussehen, bzw. wie soll sie nicht aussehen, in 10, 20 oder 30 Jahren?
  • Was wollen die anderen und wer denkt wie ‚wir‘? Wer hat Angst, wer negiert die Entwicklung? 
  • Was passiert, wenn unsere Kunden beginnen ‚nachhaltig richtig handeln zu wollen‘? Was macht das dann mit unserem Geschäft? Können wir darauf reagieren? Werden wir dann eher auf der Gewinner- oder auf der Verliererseite stehen?
  • Welche Grundannahmen über unsere Kunden, unsere Angebote und unsere Zusammenarbeit passen dann noch, welche müss(t)en sich verändern?
  • Sind wir, Stand heute, in der Lage, diese Veränderungen umzusetzen oder steht uns dafür noch etwas im Weg? Was ist es? Kann man diese Themen offen und ehrlich ansprechen oder haben wir an dieser Stelle ein kulturelles Problem?
  • Wer kann uns helfen, bestehende Hemmnisse zu überwinden? Wer, intern oder extern, kann uns helfen unsere Angebote und Produkte anzupassen?  
  • Wo stehen wir aktuell überhaupt im Kontext Ökonomie, Soziales und Ökologie? Sind wir in allen Bereichen schon gut aufgestellt und funktioniert der Austausch bzw. das Zusammenspiel dazu intern wirklich gut und reibungslos?
  • Wie (re)agieren unsere Wettbewerber auf diese Veränderung? Können wir uns ein Differenzierungsmerkmal schaffen, indem wir beginnen konsequent, im Sinne eines nachhaltigen Managements zu handeln? 

So sehr ich es mir wünschen würde: Ich glaube nicht, dass man die Entscheidung darüber nachhaltig richtig zu handeln, allein den Kunden und dem Umfeld überlassen kann und sollte. Noch sind die Menschen, die sich mit ausreichend viel Herzblut für diese Themen einsetzen (können) klar in der Minderheit. Andererseits glaube ich, dass es nicht lange dauern wird, bis neue Regularien Unternehmen in Zugzwang bringen werden. Wir sind einfach zu spät dran, um noch lange warten zu können. Die Revolution der Kinder und Jugend, die die Auswirkungen unserer heutigen Lebensweise ausbaden müssen, kann nicht mehr sehr lange auf sich warten lassen. Aus meiner Sicht sind es vor allem die verantwortungsbewussten Manager und Unternehmer, denen es gelingen kann, eine Trendwende mit der notwendigen Geschwindigkeit umzusetzen. Wichtig dabei: Macht auf euch aufmerksam, macht euch miteinander bekannt, meldet euch zu Wort, zeigt das sich etwas tut! Das Thema hat das Potenzial eine starke Gemeinschaft zusammenzuführen.

Die wirklich klugen, zukunftsgerichteten Unternehmenslenker sind schon längst in dieser Richtung auf dem Weg, andere beginnen zu folgen. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem jeder verantwortliche Manager überlegen muss, wohin die persönliche und die unternehmensweite Reise gehen soll. Ich denke, es kann nur ein Ziel geben.

Es ist DIE Zeit, um Macht(voll) neu(es) zu denken

Es ist DIE Zeit, um Macht(voll) neu(es) zu denken

Es ist wirklich ein Kreuz mit dieser „Macht“. Ich selbst reagiere extrem allergisch darauf, wenn jemand „ungefragt“ Macht über meine Aktivitäten oder gar mein Denken übernehmen will. Womöglich jemand, den ich nicht respektiere und dessen einziges Interesse es ist, individuelle Bedürfnisse durchzusetzen, ohne Rücksicht auf das Umfeld zu nehmen. Andererseits brauchen wir alle ein gewisses Maß an Macht über uns und über andere, damit das Zusammenleben und Zusammenarbeiten funktioniert. Fehlt dieses Machtbewusstsein treten zu häufig Missverständnisse und Widerstände auf.
Dieses Wechselspiel von individueller und fremder Macht über uns findet immer und überall statt.  Es ist die Frage, wen wir legitimieren diese Macht zu übernehmen und uns gegenüber auszuüben. Es passiert ständig, im Kleinen wie im Großen. Kritisch wird es, wenn wir uns nicht die Zeit nehmen bewusst darüber nachzudenken, wie viel Macht wir wirklich über andere brauchen und wie viel Macht über uns wir anderen zugestehen. Ein Thema, das in Zukunft noch deutlich und intensiv an Bedeutung gewinnen wird. 

