>>> Impuls <<<
Keine Frage, fĂŒr viele ist gerade Urlaubszeit. Wer kann, verlĂ€sst die heimischen Gefilde, um sich, fern ab vom heimischen und beruflichen Trubel, zu erholen. FĂŒr manche bedeutet dies Ruhe und Entspannung, fĂŒr andere Abenteuer und Entdeckungen. Oft bedeutet es, sich mit anderen Menschen, anderen Kulturen, anderen Gepflogenheiten auseinanderzusetzen. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die zunĂ€chst irritieren (wie hier im SĂŒden Englands, wo wir an unserem Ferienhaus die Klinke der HaustĂŒr hochziehen mĂŒssen, um den SchlĂŒssel drehen und die TĂŒre abzuschlieĂen zu können), manchmal sind es gröĂere Dinge wie andere Sprachen, Speisen und Rituale.
Wir sind durch die Menschenbilder geprÀgt, die wir im Laufe unserer Entwicklung, im positiven, wie im negativen, kennengelernt haben. Wir sind Kinder unserer Erfahrungen und Entdeckungen, unserer Sozialisierung und PrÀgungen. Diese Bilder helfen uns, uns schnell zurechtzufinden und entspannen uns, wenn sie zu unserer Erwartung passen. Es entlastet unser Gehirn, wenn wir auf bekannte Muster treffen. Es irritiert, wenn Àhnlich Muster anderes Verhalten erfordern, z.B. auf der linken Seite zu fahren.

Mein letzter Blogartikel â
Disziplinarische FĂŒhrung - alternativlos oder Auslaufmodell ?â hat wohl ebenso erwartetes getroffen und neues aufgezeigt, wie er auch irritiert hat. Der Hinweis darauf, dass rein disziplinarische FĂŒhrung (mindestens) in vielen Bereichen ein Auslaufmodell ist und das soziale Miteinander zunehmend in den Fokus rĂŒckt, hat viel Zustimmung geerntet, aber genauso wurde in Kommentaren darauf bestanden, dass Disziplin eingefordert werden muss, auf die ordnende Hand hier nicht verzichtet werden kann.
Die Kommentare, Likes und Shares zeigen: Jeder Jeck ist anders. Er zeigt aber auch: So manche wĂŒnschen dennoch, dass bitte alle so sind wie âwirâ. Klare Struktur, klare Rangordnung, klare Weisungsbefugnis. Keine Abweichung von der Norm (okay, ich ĂŒbertreibe wahrscheinlich gerade ein wenig, oder nicht?!).
NatĂŒrlich stellt sich in groĂen (und kleinen) Organisationen die Frage: Wie gehen wir mit den disziplinierten und den undisziplinierten um? Wen wollen und brauchen wir in der Orga, wer hilft die Ziele zu erreichen, wer stört? Wen sollten wir unterstĂŒtzen, wen in seinem Tun beschrĂ€nken. Kurz: Welche FĂŒhrung brauchen wir?
Die klassische (und âkölscheâ) Antwort darauf ist: âEtt kĂŒtt drupp ahn (Es kommt drauf an)!â Und auch wenn man an âEtt hĂ€tt noch immer johlt jejangeâ (Es ist noch immer gut gegangen) glauben könnte: die Zeiten Ă€ndern sich und AnpassungsfĂ€higkeit und Vielfalt auszuhalten lohnt sich mehr denn je. Mit Blick auf die Vielfalt im Unternehmen bedeutet das, dass wir die Frage nach der FĂŒhrung aus einer anderen Perspektive betrachten mĂŒssen: Was braucht das Unternehmen, damit die Menschen darin die Ziele bestmöglich erreichen können?
Und diese Antwort fĂ€llt dann vergleichsweise leicht. Die allermeisten Unternehmen brauchen die richtigen Menschen in den richtigen Rollen an den richtigen Stellen. Menschen, die sich in den Rollen, an den (Arbeits)stellen, zufrieden fĂŒhlen, sich wiederfinden und sich einbringen wollen. Sie brauchen den Rahmen, der zu ihnen passt, nicht den Rahmen, den anderen fĂŒr sich (oder sie) in dieser Rolle, an dieser Stelle, fĂŒr passend erachten. Sie brauchen (damit) FĂŒhrung, die auf sie eingeht, die (auch wieder) individuell zu ihnen passt. Manche brauchen klare Aufgaben, andere nur die Idee eines Ergebnisses. Manche brauchen jemanden, der sie kontrolliert, um das GefĂŒhl zu haben, das richtige getan zu haben, andere brauchen Feedback, dass ihnen sagt, ob sie noch in der halbwegs richtigen Richtung unterwegs sind. Manche brauchen eine Person, die sie fĂŒhrt, andere brauchen eine Gruppe. Ett iss halt jeder Jeck anders.
Die Gefahr ist, wie immer, wenn wir mit unseren eigenen, eindimensionalen Menschenbildern auf andere treffen, dass wir das eigene Menschenbild ins Zentrum unseres FĂŒhrungsstils stellen, statt so zu fĂŒhren, wie es die gefĂŒhrte Person braucht, um weiterhin zufrieden, gefordert, in Ruhe gelassen, im GefĂŒhl der Sicherheit, dem der Weiterentwicklung, dem des Flows, dem der Herausforderung und Entspannung zu sein.
(Kern-)FĂŒhrungsaufgabe ist, soviel Selbstaufgabe umzusetzen, dass die UnterstĂŒtzung des Einzelnen und der Gruppe dazu fĂŒhrt, dass diese(r) optimale (zusammen) arbeiten können. Es bedeutet soviel Weg zu bereiten, dass die Menschen, um die es geht, diesen, mit all den Chancen, Beziehungen, Verbindungen, und Netzwerken, mit Klarheit und Sicherheit gehen können, ohne ihnen mit den eigenen Anforderungen und Erwartungen den Weg zu blockieren. Dazu muss man sich nicht verbiegen, es geht nicht darum, um jeden Preis zu dienen und alles zu tolerieren. Es geht darum, erwachsene Menschen als solche zu erkennen, zu behandeln und gemeinsam GroĂes zu erreichen. Es geht darum zu tolerieren, dass wir auf diesem Planeten ĂŒber 7,5 Milliarden Individuen sind.
Es hilft dabei enorm sich selbst zu (er)kennen. Man sollte sich auf die Ideen, die Andersartigkeit, die Rituale, die Sprache, die Impulse einlassen können. Man sollte sie mit Neugierde beobachten, versuchen sie zu verstehen, sie ausprobieren. Man sollte fĂŒhren, wie man eine neue Kultur kennenlernt. Vorsichtig hineintastend, beobachtend, hinterfragend, offen, einfĂŒhlsam und vor allem achtsam und bewusst. Dann kann auch FĂŒhrung immer mehr zu einem Urlaub mit sicherer Entspannung und immer wieder neuen, positiven Erlebnissen werden.