14.03.16 | Allgemein, Blog |
Ich bin kein politischer Mensch.
Ich bin ein Mensch, der von sich behauptet immer auch das große Bild im Blick zu haben.
In meiner Wahrnehmung hat sich das große Bild – dass für viele bei den (13.03.2016) Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt aus dem Rahmen gefallen ist – nicht wirklich verändert. Jedoch hatten gestern diejenigen, die maximalen Frust empfinden, die die sich nicht mehr mitgenommen und schon gar nicht abgeholt fühlen, eine Gelegenheit und einen Fokuspunkt, um sich Luft zu machen. Sie haben sich eine Stimme gesucht und sie gefunden – und dabei vielleicht oftmals auch in Kauf genommen, dass die Stimme nur teilweise auf ihrer Wellenlänge ist. Aber sie konnten sich sicher sein, dass diese Stimme laut ist und gehört wird.
Das war der politische Teil des gestrigen Tages.
Jetzt frage ich mich, wieviele Menschen gehen heute wieder zur Arbeit und erleben dort den gleichen Frust, das gleiche nicht gehört und nicht ernstgenommen werden?
Ich fürchte, das sind viele, viel zu viele!
Dieser Frust erzeugt im Job dieselbe Verweigerung und den selben Protest, wie er sich gestern entladen hat. Der Unterscheid ist, dass der Frust keinen Fokuspunkt einer Wahl und einer Partei besitzt. Er ist schleichend, täglich, und damit mindestens genauso zermürbend.
Dabei gibt es hier viele Möglichkeiten dies zu verändern. Viele dieser Wege, die Frust abbauen, die Selbstwirksamkeit erzeugen, die Zufriedenheit zurück an den Arbeitsplatz bringen, umreißen wir mit Begriffen wie „new work“ oder „Arbeiten 4.0“. Es sind die kleinen Veränderungen, die den Menschen wieder Raum geben, die ihren Wert und Selbstwert anerkennen und erhöhen. Die es ihnen ermöglichen Sichtbarkeit zu erlangen. Die die Ventile für Frust und heftigen Protest überflüssig werden lassen.
Dabei ist „new work“ nicht unbedingt nur Unternehmensdemokratie, auch wenn dies ein Ziel sein kann. Es ist mehr, es ist gelebte Menschlichkeit, Raum für Verantwortung, Wissen um die Bedeutung des eigenen Tuns und der Bedeutsamkeit für die anderen, die im gleichen Unternehmen am gleichen Ziel arbeiten.
Mit der Verantwortung die new work Menschen in ihrer Arbeitssituation zurückgibt gibt new work ihnen auch Verantwortung für sich selbst. Mit der Stimme und den Ohren die ihnen zuhören gibt new work ihnen Sicherheit statt ihre Unsicherheit auszunutzen.
Und – was Menschen als Mitarbeiter erleben, tragen sie auch in die Gesellschaft in der sie leben.
New work ist dabei sicher nicht die ultima ratio – die Lösung aller Probleme. Aber es ist ein Ansatz der im Kontext der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, die wir alle tragen, betrachtet und durchdacht werden sollte.
14.03.16 | Allgemein, Blog |
Der 3. Teil meiner „keine Energie zum beamen“ Trilogie.
Wie kann man so etwas gestalten?
Erlauben Sie mir einen kurzen Ausflug in die Natur und lassen Sie uns einen Baum betrachten.
Ich verwende den Baum gerne als Metapher für ein im Markt etabliertes Unternehmen.
Sofern der Boden keine allzu großen Probleme mit sich bringt, verankert sich der Baum mit seinen Wurzeln fest im Boden, manchmal sogar auf fast nacktem Fels. Sein Stamm und das Blattwerk sind der Umwelt ausgesetzt und reagieren und interagieren intensiv in dem Maß mit dieser Umwelt, wie seine Struktur es ihm erlaubt.
Wenn man sich für die dauerhafte Leistungsfähigkeit des Baumes interessiert, sei es im Wachstum oder später in einer späteren Lebensphase, kann man aus zwei Richtungen (gemäß dem Inner Game von Tim Gallwey: Potenzial und Störungen) und auf drei Ebenen (Boden & Wurzelwerk, Stamm und Geäst, Blattwerk) an dieser Leistungsfähigkeit arbeiten.

Dem aussenstehenden Betrachter verborgen ist dabei meist der Zustand des Bodens und der Wurzeln. Dabei ist genau das extrem wichtig, denn hier findet die für den Baum wesentliche Versorgung mit Wasser und Nährstoffen statt. Übertragen auf Organisationen geht es hier um die vielen (fast) unsichtbaren Bestandteile, die „Soft Facts“. So sind etwa Vertrauen, Verbundenheit, Offenheit im Umgang miteinander, Respekt, aber auch eine klare gemeinsame Vision (sozusagen als DNA-gebender Samenkern), aber auch Werte und die Kultur Bestandteile dessen, was später den Rest des Baumes trägt und stützt. Hier geht es im Lalouxschen Sinne um den Rahmen des Self-Management und den „evolutionary purpose“.