Gerade im derzeit viel diskutieren Kontext des „next normal“ und der schnell voran getriebenen Digitalisierung ist die Frage, wie sich Macht und Machtstrukturen verändern ein Bereich, der gar nicht früh genug durchdacht und in die Diskussion mit aufgenommen werden kann. Die aktuellen Entwicklungen bringen gerade in diesem Aspekt diverse substanzielle Impulse, die reflektiert und die den eigenen Zusammenhang gesetzt werden, statt vorschnell verworfen werden sollten. Denn Strukturen Abläufe, der Austausch miteinander, das alles hat sich in vielen Unternehmen sehr schnell und Substantiv verändert. Das Befolgen expliziter und auch impliziter, nicht klar kommunizierter und dokumentierter Regeln, wurde stillschweigend vorausgesetzt. Kollegen traten in neue Rollen ein, andere Rollen wurden verändert oder fielen weg. Es waren neue Wege notwendig um Vertrauen aufzubauen, manches bestehende wurde unterminiert. Manche (Führungs)Verhaltensänderungen waren positiv, manche leider das krasse Gegenteil. Am Ende hatte vieles davon mit Macht und Machtverständnis und dessen Ausübung zu tun. Immer spielt mit, wie respektvoll (oder respektlos) wir miteinander umgehen, und wem wir anerkennen (oder auch nicht) wie viel dieses Verhaltens zugestehen. Immer geht es auch um Bedürfnisse, Erwartungen, Gefühle und damit um Zufriedenheit oder Angst. Damit umzugehen erfordert ein wenig Führungsmut und Weitsicht. Aber von beidem sollte in Unternehmen, die ihre Zukunft erfolgreich gestalten wollen, ohnehin genügend vorhanden sein. Wo es fehlt, sehe ich allerdings mittelfristig neue Konflikte entstehen. 

Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Machtstrukturen und notwendig, hilfreich und möglich sind. Welche bringen das Unternehmen wirklich voran, welche stammen aus „einer anderen Zeit“ und passen, wenn man mal ehrlich ist, heute nicht mehr zum Vorgehen des Unternehmens, bzw. Behindern eine optimale Zusammenarbeit.
Zuvor stellt sich jedoch noch die Frage, wie welche Machtstrukturen überhaupt – sichtbar und unsichtbar – existieren, wie sie eingesetzt werden und was dabei das Beste für die Machthaber als Individuen, machtausübende Gruppen und das Unternehmen insgesamt ist. Die Einteilung in „gute“ Macht und „schlechte“ in „richtig“ und „falsch“ (im Sinne des Einzelnen, der Gruppe und der Meta-Gruppe = der Gesamtorganisation) ist in vielfältiger Weise abhängig von der Kultur, den Werten, den Zielen und Regeln sowie den handelnden Personen. Spiral Dynamics, Reinventing Organizations und so viele andere Konzepte, die die Gruppen clustern und gemeinsame Merkmale aufzeigen, lassen grüßen. Sie helfen gleichzeitig zu verstehen, auf welche vielfältige Art das Thema gespielt wird und in den jeweiligen Strukturen bespielt werden muss. 

„Richtig“ bzw. „falsch“ zu unterscheiden ist allein schon ein komplexes Gebiet. „Richtig“ kann für den ‚Machthaber‘ selbst etwas ganz anderes sein, als für das Unternehmen, „Falsch“ ebenso. Wer definiert überhaupt was „richtig“ und „falsch“ ist? Wer befindet darüber, was „richtiges“ oder „falsches“ getan wurde? Was hat unterstützt, was hat geschadet?

Die Betrachtung sollte beim moralisch-ethischen Grundverständnis, bei den kulturellen Werten starten, das Umfeld sowie die Vision und natürlich auch die Menschen mit einbeziehen. Um sich auf eine verständliche Norm (und Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit sind dabei von besonderer Bedeutung) zu einigen, sind die „organisationalen Gesetzgeber“, die Regelbestimmer, aka das Management gefordert, klare gemeinsame Zielsetzungen und Werterahmen, sowie (in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Konsequenzen und mögliche Sanktionen) zu beschreiben, in denen dann (auch Macht) stattfindet. 

