Die stille Macht
KI im Unternehmen, für Geschäftsführungen.
Was KI in Unternehmen schon entscheidet, wer ihre Einstellungen festlegt und was davon bei der Geschäftsführung landet: Darum geht es in diesem Newsletter. Er richtet sich an Geschäftsführungen ab 100 Beschäftigten und erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf LinkedIn, im Wechsel mit „Bevor es darauf ankommt“.
Auf dieser Seite stehen alle Folgen mit Datum und mit den Quellen, auf die sie sich stützen. Jede Aussage ist vor dem Erscheinen an der Originalquelle geprüft. Was sich danach ändert, wird bei der jeweiligen Folge nachgetragen.
Unter „Weitere Hinweise“ stehen zu jeder Folge Stimmen, Studien und Bezüge, die nach dem Erscheinen dazugekommen sind oder im Text keinen Platz hatten. Bei jedem Eintrag steht, um welche Art Quelle es sich handelt. Bei Gesprächsquellen ist wiedergegeben, was gesagt wurde. Ob es stimmt, lässt sich dort meist nicht prüfen.
Begriffe, die in den Folgen vorkommen, erklärt das Glossar, jeweils mit ihrer Herkunft und dem, was sich gerade ändert.
Folgen
Folge 1 · 29. Oktober 2026
Wo KI in Ihrem Unternehmen schon arbeitet
Ein Test in zwei Runden, und warum die Projektliste dabei wenig hilft. Quellen · Auf LinkedIn lesen
Folge 0 · 15. Oktober 2026
Seit dem 1. Juli steckt in Ihrer Lizenz eine KI-Entscheidung
Was KI übernimmt, wenn wir einfach so weitermachen. Pilotfolge. Quellen · Weitere Hinweise · Auf LinkedIn lesen · Im Blog lesen
Nächste Folge am 12. November 2026: Welche Arten von KI es gibt, und was jede davon von der Geschäftsführung verlangt.
Quellen zu Folge 1
„Wo KI in Ihrem Unternehmen schon arbeitet“, 29. Oktober 2026. Belege geprüft am 20. und 21. Oktober 2026.
Drei Wege, und nur einer beginnt mit einem Projekt
Drei Schichten, in denen KI arbeitet: Guido Bosbach, „Wer prüft, zahlt“, Band 1 der Reihe Organisation unter KI, Kapitel 2 „Sehen Sie nach“.
Verborgene KI-Nutzung bei der Arbeit: KPMG und University of Melbourne, „Trust, attitudes and use of artificial intelligence: A global study 2025“. Weltweite Befragung von 48.340 Menschen. Mehr als die Hälfte der befragten Beschäftigten gibt an, die eigene KI-Nutzung bei der Arbeit zu verbergen.
Betriebsangaben als Untergrenze: Martin Friedrich, Christian Kagerl, IAB-Kurzbericht 8/2026 (PDF). Das IAB bezeichnet die Angaben der Betriebe zur KI-Nutzung ausdrücklich als Untergrenze.
Runde eins: fünf Minuten, aus dem Stand
Die erste Frage: aus „Wer prüft, zahlt“, Kapitel 2 „Sehen Sie nach“. Das Kapitel enthält einen durchgehenden Fall und Blatt 1, das Arbeitsblatt für die Bestandsaufnahme der zweiten Runde.
Runde zwei: vielleicht ein Nachmittag
98 Prozent: Die Zahl ist ein Rechenbeispiel, kein Messwert. Gemeint ist ein Vorschlag, von dem in der Praxis fast nie abgewichen wird.
Die Aufgabe zu dieser Folge als Mail: Woche 1 im kostenlosen Mailkurs „Die stille Macht · Der Kurs“, zehn Wochen, jede Woche eine Aufgabe für das eigene Unternehmen.
Quellen zu Folge 0
„Seit dem 1. Juli steckt in Ihrer Lizenz eine KI-Entscheidung“, 15. Oktober 2026. Belege geprüft am 13. Oktober 2026.
Lizenz und Pakete
Microsoft 365, Preise und Funktionen ab 1. Juli 2026: Ankündigung vom 4. Dezember 2025, Preistabelle in den Microsoft Licensing News. Die Dollarbeträge dort sind US-Listenpreise. Die Euro-Preise für Deutschland stehen auf der deutschen Microsoft-Seite.
Google Workspace, Gemini in den Business- und Enterprise-Plänen: Google-Workspace-Blog, 15. Januar 2025.
SAP Joule in der Grundversion: SAP Business AI, Pakete und Preise.
Verbreitung in deutschen Betrieben: Martin Friedrich, Christian Kagerl, IAB-Kurzbericht 8/2026 (PDF). Rund ein Viertel der Betriebe nutzt generative KI, neun von zehn davon allgemein zugängliche Lösungen, gut jeder fünfte hat interne Regeln.
Sorgfaltspflicht der Geschäftsleitung: § 43 GmbHG, § 93 AktG.