Störungen auf dieser Ebene führen dazu, dass Lücken entstehen, die die Standfestigkeit und damit die Agilität verringern. In einem Sturm, der den Stamm und die Baumkrone biegt, verliert dieser den Halt und kippt mitsamt Wurzelwerk um. Der Baum, die Organisation sind zerstört und liegen buchstäblich am Boden. Die Folgen sind fatal.
Es geht also im ersten Schritt darum hier Störungen wie Misstrauen, mangelnden Austausch über wesentliche Elemente der gemeinsamen Arbeit, schwelende Konflikte, Einschränkungen bei der internen und externen Kooperation etc. zu identifizieren und zu beheben. Auch wenn viele Top-Manager hier ein gutes Bauchgefühl haben, so findet zu selten ein klarer Austausch darüber statt. Eine klare Visualisierung ist daher hilfreich, gute Tools dafür aber selten. Hier ist die genannte AgilityINsights Diagnostik das beste mir bekannte Werkzeug, dass insbesondere der Geschäftsführung Raum und Gelegenheit für die angesprochene Selbstreflexion gibt. Gleichzeitig vermeidet das Diagnostische Mentoring innerhalb dieses Prozesses in Beratermanier gleich Lösungsoptionen zu präsentieren. Die Diagnose gewinnt dadurch deutlich an Wirksamkeit, Tiefe während der Gestaltungsraum der Geschäftsführung erhalten bleibt.
Übertragen auf die (in den ersten beiden Teilen angesprochene) Enterprise kann nach der Störungsidentifikation begonnen werden, die Energieversorgung zu reparieren oder, je nach Umfang der festgestellten Hemmnisse, gleich im laufenden Betrieb neue Schaltkreise zu implementieren. Auch wenn dies meist die Unterstützung durch einen qualifizierte Diagnose- und Reparaturtrupp erfordert – der moderne Scotty ist auf sich allein gestellt, so zeigt es die Erfahrung, auf eine solche schnelle tiefe Störfeldidentifikation nicht ausgerichtet – lohnt der Aufwand.
Wie schwerwiegend die Störungen in der Energieversorgung sein können, zeigen die Analysen von Prof. Dr. Heike Bruch mit ihrem Team. Im Kontext ihrer Befragungen zur Organisationalen Energie hat sie auch die wesentlichsten Betriebskennzahlen erhoben und verglichen. Dabei zeigten Unternehmen mit guten Werten an produktiver und angenehmer Energie deutlich positivere Werte auf, als diejenigen, bei denen toxische Strömungen wie korrosive Energie und Resignative Trägheit zu viel Raum finden.

Wie so oft, ist aber auch der Weg der Störungsidentifikation nicht ohne ganz eigene Herausforderungen begehbar. Wer die Energieversorgung zwar auf ihre Schäden hin untersucht, anschließend aber die Reparatur nur halbherzig angeht, verhindert die Anschlussfähigkeit. Im Kontext der Enterprise entstehen dann neue Leitungsengpässe ans Stellen, die man zuvor gar nicht im Auge hatte. Und unserem Baum würde wahrscheinlich auch in eine Schieflage geraten, wenn ihm auf der einen Seite Boden fehlt und er an anderen Stellen mit Kunstdünger bearbeitet würde.
Eine neugierige Grundhaltung, die Vorverurteilung vermeidet und die Bereitschaft aktiv in den Dialog zu gehen sind Voraussetzungen um die Basisenergie für den weiteren Betrieb sicherzustellen.
Dennoch sollten Sie sich immer wieder bewusst machen, dass es in jeder Organisation Menschen gibt, die Veränderung wollen – zumeist um sich selbst und die Organisation im positiven Sinn zu entwickeln – und andere, denen das bewahren am Herzen liegt, bzw. die jede Veränderung ihres gewohnten Umfeldes kategorisch ablehnen.
Was auch immer Sie tun, wie werden wahrscheinlich die „Hardliner“ dieser beiden Positionen über kurz oder lang an den Arbeitsmarkt verlieren. Reflektieren Sie also zuvor welchen Wert diese jeweils für ihr Geschäft haben, bevor sie riskieren, dass die falschen 20% gehen.
Betrachtet man die oben angeführten Stoplersteine und die VUCA-Welt Perspektive, so ist in den meisten Unternehmen allerdings eher Entwicklung als Stagnation das Gebot der Stunde.

Raum ist eigentlich genug da. Bei Licht betrachtet ist das in den meisten Organisationen steckende Potenzial bereits riesig. Nur nutzen wir zumeist höchsten 2/3 davon. Gut 30% lassen die meisten Unternehmen ungenutzt, einfach weil sie Mitarbeitern mit strengen Regelwerken, unflexiblen Prozessen, unklarer Kommunikation und fehlender Information das notwendige Arbeits-Raum-Material verweigern. Machen Sie sich einfach mal bewusst wie und an welchen Stellen starre Regeln sie oder ihre Mitarbeiter ausbremsen oder wo es neben der formalen Führung auch informelles „Leadership“ der gut vernetzten Multiplikatoren gibt. Unternehmen, die dies erkannt haben und flexible Prinzipien sowei gute Vernetzung für sich nutzen öffnen allein damit schon den Raum für mehr Leistungsbefähigung.