Diese Rahmen sind wichtig, weil sie gleichzeitig klären, was grundsätzlich zu respektieren ist und wie mit Verantwortung umgegangen wird bzw. werden soll. In diesem Dreieck, zwischen Respekt, Verantwortung und Macht sind eine Vielzahl tief prägender kultureller Leitplanken verankert. Sie definieren, wie Bedürfnisse befriedigt und auf Gefühle eingegangen wird. 

Neben der moralischen „richtig“ / „falsch“ Dimension ist zwei weitere reflexionswürdig, um die Strukturen zu verstehen und ggf. neu zu gestalten.
Erstens geht es um die Art wie Ressourcen verwaltet und freigegeben werden, wer wann wieso Zugriff erhält und wie Frage, wie frei dann tatsächlich damit umgegangen werden. Wer die Verteilung übernehmen darf, hat damit enormen Einfluss auf unser Handeln.
Zweitens geht um das Zugeständnis, oder den Mangel von Denk- und Handlungsräume, die die Mitarbeitenden für zur Wahrnehmung ihrer Rolle und Aufgabe erhalten. Jeder der Einfluss auf diese Dimensionen nehmen kann besitzt Macht. Jeder der in vollkommener Abhängigkeit arbeitet, fühlt sich häufig machtlos. Dies wirkt umso fataler auf das Engagement, je stärker diese Macht mit Gewalt und Entmündigung statt mit Überzeugung in die Umsetzung gebracht wird.   

Mit „next normal“ und durch die fortlaufende Digitalisierung verändert sich in der Zukunft weiterhin stetig die Entscheidungsgrundlagen, weil immer neue Informationen von immer anderen Mitarbeitenden erfasst, erkannt, interpretiert und genutzt werden können. Damit kann sich immer wieder verändern, wer die adäquate und notwendige Kompetenz hat eine Entscheidung zu treffen und damit Macht auszuüben. 

Um hier einzusteigen, sollte man starten für sich selbst und bestenfalls gemeinsam ein paar Kernfragen zu beantworten:

  • Wie macht das Unternehmen (ab) morgen erfolgreicher?
  • Welche Grundlagen müssen dazu geschaffen oder verändert werden?
  • Was hilft dem Unternehmen dabei diesen Weg zu gehen?
  • Welche Strukturen und Abläufe sind dazu wichtig?
  • Wer „bedient“ diese, d.h. welche Kompetenzen sind dazu notwendig und wer besitzt sie?
  • Wie können sich andere interessierte Kompetenzträger dabei einbringen?
  • Welche Ressourcen stehen dazu zur Verfügung und wie haben die Kompetenzträger Zugang dazu?
  • Wie viel Raum wird dazu benötigt? Wie sind Handlungsrahmen abzustecken, um dem Akteur Sicherheit zu geben? 
  • Was kann dauerhaft als „im Sinne des Unternehmens richtig“ angenommen werden, was nicht?
  • Wie wird aus Fehlern gelernt, ohne abzustrafen, und wie wird gleichzeitig dafür gesorgt eklatantes Fehlverhalten zu sanktionieren?

Das sind nur erste Fragen, die sich in (Online)Workshops und im privateren Gespräch adressieren lassen, um dem Wert wird der Wirkungsweise von positiv (fürs Unternehmen) ausgeübter Macht auf die Spur zu kommen. Darin steckt enormer Wert für ein entspanntes Miteinander im Unternehmen und damit neue Ressourcen in Form von freigewordener Zeit, Budgets und neuem Engagement und Ideen. 

Kurz: Es lohnt hier tiefer zu graben und macht-voll Neues zu denken. 

Respect yourself! Der erste Schritt zu einem besseren Klima im Unternehmen.

Respect yourself! Der erste Schritt zu einem besseren Klima im Unternehmen.

