So – da ist mit vielen anderen modernen Hypethemen nun auch die Frage der Zukunft der Beratung in Form von „#beyondconsulting“in der „teil-öffentlichen“ Diskussion.
 
Da wo seit tausenden von Jahren, sicherlich nicht erst beginnend mit dem alten Mentor, die einen schon immer den anderen mit Rat und Tat zur Seite standen, steht nun die Frage im Raum: Wohin und wie geht es weiter?
 
Winfried Felser gab den Impuls möglichst vielfältige Meinungen und Perspektiven dazu in der Blogparade #beyondconsulting einzusammeln. Ein Impuls der mich zur Reflexion meines eigenen Tuns und „(m)einer“ Zukunft angeregt hat. Das Ergebnis möchte ich hier mit Ihnen teilen.
 

Im Ego gefangen? 

Was schreibt man als Berater/Mentor in so einer Blogparade? Beschreibt man schöne Utopien oder den eigenen (vielleicht) vergleichsweise fortschrittlichen Alltag? Betreibt man Kollegenmobbing, lästert man über „Old School“ Beratungen ab, über die großen Supertanker oder schreibt man (s)ein Marketingessay?
 
Im (Selbst-)Verständnis an spannenden neuen Management-, Organisations-, Führungsthemen zu arbeiten und auch mit (m)einem Arbeitsstil, der zumindest in Teilen eher „leading edge” zu sein scheint, fällt mir dazu tatsächlich nichts Besseres ein, als Ihnen Einblick und Ausblick zu geben, wie ich heute arbeite und in Zukunft weiter arbeiten möchte.
 
Und – das sei vorausgeschickt – bei all den Möglichkeiten, wie Unternehmen und Menschen sich selbst informieren, selbst ihre Entwicklung vorantreiben, immer mehr auf Selbstorganisation setzten und sie betreiben, glaube ich, dass es weiterhin Berater und Mentoren geben wird – und sei es nur, um eine regelmäßige Reflexion von außen zu ermöglichen.
 
Ich starte mit dem “Warum”. Warum arbeite ich (anders)? Warum arbeite ich an einer Breite von Themen statt mich zu fokussieren? Warum sind mit die Menschen so wichtig?
 
Was ich “von Hause aus mitbringe” ist die Mischung von Begeisterung für das Zusammenwirken von Menschen, für neueste Technik und für tiefgehende Analysen. Ich mag es die Dinge und die Menschen in Tiefe zu verstehen. Das hilft mir dabei zu ergründen, warum Dinge zwar gleich aussehen, aber auf ganz anderen Gegebenheiten beruhen (können). Es hilft mir bei vielen Themen ausreichend fundiert mitreden zu können und bei Bedarf zu wissen, wer weiterhelfen kann.
 
Das ist der Grund, warum ich mich mit so großen Themen wie Management- und Geschäftsmodellen, mit Organisationsstrukturen, mit Führung und Zusammenarbeit befasse und zugleich im Detail und in den Auswirkungen dieser Konstrukte denke.
 
Was ich auch mitbringe, ist eine gute Portion (Selbst-)Reflexionsfähigkeit, zu der man manchmal durch Erkenntnis und häufiger durch Traumata gelangt – bei mir war letzteres der Auslöser. Das ist zugleich einer der Gründe, warum ich ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Begrenztheit von Lebenszeit entwickelt habe, was wahrscheinlich manche übertrieben finden, andererseits aber auch im Ergebnis positiv wirkt, weil es den Fokus der Aufmerksamkeit auch immer wieder darauf richtet, wie man sinnentleerte Aufgaben und die zerronnenen Minuten und Stunden vielleicht für wertvollere und werthaltigere Erfahrungen und Begegnungen nutzen kann.
 
Diese Basis aus Persönlichkeit, Charakter, Erkenntnissen, Erfahrungen und Kompetenzen wird – ganz unabhängig von mir – den Beratungsteil, den Menschen weiterhin erbringen, auch in der Zukunft prägen. Schließlich ist sie ist die Basis für die notwendige zwischenmenschliche Kommunikation und die Anknüpfungspunkte auf dem Weg jeder Entwicklung.

Wie das „Warum“ Arbeit gestaltet

Mir geht es bei “meinem #beyondconsulting“ darum für möglichst viele das Arbeits-Leben leichter und erfolgreicher zu gestalten. Darum teile ich meiner Erfahrungen und meine Erkenntnisse so, wie ich diese Reflexion teile. Darum versuche ich das ganze „moderne Zeugs“ so zu erklären, dass es vom jeweiligen gegenüber verstanden wird, ohne mich hinter Buzzwords zu verstecken. Das – diese Grundzüge von „Content Sharing“ und „Working out Loud“, um Wissen breit verfügbar zu machen – ist ein Teil davon, die einstigen Ketten von (Lehre und Wissen-)Beratung zu sprengen. Und zugleich hilft es mir, indem ich mir so selbst Inhalte vertrauter mach, um weiter „vorne dran“ zu bleiben. Denn – auch das ist eine bittere Wahrheit von dem eigenen Wunsch „vorne dabei zu sein“ – nur selten sind Kunden in Ihrer eigenen Entwicklung so weit, dass sie dieses spezielle Wissen von sich aus an- und abfragen.
 