Jeder neu entstehende bewusst ausgestaltete „Experimental-Raum“ fördert die Entwicklung sowohl der Mitarbeiter als auch der internen und externen Zusammenarbeit. Das persönliche Er-Leben ist wichtig um Selbst-Erfahrung und Perspektivwechsel zu ermöglichen. Mehr Raum für den direkten Austausch von Wissen und Meinungen, besserer Informationsfluss und Transparenz sind – sosehr sie auch im Kontext Reiz- und Informationsüberflutung in ein Dilemma führen können – wichtige Punkte dieser Betrachtung.
Das Licht bringt aber auch, so zeigen es etwa Fallbeispiele aus dem Fundus der AgilityINsights Diagnostik, zutage, wo Ideen in der Bürokratie versanden oder wo Selbstwahrnehmung und Kompetenzbasis nicht zueinander passen. Punkte die es in jedem Fall aufzugreifen und zu bearbeiten gilt.
In meinem Baumbeispiel höhlen dies strukturellen Probleme wie eine Krankheit oder Insektenbefall den Stamm aus und lassen ihn bei übermäßiger Belastung brechen.
Doch Raum geben bedeutet auch Macht- und Kontrollverlust. Die wohl größten Angstmacher im modernen Management. Allerdings ist es für diese Ängste längst zu spät. Kontrolle und Macht sind, in der heute oftmals verbreiteten Definition, ohnehin überkommene Relikte der Vor-Internetzeit. Auch ein Grund warum man diese Begriffe, und damit auch gleich den Begriff „Erfolg“ für sich selbst ebenfalls bewusst reflektieren sollte.
In der heute, nicht nur in den jüngsten Generationen verbreiteten Wahrnehmung, besitzt derjenige „Macht“, dessen Ratschlag man gerne freiwillig befolgt und der damit dank seiner Reputation großen Einfluß auf sein Umfeld hat. Kontrolle – und insbesondere die Kontrolle von Information und Kommunikation – ist nicht mehr möglich. Wie sehr die „neue Öffentlichkeit“ sich in Unternehmen hinein auswirkt, zeigt in ganz großem Maßstab das VW Dieselgate.
Wie reagieren Menschen darauf, wenn sie plötzlich neuen Raum zum Beispiel für das Einbringen ihrer unkonventionellen Kompetenzenssets, Ihrer Ideen, zur Kooperation und zum (gemeinsamen) Lernen, kurz neue Erfahrungsräume erhalten?
Auf das plötzliche erlangen eines neuen, lange ersehnten und als erstrebenswert angesehenen Raums reagieren vielen mit einer ausgelassenen Feier – oder einer heftigen Krise. Die ARTE Dokumentation „Mein wunderbarer Arbeitsplatz“ zeigt wie u.a. bei Poult, einem französischen Lebensmittelhersteller, die vom neuen Geschäftsführer übertragene bekommene absolute Freiheit zu Parties der Mitarbeiter führt. (Wie sehr müssen sich diese zuvor als geknechtet empfunden haben?!) Ebenso kann sich aber auch das Gefühl massiver Überf
rderung breit machen.
Beim Übergang von einem entmündigt Arbeitsdasein in ein erwachsenes Berufsleben durchlaufen einige zunächst ihre, wie ich es nenne, „Berufspubertät“ in der sie lernen mit den neuen Anforderungen und der Verantwortung klar zu kommen. Auch dies sollte auf dem Weg berücksichtigt und unterstützt werden.
Um mein Baumbeispiel noch einmal aufzugreifen: Aus der stabilen Basis, in der das Samenkorn im Form einer Vision Menschen an der Basis inspiriert hat diese Idee umzusetzen, ist ein kleiner Stamm mit Blättern entstanden. Wie biegsam dieser Stamm ist, oder wie agil er sich in seiner Umwelt verhält, hängt dabei davon ab, wie fest er verwurzelt und aus welchem Holz er ist. Während Birken sich als auch alleine stehende Erstbesiedler im Wind biegen, stemmen sich Eichen in späteren Jahren stabil gegen den Wind. Sehr ähnlich funktionieren Unternehmen, allerdings mit der Option das Stammholz nach und nach umzubauen.
Manche überstehen anfangs sehr flexibel die ersten Jahre, um später gegebenenfalls in Regelprozessen zu erstarren. Andere nutzen weiterhin ihre Flexibilität um die Anforderungen der Umwelt so weit zu adaptieren, wie sie es zur Umsetzung ihrer Vision brauchen.
Gesunde Bäume an einem guten Standort berücksichtigen dabei immer ihre gesamte systemische Umwelt (Frederick Laloux würde hier seinen Punkt der Wholeness wiederfinden.
Aus Unternehmenssicht entspricht der biegsame Stamm den Regelwerken, die sich eine Organisation selbst auferlegt. Je weniger starre Regeln und je mehr Prinzipien desto flexibler ist das Unternehmen in Bezug seine Reaktion auf Umweltveränderungen.
Ist diese Flexibilität notwendig, so hilft es in der Basis Menschlichkeit stark verankert zu haben. Denn die Einhaltung von Prinzipien braucht Vertrauen und dieses – insbesondere im großen Rahmen einer Organ
sation – als Kern ebenjene Menschlichkeit, das positive Menschenbild, in dem es auch Niels Pfläging in seinem Artikel geht.