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Respekt, diese kulturelle Norm, diese „Beachtung der Unversehrtheit einer Person“ (oder der Natur oder des Planeten) – wenn man die Zeit nimmt für sich persönlich zu reflektieren, was dran ist an diesem Thema, wo wir in Gesellschaft aber eben auch in Unternehmen damit stehen, dann….. naja, ich habe immer weniger das Gefühl, dass wir da auf einem guten Weg sind. 

Respektlosigkeiten, teils tief eingewoben in unseren Umgang miteinander, nehmen zu, sowohl auf Distanz, in den sozialen Medien, wie auch bei analogen Zusammenkünften. „Die Unversehrtheit der anderen“ scheint immer weniger wert zu sein und auch die eigene Unversehrtheit leidet mancherorts. 

Mein Blick geht dabei, wie so oft in Richtung der Zusammenarbeit in Unternehmen. Hier sind vielerorts Respektlosigkeiten Teil des organisationalen Betriebssystems, der Management- und Führungskultur, und so „normal“, dass sie oft kaum mehr als solche wahrgenommen und manchmal nur noch mit geballter Faust ausgehalten und ertragen werden. Sie steckt ihn Hierarchien, in Regeln, in Prozessen, Formularen. Sie steckt in Aufgaben, die eher Beschäftigungstherapien ähneln, als dass sie Teil einer echten Wertschöpfung sind. Wir alle kennen das, wir alle sind immer wieder Opfer – und in der Duldung dieses Status zugleich auch ein wenig Täter. Dabei könnte es anders sein, dabei könnten wir mehr Respekt tief in das System integrieren und damit Veränderungen auslösen, die sich wesentlich auf den gemeinsamen Erfolg, die Qualität und die Zufriedenheit auswirken. 

Respekt bestimmt wie gut und tief Beziehungen und soziale Interaktion ausgestaltet sind. Wie so oft hängt dabei die Wirkung nach außen, von der Wahrnehmung nach innen ab. Der „äußere“ Respekt baut darauf auf, wie respektvoll wir mit uns selbst umgehen können, wie weit wir uns selbst respektieren, ernst nehmen und für unsere Bedürfnisse einstehen (können). Respekt ist Teil des Grundgerüsts unserer kulturellen Normen und unseres Werteverständnisses. Und ganz nebenbei hat Respekt auch immer mit Perspektivwechsel und Empathie zu tun.

Und Respekt braucht eine gute Balance. Immer wieder geht es um die Frage, wie viel Respekt, wann, wem gegenüber angebracht ist, wann wir offener, wann zurückhaltenden sein sollten. Wir brauchen eine gute, geschulte (Selbst)Wahrnehmung und Erfahrung, um schnell und sicher einschätzen zu können, welche Art des Umgangs miteinander in der Situation geeignet ist.

Das alles zusammen ist ein schwieriges, kultur-systemisches Thema, dass wir dennoch oftmals im Alltag gut meistern. Nur gerade da, wo wir oft viel Zeit miteinander verbringen, am Arbeitsplatz, klaffen noch immer große Lücken. 

Eine dieser Lücken ist beim Thema Diversität deutlich sichtbar. Wie viele alte (und neue) Gesetze und Verordnungen sind offensichtlich notwendig, um deutlich zu machen, dass Alter, sexuelle Identität, Abstammung, sozialer Hintergrund, Religion und die anderen 1000 Unterscheidungsmerkmale, die wir finden können, wenn wir wollen, NICHT von unserer unantastbaren Würde ablenken dürfen. Wie oft werden dennoch hier Grenzen überschritten in dem (un)bewussten Verständnis, dass Respekt nicht notwendig oder gar angebracht ist?!

Respekt entwickelt sich durch wahrgenommene Autorität, durch Aussagen, Handlungen und das ein- und aushalten von Konsequenzen. Sie drückt sich in Anerkennung und Wertschätzung aus.
Diese Autorität kann sich auf sehr verschiedene – und oftmals sehr persönlich motivierte – Arten begründet sein. Wen wir respektvoll betrachten und behandeln hängt viel mit unserer (unternehmens-)kulturellen Prägung und den Normen und Glaubensmodellen zusammen, die wir in uns tragen. Diese sind zugleich immer kontextabhängig, warum es wichtig ist, diese im Zusammenhang mit Unternehmen in Detail zu betrachten. So hat das hierarchische Gefälle, die fachliche oder die Führungskompetenz in manchen Unternehmen mehr Einfluss als in anderen. 