Was auf dem Tisch liegt
KI-Zusammenfassungen verschieben die Rahmung: Alessa u. a., „Quantifying Cognitive Bias Induction in LLM-Generated Content“, IJCNLP-AACL 2025, arXiv 2507.03194, ACL Anthology. Experiment mit 70 Teilnehmenden und einer hypothetischen Wahl: 84 Prozent nach der KI-Zusammenfassung, 52 Prozent nach den Originalbewertungen.
Faktische Vorentscheidung: Guido Bosbach, „Wer prüft, zahlt“, Band 1 der Reihe Organisation unter KI.
Warum es niemand merkt
Endoskopie ohne KI nach drei Monaten mit KI: Budzyń u. a., Lancet Gastroenterology & Hepatology 2025;10(10):896–903, PubMed 40816301. Retrospektive Beobachtungsstudie in vier polnischen Zentren.
Mensch und KI bei Entscheidungen: Vaccaro, Almaatouq, Malone, Nature Human Behaviour 8 (2024), 2293–2303, Volltext bei PubMed Central. Metaanalyse von 106 Experimenten.
Weniger Einstellungen junger Beschäftigter in den USA: Stanford Digital Economy Lab, „Canaries in the Coal Mine?“, Paper, Fassung vom 12. August 2026, Begleittext. Die Autoren beschreiben Muster und führen keinen Kausalnachweis.
Wer einstellt, regiert mit
Rücknahme des GPT-4o-Updates: OpenAI, Mitteilung vom 29. April 2025, Nachtrag vom 2. Mai 2025.
Rangfolge der Regeln in der Modellspezifikation: OpenAI Model Spec, Fassung vom 18. August 2026.
Wo das Recht nicht hinsieht
Ausnahme für vorbereitende Aufgaben: Art. 6 Abs. 3 der KI-Verordnung, VO (EU) 2024/1689.
Verschiebung der Hochrisiko-Pflichten: VO (EU) 2026/1744 (Digital-Omnibus zur KI), ABl. L vom 24. Juli 2026. Für Anhang III, darunter Beschäftigung und Personal, gelten die Pflichten ab 2. Dezember 2027.
Private KI-Konten und Mitbestimmung: ArbG Hamburg, Beschluss vom 16. Januar 2024, 24 BVGa 1/24, Landesrecht Hamburg. Eilverfahren, erste Instanz.
Versicherer: Financial Times, April 2026 (hinter der Bezahlschranke), hier in der Wiedergabe von Life Insurance International vom 23. April 2026. US-Musterklauseln CG 40 47 und CG 40 48 (Januar 2026): Independent Insurance Agents & Brokers of America, 21. Oktober 2025.
Dezember 2028
Kein Produktivitätseffekt laut Selbstauskunft: Yotzov, Barrero, Bloom u. a., „Firm Data on AI“, NBER Working Paper 34836 (PDF), 2026. Befragung von knapp 6.000 Führungskräften, nicht begutachtet.
Weitere Hinweise zu Folge 0
Ergänzungen nach dem Erscheinen. Stand 20. Oktober 2026.
Stimmen aus der Praxis
KI kommt mit der Software, nicht mit dem Projekt (Gesprächsquelle): Im englischsprachigen Podcast „AI and the Executive Table“ (Folge „Compliance by Design“, 7. Juli 2026) sieht die Governance- und Compliance-Expertin Naureen das größte Risiko bei KI, die still als neue Funktion in längst eingeführte Unternehmenssoftware einzieht. Ihr Rat: die Anbieter in den regelmäßigen Lieferantengesprächen nach ihren KI-Plänen fragen. Das ist die Frage, die in der Folge die Lizenzverlängerung stellt. Podcast bei Acast.
Wie Vertrauen in KI schleichend wächst (Gesprächsquelle): In der Folge „AI Risk Management“ desselben Podcasts (14. Juli 2026) beschreibt Naureen drei Phasen. Am Anfang prüfen Nutzer skeptisch, dann übertrifft das Werkzeug ihre Erwartungen, danach fragen sie weniger und übersehen Fehler. Ein Mensch im Ablauf, der annimmt, die KI habe recht, sei keine wirksame Kontrolle. Das passt zum Abschnitt „Warum es niemand merkt“.
Warum Einsparungen unsichtbar bleiben (Gesprächsquelle): Die frühere CTO Kenza Ait Si Abbou, die heute mit ihrer Firma Scailers Unternehmen beim Skalieren von KI berät, berichtet in der Folge „The AI Operating Model“ (9. Juni 2026), dass Bereichsleiter ihr nie bestätigt hätten, was ein KI-Anwendungsfall eingespart hat. Wer Einsparungen ausweist, dem werden sie im nächsten Jahr aus dem Budget gestrichen. Für die Befunde im Abschnitt „Dezember 2028“ ist das eine mögliche zusätzliche Erklärung: Ein Teil der Wirkung taucht in den Zahlen nicht auf, weil niemand ein Interesse hat, sie zu melden.
Nachträge
Bisher keine. Ändert sich eine Angabe aus der Folge, steht die Änderung hier mit Datum.
Wer die Ausgaben von „Bevor es darauf ankommt“ ein paar Tage früher per Mail lesen will: hier mitlesen.