Ein wichtiger Hebel ist dabei aus meiner Sicht das gemeinsamen Bewusstsein für die Bedeutung des eigenen Beitrags und das gemeinsame Ziel, die Vision.
9 Grundprinzipien
- Menschen sind grundsätzlich gut.
- Menschen sind einzigartig und besitzen besondere Fähigkeiten, Erfahrungen und Talente.
- Menschen besitzen unterschiedlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen, die sie in den Arbeitsprozess einbringen können und sollen.
- Menschen sind offen, lernfähig und lernbereit.
- Menschen sind vertrauenswürdig.
- Menschen sind kreativ.
- Menschen handeln überlegt.
- Menschen sind fähig Transparenz zu nutzen, um sich selbst ein Bild zu machen und im Sinne der Gemeinschaft zu entscheiden.
- Menschen sind fehlbar. Werden Fehler sichtbar gemacht, so erhalten alle die Chance daraus zu lernen.
Wenn der Stamm so ausgeformt ist, gelingt es intensive Beziehungen zur Aussenwelt aufzunehmen, den Kunden attraktive Produkte anzubieten und die Potenziale und Kompetenzen aller Mitarbeiter in Lebensenergie für die Organisation umzusetzen, die diese dann wiederum im Stamm und Wurzelwerk als neue Substanz und Energiereserven einlagern kann.
Wenig verwunderlich ist wie sehr der Erfolgszuwachs auf persönlicher wie auch gemeinsamer Ebene sichtbar wird, wie z.B. die öffentlich zugänglichen Studienergebnissen aus der „Organisationalen Energie“ verdeutlichen. Kurz: Die Zahlen werden besser, die Leistungsbereitschaft steigt, Innovationsfähigkeit und Umsatz wachsen, die Fluktuation und der Krankenstand und weitere Kostenpositionen sinken.
Mit all dem entsteht sukzessive ein neues Energiesystem auf unserem Organisationsschiff Enterprise, dass sich aus der Energie der Beteiligten speist. Ein kleines perpetuum mobile.
Allerdings – ein perpetuum mobile ohne Blaupause, denn jedes entsteht anders und jedes gestaltet sich anders. DAS Vorbild, DAS Beispiel, DIE best practice existiert nicht. Es gibt „nur“ eine unglaubliche Zahl von Inspirationsquellen, die es, dank einer stetig steigenden Zahl von Veröffentlichungen in Büchern und dem www, erlauben die Elemente daraus zu erkennen und zu adaptieren, die für die eigene Struktur ebenfalls geeignet scheint. Denn – immer braucht es Anschlußfähigkeit im eigenen Subsystem. Und selten ist es vorher klar, ob einen WARP Antrieb möglich wird, oder man später auf den unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive der Herz aus Gold wechseln kann.

Was klar ist, ist dass sich Führung in diesen neuen Strukturen stark weiter entwickeln kann, ganz einfach, weil es neue wichtige Rollen gibt die ausgefüllt werden müssen. Aufgabe von Führung wird es aus meiner Sicht und sein, die Basis der Organisation zu pflegen und störungsfrei zu halten, so dass die Möglichkeiten ungehindert genutzt werden können. Es wird darum gehen, intensive Dialoge zu den wichtigsten Themen, wie der Vision, den Werten, zu Entscheidungswegen und der Strategie mit allen interessierten gemeinsam zu führen und diese vor allem gut zu moderieren. Dazu wird es notwendig sein als „Raumgeber“ und Energiefokus zu agieren, Kompetenzträger zu vernetzen und vor allem die Ohren offen zu halten um Eingangstor für neue Informationen in das eigene Team zu sein.
Welche Gestalt das Unternehmen annimmt, wie der Baum sich im Detail formt, ob es ein hidden Bonsai wird, ein Mammutbaum oder mit vielen Stämmen eines einzigen Organismus in den Himmel wächst, hängt dabei von der internen Reife des Unternehmens und den Anforderungen der Umwelt ab. Sie bestimmen ob eine streng hierarchische oder eine Netzwerkstruktur sinnvoller ist. In Anlehnung an einen Designerleitspruch gilt „(Orga-)form follows energy“. Oftmals wird eine Kombination notwendig und möglich sein, (un-)abhängig von äußeren Rahmenbedingungen, wie sie zum Beispiel im deutschen Arbeitsrecht hinterlegt sind.
Klingt komplex – Sollte man so einen Weg alleine gehen?
Ohne Frage: Man kann als Organisation einen solchen Weg hin zu einem insgesamt stimmigeren Unternehmens-Gesamtsystem alleine gehen. Viele der damit bekannt gewordenen Unternehmen sind – mangels geeigneter Unterstützer – ganz natürlich alleine vorangeschritten. Dieses Vorgehen bedarf vor allem eines hohen Reflexionsgrads im Management, das in der Lage ist die Probleme zu erkennen, zu benennen und gemeinsam mit allen zu lösen sowie eines offenen Grundklimas im Unternehmen. Wenn dies gelingt ist dies sicher ein guter Weg.