Eine persönliche, wie auch gemeinsame Reflexion der Auslöser für eine Erwartung von „Respekt“ ist daher für viele und in vielen Organisationen ein sehr hilfreiches Werkzeug, um auf der kulturellen Ebene miteinander voranzukommen.

Respect yourself

Auf der persönlichen Ebene kann man zum Beispiel den Respekt für sich selbst reflektieren, indem man betrachtet:

  • wie und wann es gelingt innerlich zur Ruhe zu kommen und diese Ruhe zu bewahren,
  • wann, und wie es gelingt die Dinge, die man aussprechen und kommunizieren möchte tatsächlich zu Ende zu bringen,
  • wie man seine eigenen Grenzen umgeht, wann man sich zurückzieht und wann man diese Grenzen ausweitet und sich aus der eigenen Komfortzone hinausbewegt.
  • wie richtig man mit bei Selbsteinschätzungen liegt, wie gut es gelingt, Vorhaben tatsächlich umzusetzen,
  • welche Stärken und Schwächen man besitzt und wie es gelingt mit diesen umzugehen,
  • wie oft und in welchen Zusammenhängen es gelingt klare, konkrete Aussagen zu treffen und Missverständnisse zu vermeiden.

Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen können helfen, sich selbst mehr Respekt entgegenzubringen und erlauben so auch in der Außenbeziehung eine klarere, natürliche Autorität aufzubauen. Zusätzlich lohnt in diesem Zusammenhang Antworten auf Fragen zu finden, wie etwa:

  • Wie ehrlich und ernsthaft werden meine Aussagen und Handlungen wahrgenommen? 
  • Wie verändert sich meine Körpersprache, Mimik und Ausdrucksweise, wenn ich mit anderen, analog oder digital, in Kontakt trete?
  • Wen lasse ich aussprechen, wem höre ich ausdauern zu, und bei wem gelingt mir das nicht?
  • Wann bin und bleibe ich aufmerksam, wann gelingt das nicht? Womit begründe ich diese Unterschiede?
  • Wie gut und wie schnell gelingt es mir Gefühle (eigene und fremde) zu erkennen? Wie reagiere ich darauf?
  • Wie konkret gelingt es mir eigene und fremde Bedürfnisse zu erkennen und darauf einzugehen?
  • Sind meine Anforderungen an mich selbst und andere realistisch? Wann sind sie es, wann nicht?  
  • Ist Respekt für mich ein Thema, das auf Gegenseitigkeit beruht oder bringe ich anderen mehr oder weniger Respekt entgegen als diese mir? Wie begründe ich etwaige Unterschiede? 
  • Wie gehe ich damit um, wenn mir jemand meinen Denk- und Handlungsraum beschneidet? Beschneide ich selbst den Freiraum anderen und warum?  

Respect beyond yourself

So manches Unternehmen leidet jedoch mehr darunter, dass Respektlosigkeiten folgenlos bleiben oder gar indirekt belohnt werden, als daran, dass es an Respekt grundsätzlich mangelt, im Gegenteil, manche Wahrnehmung von wohlgemeintem Respekt steht einer guten Zusammenarbeit sogar im Weg und behindert einen freien Fluss von Informationen, Wissen und Innovationsimpulsen. 

Dabei besitzen Unternehmen, die Respekt als ein Kernelement tief ihrem organisationalen Betriebssystem verankert haben, fast unschlagbare Vorteile in der Innen- und Außenwahrnehmung. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt, die Arbeits- und Ergebnisqualität verbessert sich, Entscheidungen können schneller getroffen und umgesetzt werden und auch das Employer Branding gewinnt. 

“Eines der größten Probleme in Unternehmen sind tief im operativen System verankerte Respektlosigkeiten. Sie kosten Zeit, Nerven und vor allem enorm viel Geld!”

Das alles gelingt (leichter), weil mehr von der gesamten Organisation getragener und vermittelter Respekt dazu führt, dass:

  • klarer mit einer deutlicher vernehmbaren Stimme gesprochen wird,
  • die Resilienz in der Organisation sichtbar und wahrnehmbar ansteigt,
  • die Verlässlichkeit, die Fairness und das Vertrauen in und auf die Organisation wachsen,
  • offenere Dialoge dazu führen, dass kritische Veränderungen schneller erkannt und/oder umgesetzt werden können. 