Was gerade für Selbstständige Mentoren, Berater und Coaches wie mich ein Thema im #beyondconstlting ist, und woran sich auch Kunden zum Teil erst gewöhnen müssen, ist die intensive Vernetzung mit Kollegen, Wissenschaftlern und Quer- und Weiterdenkern – regional, national und global. Wer hochqualitative Unterstützung anbieten will, kann (und muss damit auch) immer mehr den „Content“, das geteilte Wissen anderer nutzen und tut gut daran, diese anderen, die „besseren“ in die eigenen Projekte an der richtigen Stelle einzubringen, um die Ergebnisqualität positiv zu beeinflussen. Ganz nebenbei lässt sich so selbst mehr Detail und Tiefe lernen. Die Angst dem Kunden damit zu vermitteln, dass man selbst keine ausreichenden Fähigkeiten besitzt, erweist sich IMHO als zunehmend kontraproduktiv.
 
Damit ist das „IMHO“ („in my humble opinion“ = „in meiner bescheidenen Meinung“) eingeflossen. Bescheidenheit und Demut sind weitere Teile des #beyondconsulting. Die zunehmende Geschwindigkeit von neue entstehendem Wissen und Ideen, alleine durch mehr Menschen und mehr Vernetzung, sollten jedem klar machen, dass die eigene Meinung, das eigenen Denken eben nicht unbedingt die ultima ratio sein muss. Auch das ein Punkt, warum Netzwerke und vernetztes Wissen immer mehr an Wert gewinnen.

Neue Geschäftsmodelle

In den letzten Jahren haben viele neue, vor allem technologiegetriebene Geschäftsmodelle das Licht der Welt erblickt. War Beratung bis dato ein Dienstleistungsgeschäft, so erwarte ich auch hier Veränderung. In der digitalen Welt sind derzeit zwei weitere grundlegende Geschäftstypen zu finden, die „Technologieentwickler“ und die „Plattformbetreiber“. Consulting hat gute Chancen in Zukunft in beiden Segmenten zu punkten. Zum einen als „Soft Technology Creator“, d.h. als Entwickler von organisationsindividuellen Konzepten und Lösungen für alles was in Unternehmen mit Menschen zu tun hat, und zum anderen als Plattform Betreiber von multidisziplinären, globalen Experten-, Querdenker- und Generalistennetzwerken, die nicht nur die eigenen Kompetenzen und Einsatzfähigkeiten erweitern, sondern auch erlauben Unternehmen ad hoc und agil die bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Kluge und ausreichend große Unternehmen werden hier ihre eigenen Netzwerke aufbauen (wenn Sie mich fragen, eine der zukünftigen Rollen von HR), aber KMUs werden hier auch als externe Unterstützer zurückgreifen wollen.
 
Spannend ist, dass gerade solche sehr breiten Netzwerke klare Leitplanken und Statuten brauchen. Ein Thema, an dessen Lösung ich mich im Rahmen (m)einer Netzwerkneugründung versuche, wobei die hier genutzten Statuten gerade in zwei anderen Netzwerken als Grundlage für ihre Zusammenarbeit adaptiert werden. Wenn Sie Interesse haben schauen Sie doch selbst mal da hinein.
 
Innovation in der Beratung kann und wird aber auch noch aus anderen Ecken kommen, aus Wertverträgen (einer Art Erfolgshonorar), aus Beratungs-Flatrates, natürlich aus mehr online und weniger on-site und aus vielen anderen (mehr oder weniger) innovativen Ansätzen. Dies alles senkt die Kosten, macht Beratung attraktiver, schneller und vor allem auch leistungsfähiger.
 
Das bedeutet (allerdings) auch einen Paradigmenwechsel bei Kunden und einigen etablieren Beratern. Ein Wechsel von der Idee der direkten Kontrolle der Beratungsleistung, weil sie vor Ort und zu Tagespreisen erbracht wurde, hin zur Entlohnung der Wirkung. Mit der aktuellen Entwicklung der Management- und Geschäftsmodelle in diese Richtung, werden „wir“ uns auch dahin bewegen (müssen).
 