Dennoch hilft es natürlich sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, auch um mal gemeinsam über den Tellerrand zu schauen. Menschlichkeit als Grundprinzip ist glücklicherweise in vielen Gesellschaften und Kulturen sehr ähnlich verankert, s.d. man aus vielen Bereichen lernen kann. Es braucht glücklicherweise nicht unbedingt den Geheimbund der anonymen Zukunftsgestalter, Organisationshinterfrager und Hemmnisaufdecker.
Gut, wenn man den Weg im Gesamtteam des Unternehmens gehen kann und einen starken Antrieb besitzt. Es wird immer Zeiten geben in denen man sich gegenseitig aufrichten muss, um den Fokus der Aufmerksamkeit wieder auf den Fortschritt zu richten, statt im Tagesgeschäft unterzugehen – sonst wird der Weg schwierig.
Wie bei den guten Vorsätzen zum Jahresbeginn braucht es oft ein bewegendes klares Bild, eine deutliche Visualisierung der Zukunft, um über Wochen und Monate hin mit gewohnten Ritualen zu brechen und neue Verhaltensmuster und Haltungen aufzubauen.
Daher hilft – davon bin ich überzeugt, sonst würde ich meinen Job nicht machen – eine externe Supervison, und Mentoren, die die Chancen erkennen und implementierbare Konzeptkompositionen gestalten können. Diese Ermöglicher, Kopf-Gerade-Rücker und Begleiter haben oft einen unsichtbaren aber meist gewaltigen Anteil am Erfolg. Mein eigenes Arbeitsfeld und meine Kollegen betreffend kann ich sagen: „Wir müssen MITgehen und nicht voran!“
Am Ende dieses Beitrags zum Thema: „Was können wir lernen und was kann man tun“ möchte ich Niels für seinen – unbewussten – Impuls danken. Es hilft mir immer wieder selbst meine Gedanken neu zu strukturieren und zu formulieren. Das ist ein Teil meiner eigenen Reflexion.
Grafiken: Guido Bosbach
11.03.16 | Allgemein, Blog |
Der 2. Teil meiner „keine Energie zum beamen“ Trilogie
Im ersten Teil meiner Trilogie über die Voraussetzungen zur Entstehung eines neuen positiven Menschenbilds in Unternehmen konnten Sie lesen, warum es meiner Ansicht nach nicht funktioniert einfach einen Schalter umzulegen und uns selbst umzupolen. In diesem Beitrag nun gehe ich auf die drei wesentlichsten Bereich ein, die unsere Arbeitsenergie ungenutzt abfließen lassen.
In drei Bereichen fließt unsere Energie ab – wie können wir sie retten?
Die etablierten Störungen
Im ersten Teil hatte ich sie schon genannt, die vielen kleinen und großen Stolpersteine mit denen wir täglich zu tun haben, zu lästigen aber tolerierten Gewohnheiten geworden sind. Doch – so leid es (mir) tut: Solange man mit einer Vielzahl solcher Hemmnisse und solcher Klötze am Bein zu tun hat, ist die Idee ein anderes Menschenbild oder „Arbeiten X.0“ zu etablieren ein Luxusproblem.
Welche Entwicklungs- und Bewusstheitsstufen teilweise vonnöten sind, zeigen einige Titel der aktuell gängigen Literatur auf wie etwa „Reinventing Organizations“ oder „Tribal Leadership“. Die dort dargestellten Schritte sind auf dem Weg allein schon deshalb für manche wichtig, weil Sie Lernerfahrungen „am eigenen Leib“ ermöglichen. Meine eigene „Passion“ für das Thema „Zukunft der Arbeit“, zeitgemäße Organisationsgestaltung und Leadership entstammt zu einem guten Teil auch meiner ganz persönlichen negativen wie auch positiven Erfahrungen als Teil klassischer Hierarchien.
Anderseits bestehen gute Chancen, dass Organisationen, die den Willen entwickeln sich einer neuen, positiven Art der Zusammenarbeit anzunähern, erfolgreich diese Entwicklung durchlaufen, wenn der Weg erst geebnet und das Fundament stabil ist.
Für diese Stabilität sorgt eine Art Baukasten an ausgewogenen und das jeweilige Gesamtsystem beachtenden und dieses vor allem mit einbeziehenden Kernthemen. Zu dieser Sammlung gehören aus meiner Wahrnehmung ganz herausragend immer die drei großen „V“: Vision, Vertrauen, Verbundenheit, aber ebenso Kommunikation, Ratio, Intuition, Resilienz und ein gemeinsames Verständnis für die Verantwortung, die das Unternehmen übernimmt und im Gegenzug von seinen Stakeholdern einfordern muss.
Ziel ist die latente Unsicherheit aus dem System auszuphasen stattdessen der Wahrnehmung von persönlicher und gemeinsamer Sicherheit den Boden zu bereiten.
Insbesondere Agilität und ein positives Menschenbild brauchen ein stabiles Fundament. Sonst schießt die nächste kleine Krise alle zusammen zurück auf die Rückseite des Mondes.