Um an diesen Punkt zu gelangen, lohnt es ein paar Grundegeln (neu) zu vereinbaren, wobei dies, wie bei allen verbindlichen Regeln gemeinsam getragen und getan werden sollte, aber insbesondere von „oben“ zu achten ist, dies nicht nur mitzutragen und vorzuleben, sondern auch, dass die vereinbarten (!) Konsequenzen eingehalten werden.    

Solche Prinzipien können sein:

  • die Unversehrtheit von Menschen und maximale mögliche Schonung von Ressourcen 
  • die umfassende Transparenz aller relevanten Informationen, Aufgaben und Rollen im Unternehmen 
  • Jeweils zeitnahe oder regelmäßige Dialoge bezüglich der Umsetzung von Konsequenzen bei Nichteinhaltung vereinbarter Regeln (durch eine intern und extern besetztes unabhängiges Gremium) 

Wichtig ist hier konkreter zu werden, als dies in einem recht allgemeinen Blogpost wie diesem möglich ist. Ebenso wichtig ist, mit möglichst wenigen, aber klaren und adaptierbaren Regeln zu arbeiten, die regelmäßig auf ihre Wirkung hin überprüft werden. 

Logischerweise müssen diese Regeln vorbehaltlos für alle, wirklich ohne Ausnahme ALLE, gelten. Und natürlich wird nicht alles einfach und glattlaufen. Daher ist ebenso logisch, dass der Umgang mit Fehlern, idealerweise ein Mechanismus für offenes, ehrliches Feedforward, zur Grundausstattung gehört. Auch das gehört dazu, wenn man den Versuch startet, im Unternehmen zu einem respektvollen Zusammenarbeiten, vielleicht sogar auf Augenhöhe zu kommen. 

Manche Unternehmen gehen auf diesem Weg sehr weit, wie das Beispiel von Bridgewater Associates zeigt. Der CEO dieses 1.500 Mitarbeiter starken Hedgefonds, einem der 10 größten der Welt, Ray Dalio setzt auf „radical transparency“ um zu einer kommunikativen Basis zu kommen, in der jeder, frei und offen, jedem anderen alles sagen kann. Es ist ein Konzept, dass sehr viel mehr verlangt, als einen respektvollen Umgang miteinander. Es setzt ein sehr hohes Maß an Reflektiertheit und Reflexionsbereitschaft bei allen Beteiligten voraus. Diese ist, meiner Erfahrung nach, extrem selten in dafür notwendigen Maß gegeben.

Fazit

Lohnt es diesen Weg zu gehen, auch wenn man ihn nicht in diesem Extrem gehen will und kann? 

Ein sinnvoll respektvoller Umgang hat immer eine enorm positive Wirkung auf die Zusammenarbeit im Unternehmen! Es ist ein Kulturelement, das man, nach meinem Dafürhalten, gar nicht tief genug in das organisationale Betriebssystem einbetten kann. Gelingt dies, und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, sofern man an den geeigneten Stellen ansetzt und dies „von oben“ aktiv und nachhaltig unterstützt, inklusive eines expliziten, vorbildhaften Handelns, verbessert sich der Zusammenhalt und das Betriebsklima in einem Maß, das seines Gleichen sucht. Aus meiner Sicht ein klares: Must have!  

Wie steht es um das organisationale Betriebssystem in Ihrem Unternehmen? Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit (wirklich)? Wie viel Respekt wird nach innen und außen tatsächlich gelebt? Die meisten Unternehmen lassen ca. 1/3 Ihres Leistungspotenzials ungenutzt, weil Probleme und Konflikte (in) der den Strukturen, der Kommunikation und der Zusammenarbeit die vollständige Nutzung der Potenziale verhindert. Jetzt, in einer Zeit des „new normal“ mehr denn je.
Testen Sie aus, wo sie mit ihrem Unternehmen stehen. Schreiben Sie mir und nutzen Sie die Möglichkeit einer kostenfreien Diagnostik.