Das wiederum wirft die Frage auf, wie Beratung in Zukunft und jenseits der eingelaufenen Pfade agieren und wirken kann. Der Erfolg erster „Anti-Berater“ zeigt, dass der Weg (zumindest zum Teil) dahin geht, sich zunehmend als Begleiter, als Katalysator und ggf. als Navigator einzubringen. Als externer Beobachter, Perspektivenaufzeiger und Beschleuniger interner, organisationaler und individueller Entwicklungen. Als diejenigen, die ihre Aufgabe nicht (nur) darin sehen dem Kunden kurzfristig unter die Arme zu greifen, sondern in der Logik eines achtsamen Schamanen die Kunden zur Selbstentwicklung zu befähigen, sie zu begleiten und zu stärken.
 
Übertragen auf unser Gesundheitssystem würde dies bedeuten, dass sie um sich herum eine Umwelt schaffen, die gesund erhält, statt darauf zu warten, Krankheiten zu heilen. Eine Idee, die die Mayo Clinic in den USA oder auch Buurtzorg in den Niederlanden (zumindest in Teilen) unterstützen und diese Unternehmen und ihre Umfelder erfolgreich gesund halten.
 
Zu gesunden Unternehmen mit gesunden, zufriedenen oder gar begeisterten Menschen gehört ein weiteres Thema, das, wie ich hoffe und glaube, an Bedeutung gewinnen wird: Nachhaltigkeit! Nachhaltigkeit in den drei wesentlichen Komponenten ökonomisch, sozial und ökologisch. Arbeit an und in Unternehmen wird zunehmend Einfluss darauf nehmen (müssen), welchen gesellschaftlichen und ökologischen Footprint dieses Unternehmen hinterlässt (vom vorausgesetzten ökonomischen Erfolg abgesehen). Hier hat sich und wird sich weiter ein interessantes Betätigungsfeld für Unternehmensunterstützung auftun.

Was zeichnet die #beyondconsulting Welt aus?

Die #bexondconsultinig Welt wird ohne Frage vielfältig, mindestens so vielfältig wie die Anforderungen der Kunden – und vielleicht darüber hinaus. Sie wird ihre Vielfältigkeit den modernen Hofnarren, den Querdenkern, der Generalisten und Nerds verdanken. Sie wird Selbstorganisation leben und vermitteln. Sie wird immer mehr Spiegel sein, für die Unternehmen die ihre Entwicklung aus sich selber heraus gehen und sie wird ganzheitlich systemverständig andere auf diesen Weg bringen. Sie wird Multiperspektivität mitbringen, sie wird sich nach außen öffnen, um miteinander und voneinander zu lernen und um so für die eigenen Kunden immer besser zu werden. Sie wird natürlich weiterhin die Wertschöpfung im Blick haben, aber die Wertschätzung und den Wertbeitrag sichtbarer machen, um Menschen zu mehr Zufriedenheit im Arbeits-Leben und damit mehr Engagement zu ermöglichen.
 
Sie wird sich zu diesem Zweck intensiver vernetzen, mehr austauschen, mehr in die online-Distanz gehen und viel näher dran sein, an dem, was gerade im Unternehmen passiert. Sie wird langfristig begleiten, um kurzfristig optimal unterstützen zu können.

Nur – sie wird mit den „alten Kunden“ nicht wirklich gut funktionieren!

Die Veränderungen der Unternehmens- und Beratungsumwelt wird manche verwirren (so wie Agilität und das damit raumgreifende Management- und Führungsmodell manche verwirrt). Damit #beyondconsulting beim Kunden wirklich ankommen kann, müssen die „neuen Beratungen“ den (teils weiten) Weg auf sich nehmen, die Unternehmen da abzuholen, wo sie natürlicherweise heute noch stehen. Nur – diese müssen sich auch aus den alten Paradiesen abholen lassen wollen. Sie müssen bereit sein, die Möglichkeiten zu erkennen, die Chancen auszuprobieren und vielleicht die eine oder andere davon zu nutzen. Sie müssen sich selbst den Raum für Experimente zugestehen. Ohne das fehlt der Anknüpfungspunkt – nicht der, der Berater, sondern der, der Zukunft.
 
Bei allem was an neuem auf uns zukommt. Meine feste Überzeugung ist, dass #beyondAllem immer der Mensch, sein Leben, seine Zufriedenheit und die nachhaltige Sicherung unserer Existenzgrundlage die Basis von guter Beratung sein und bleiben sollte.
 
Und, wo stehen Sie?

  • Können Sie sich heute schon vorstellen mit einem Berater von morgen zu arbeiten?
  • Haben Sie schon Erfahrungen gesammelt?
  • Was sind ihre Kriterien für gute Beratung heute – und morgen?
  • Was ist Ihre Erwartung an Beratung in der Zukunft?

 
Ich freue mich, wenn Sie sich die Zeit nehmen, ihre Erwartungen und Ihre Perspektive hier in den Kommentaren zu teilen, ihre Erkenntnisse teilen, damit andere (auch die Berater) daraus lernen können.
 
Ebenso freue ich mich, wenn Sie diesen Beitrag empfehlen und teilen, um ein breites Bild weiterer Erfahrungen und Erwartungen zusammenzutragen.