„Agilität braucht ein stabiles Fundament.“ Lukas Michel
Zeit- und Energieräuber
Kennen Sie die eigentlich, diese kleinen Zeit- und Energieräuber, die zum Beispiel Lars Vollmer immer wieder sehr pointiert beschreibt. Es sind die vielen, aus den „guten alten“ Zeiten langsamerer Kommunikation und weniger gut ausgebildeter Mitarbeiter, übernommenen und immer weiter verkorksten Dinge, wie etwa Projektampeln, Statusreports, Zielvereinbarungen & Mitarbeitergespräche, Boni, unstrukturierte Meetings, Joure-Fixe, Dienstwagen- und Reisekostenregelungen, Präsenzpflicht oder Wissensleistung die in Arbeitszeit gemessen wird. Kurz, die viele Bürokratie und überholten Strukturen, die (fast) ausschließlich dazu zu dienen scheinen, das Misstrauen gegenüber den loyalen Mitarbeitern in geordnete Bahnen zu lenken. Genauso sind Intransparenz, lange Entscheidungswege, Machtgehabe und Abteilungsfehden vor allem eins: Tödlich für eine adäquate Nutzung der vorhandenen Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit. Sie sind das genaue Gegenteil der Leistungsbefähigung, die die zentrale Aufgabe von Führung und Organisationsstruktur ist.
Hier wird oftmals eine unglaubliche Reifedivergenz sichtbar. Haufe bezeichnet diese im „Haufe Quadranten“ als „Schattenorganisation“ – die meisten kennen es als gut vernetzte unbürokratische Zusammenarbeit. Kommen zu dieser Reifedivergenz zwischen der Organisationsstruktur und den Mitarbeiter noch Divergenzen in anderen Dimensionen – in Richtung der übrigens Stakeholder und etwa des Marktes hinzu, dann lebt dieses Unternehmen eigentlich schon längst in einem Paralleluniversum.
Das 4+dim Maturity-Model hilft hier den Blick zu fokussieren, denn es ist der Fokus der Aufmerksamkeit der – nach den Prinzipien des „Inner Game“ von Tim Gallwey – dringend hinterfragt und geklärt werden muss.

4+ dim Maturity Model (c) 2016, Guido Bosbach
Oder sind sie nicht durch zu viele e-mails abgelenkt? Wachsen ihnen die immer individuelleren Anforderungen ihrer internen und externen Kunden nicht auch längst über den Kopf? Dies ohne die Möglichkeit auf normierte Standards ausweichen zu können, denn normierten und standardisierten Durchschnitt wollen wir alle längst weder haben noch sein.
Wenn ihre Auslastung bei 100% liegt, dann sollten sie vielleicht doch mal etwas zur Warteschlangenformel bzw. „Littles Gesetz“ nachlesen (z.B. in Schwarmdumm von Prof. Dr. Gunther Dueck).
Oder befinden Sie sich nicht in einem ständigen, stetig wachsenden Informations- und Kommunikationsoverflow? Mr Checkofs Trikorder würde dauerpipsen vor lauter Informationen.
All das und noch vieles mehr verhindert wirksam, dass sich die Kommunikation verbessert, Themen umfassend transparent gemacht werden können, dass Strukturen sich bedarfsgerecht „fluide“ anpassen und dass Entscheidungen schnell und mit maximaler Kompetenz getroffen werden. Sie verhindern damit den Fluß produktiver Energie und nicht zuletzt auch die Verankerung eines positiven Menschenbilds.
Als kleinen Zwischenimpuls möchte ich Ihren Blick auf eine gängige Verwechselung leiten: Wir verwechseln häufig hierarchische zugewiesene Entscheidungsbefugnis mit Entscheidungs-Kompetenz – etwa so, wie wir Noten mit Wissenserwerb verwechseln. Zumindest im letzten Kontext ist klar, dass Noten, die ein Lehrer vergibt von vielem abhängen. Vom Gesamtsystem Schule, von den Unterrichtsmaterial, von der Lernumgebung, vom Klassendurchschnitt, von der Lehrkompetenz und ganz am Ende auch – aber eben nur zum Teil – vom nachweislich erlangten Wissen.
Diese Erkenntnisse scheint uns im Berufsalltag manchmal zu fehlen. Aber das sind nur einige der Probleme über die wir täglich stolpern.
Packen Sie doch mal eine imaginäre Lupe und eine gedachte Goldwaage aus und betrachtet jede Regel, jeden Prozess, jede Struktur mal genauer. Wägen Sie ab, ob starre Regeln hier helfen, oder ob ein wenig mehr Flexibilität (statt ständige Ausnahmen) nicht vielleicht doch helfen.
Aber, auch wenn ich die Goldwaagen Metapher liebe, sie hilft leider nur die oxidierten Leitungen und die verschmorten Platinen im Energiesystem des Raumschiffs Enterprise zu finden. Sie hilft nicht dabei das Gesamtsystem zu betrachten. Hier braucht es dann Ansätze wie die von Lukas Michel hundertmal angewandte und wissenschaftlich validierte AgilityINsight Diagnostik, die die Störungen in den Kontext des Organisationssystems stellt, für das Top-Management sichtbar macht und damit auf dieser Ebene einen Dialog darüber anstößt, welche Kabelschächte zu eng geworden sind und wo ganz neue Aggregate ausgebaut oder erneuert werden sollten.

