Die Diskussion um die 4-Tage-Woche deckt derzeit unweigerlich einige der fatal falschen und doch prägendsten Paradigmen der Arbeitswelt auf. Die einfache Formel lautet für viele noch immer Arbeitszeit = Leistung. Dabei scheint es egal zu sein, ob Zeit oder Ideen, ob Aufwand oder Lösungskompetenz, ob Verfügbarkeit oder Fähigkeiten die für der Erfolg entscheidenden Kriterien sind.

In den meisten Arbeitsbereichen, für die meisten Beschäftigten gilt weiterhin: Arbeitszeit ist nicht gleich Leistung. Bei den meisten Aufgabenstellungen hängt die Menge der erbrachten Leistung nur zu einem kleinen Teil von der damit verbrachten Zeit ab. Die direkte Korrelation zwischen Zeit und Ergebnis gilt für immer weniger Arbeitsverhältnisse. Und doch lassen wir uns noch immer daran messen. In fast allen Bereichen.
Zugleich sticht ins Auge, wie systemisch und systematisch leichtfertig wir mit Arbeitszeit umgehen.
Wie bei anderen Ressourcen, außer Geld, verschwenden wir sie, werfen sie mit vollen Händen zum Fenster heraus.
Den Verbrauch nachwachsenden Ressourcen messen wir, wir erkennen, dass wir weit über unsere Verhältnisse leben. Der ‚German Overshoot Day‘ war in diesem Jahr am 4. Mai. Seitdem nutzen wir Ressourcen, die wir strenggenommen, anderen wegnehmen.
Die Verschwendung, den Zu-Viel-Mehrverbrauch von Zeit messen wir nicht. Wir nehmen sie einfach hin. Dabei kostet sie nicht nur Leben(szeit), sondern in der Arbeitswelt auch, was uns dort offenbar viel wichtiger erscheint: Geld. Aber komischerweise ist uns an dieser Stelle Geld auf einmal egal.