Leadership Scorecard (TM) aus dem Buch „Management Design“ von Lukas Michel
Denn, diese vielen von Michael Ende in Momo schon vor langer Zeit als Zeitdiebe bezeichneten Dinge, erhöhen den Krankenstand, erhöhen die Fluktuation und bringen dabei gerade „die Weiterentwicklungstreiber“ in der Organisation dazu zu gehen. Sie erhöhen den Druck auf die Verbliebenen, reduzieren die Motivation und wirken damit massiv nach außen. Unzufriedene Kunden entstehen (auch) durch demotivierte Mitarbeiter und motivierte Mitarbeiter besitzen in vielfacher Hinsicht Mehr-Wert. Einer der Gründe warum Vineet Nayar HCL Technologies mit der Idee des „Employees first, customers second“ retten konnte.
Eines der deutlichsten Symptome für die Masse an kleinen und großen Störungen, die das Gesamtsystem der Organisation beeinflussen, ist der im Management oft geäußerte Notwendigkeit eines Kulturwandels.
Wann immer sie das hören, denken Sie an die Lupe, die Goldwaage und die Betrachtung des Gesamtsystems! Das alles bitte BEVOR sie sinnlos einen Kicker und Obstkörbe bestellen.
Dabei – ganz nebenbei: Kultur kann man nicht „wandeln“. Kultur IST.
Sie ist das Ergebnis all der Werte, Ideen, Wünsche, Ausdrucksformen, Regeln und Sozialisierungen der Menschen (und der Strukturen), die es in einer Organisation und in ihrem Umfeld gibt. Sie können Kultur fördern, sie können mit gutem Beispiel vorangehen. Sie aktiv zu „wandeln“ oder zu „entwickeln“ geht einfach nicht.
Wunderglaube ist hier leider auch fehl am Platz. Wann immer sie an diesen tief verankerten Problemen arbeiten – Veränderung braucht Zeit. Die Logik: „Problem erkannt, Problem gebannt“ funktioniert – aber es dauert. Haben Sie schon mal eine Diät gemacht und dabei ihre Lebens- und Essgewohnheiten geändert, oder versucht mit dem Rauchen aufzuhören? Vieles ist Gewohnheit und es braucht, wie man sagt, mindestens 21 sehr achtsame Tage um auch nur einen guten Anfang zu schaffen. Schon drei Wochen können verflixt lang sein! Ein Prozess der so in die Tiefe geht, wie der eine Organisation zu verwandeln dauert hingegen manchmal Jahre – und endet im Grunde nie wirklich.
Die VUCA-Welt und das Tagesgeschäft
Während wir uns damit selbst ohnehin schon – lange geübt – ständig Knüppel zwischen die Beine werfen, sind wir in den Weiten des Alls längst in einer neuen Galaxie gelandet, die unsere volle Aufmerksamkeit einfordert: Der VUCA-Welt.
Sie kennen die VUCA-Welt sicherlich bereits bis zum abwinken, oder? Volatil, Unsicher, (C)Komplex und (A)Vielfältig geht es hier zu. Bei Themen die im Zusammenwirken größerer „Systeme“ ist VUCA, und dabei vor allem Komplexität, keine Ausnahme mehr, sie ist die Regel – nur in Regeln fassen lassen sich solche Anforderungen nicht mehr. Aus Sicht planungsgewohnter Manager Chaos pur.
Doch: Die Angst vor dem Kontrollverlust verhindert, dass wir mit dem was früher Chaos war heute agil umgehen können.
Da wo VUCA auf die Strukturanpassungen der letzten Jahre trifft, prallt notwendige Agilität und Freiraum auf hyperoptimierte Abläufe, Kostendruck, Ressourcenengpässe und maximale Dauerauslastung. Da ist kaum Raum für ein bewusstes durchatmen, für die Lupe und die Goldwaage, denn alles ist schon 3mal betrachtet, abgewogen und verschlankt.
Das führt dazu, dass, um dem Chaos Herr zu werden, mit noch mehr Regeln alles noch eindeutiger gemacht wird.
Das war bei der Steuergesetzgebung auch mal so. Heute ist das deutsche Steuerrecht das umfangreichste der Welt – und niemand, wirklich NIEMAND blickt da mehr zu 100% durch.
„Moderne Manager haben Zeit, über das Wesentliche nachzudenken. Ein Manager wird dafür bezahlt, daß er die großen Fragen seines Unternehmens sauber durchdenkt.“ Peter Drucker
Selbstreflexion?!
Der von Peter Drucker eingeforderte geistige Freiraum zur Reflexion der großen Fragen wird zu 99% vom Tagesgeschäft und der Behandlung der Symptome der tief verankerten Störungen aufgefressen. Ein paar Manager leisten sich zwar Coaches, um wenigstens auf persönliche Ebene die Geschehnisse regelmäßig einem Perspektivwechsel zu unterziehen. Auf organisationaler Ebene sind Mentoren die ganze Teams, Abteilungen oder auch das gesamte Unternehmen durch gemeinsame Reflexionen führen jedoch noch extrem selten. Damit fehlen auch Anlass und Gelegenheit die Entwicklungsgrade von Organisationsstrukturen und der jeweiligen individuellen Rolle und Ausgestaltungsfähigkeit der Mitarbeiter abzugleichen. Punkte bei denen zum Beispiel der oben bereits angesprochene „Haufe Quadrant“ oder – in umfangreicherem Kontext unter Einbezug der Stakeholder – mein „4+ dim. Maturity-Model“ ansetzt.
Fehlt dieses bewusste in sich gehen, bleiben leicht erkenn- und nutzbare Entwicklungsmöglichkeiten – zum Nachteil von Mitarbeiter und Unternehmen – einfach liegen.
Selbstwirksamkeit findet keinen Boden, Bereiche in den Mitarbeiter sich einbringen möchten, werden abgewürgt und Wertschöpfung findet nur weit unterhalb der Potenziale statt weil Wertschätzung fehlt.
Jedoch bergen (pro-)aktiv von den Mitarbeitern eingebrachte Ideen und der transparente und offenen Austausch über Chancen, Wünsche und Fähigkeiten aus Sicht der etablierten Führung viele Risiken und Konfliktpotenzial. Anderseits bringen sie den oft lange ersehnten Schwung in den Laden.
Wenn man dieses Spannungsfeld mit seinen großen Herausforderungen verstanden hat, kann man beginnen es zu gestalten und im Sinne einer positiven Weiterentwicklung gestalten.
Um das auch klar gesagt zu haben: Natürlich können Sie mit ganz einfachem Methoden und Hacks beginnen im kleinen Dinge zu verändern. Ich empfehle das selbst im geeigneten Kontext immer wieder. Sie sollten sich nur bewusst sein, dass sie damit – sofern Sie nicht zuvor die Ursachen in Tiefe verstanden haben und die Hacks in diesem Zusammenhang anwenden – oftmals nur an den Symptomen kratzen.
Auch wenn der Schalter zum beamen eine andere Farbe hat – die Energie fehlt dann dennoch weiterhin.
Verstanden!
Und jetzt?
Niemand startet mit einem solchen Unterfangen einfach ins Blaue hinein – und niemand aus dem Blauen heraus. Es braucht den konkreten Anlass für die Veränderung, oder im Kontext der „Enterprise“ für den Versuch zu beamen. Niemand geht eine solche Transformation an, wenn man nicht ohnehin einen Neubeginn wagen will oder, aus der Wahrnehmung einer Krise heraus, wagen muss. Zugegeben, für manchen Firmen war die Ausgestaltung eines sinnvollen Miteinanders ein natürlicher Wegpunkt ihrer Weiterentwicklung (z.B. bei Valve, W.L.Gore oder Favi). Andere sind allerdings zunächst durch ein organisationales Trauma gegangen, standen am Rand der Insolvenz oder sahen zumindest den Wettbewerb vorne wegziehen (HCL).
Es braucht ein gehöriges Maß an Volition um den Rubikon der Veränderung überschreiten zu können.
Am Montag dem 14.03.2016 lesen Sie welche Grundsätze ich sehe, die bei der Umgestaltung hin zu mehr Menschlichkeit helfen können.
08.03.16 | Allgemein, Blog |
Niels Pfläging beschreibt in seinem Artikel „Warum wir von Semco und Co. nichts lernen können“ (z.B. hier, hier und hier… ), warum jedweder Versuch die Beispiele von SEMCO… nachzuahmen mit fast 100% Sicherheit NICHT dazu führen, dass sich ein einer beliebigen Organisation etwas ändert– solange zumindest, wie, wie er es nennt, die magische Zutat eines neuen „Menschenbildes“ fehlt.
Er schließt mit der Aussage: „Auf den anderen Kontinent führt keine Brücke. Niemand braucht eine solche Brücke. Denn wir können uns beamen: Man ist sofort auf dem anderen Kontinent, von einem Moment auf den anderen, wenn man aufhört, andere Menschen für „Xer“ (im Sinne Douglas McGregors) zu halten.“
Ich stimme mit Niels sowohl bezüglich der mangelnden Übertragbarkeit von Beispiele und „Best practices“ als auch bezüglich unserer problematischen Sozialisierung im Begriffsbild der „Theorie X / Theorie Y“ vollkommen überein, allerdings hat es mich beim „wir können uns beamen“ heftig durchgeschüttelt.
Ein positives Menschenbild entsteht nicht per Gedankenstromänderung von jetzt auf gleich. Das ist insbesondere in Unternehmen nicht auf Knopfdruck realisierbar. Für die meisten Unternehmen (und Menschen), die diesen Weg beschritten haben, war es ein (oft langer) Marsch durch die Höhen und Tiefen der (Selbst-)Reflexion. Dabei haben sie alle einen organisationsindividuellen Weg gefunden, mit den Herausforderungen umzugehen. Sie selbst hatten kein Vorbild – und das war wahrscheinlich ihr Vorteil. Andererseits hatten sie Vordenker in den eigenen Reihen, die Ideen hatten und Mut und Impulse geben konnten und die , nicht zuletzt auch offen mit Irrtümer umgegangen sind.
Wenn man das will, was sollte man versuchen zu verstehen?
Es gibt immer eine Vielzahl an Themen, die es verhindern, mal „eben so“ Selbstreflexionskräfte wirken zu lassen. Insbesondere, wenn es um so etwas Fundamentales wir das eigene, oder gar das gemeinschaftliche Menschenbild geht. Zu oft haben wir klare Feindbilder in Bezug auf zumindest einige unserer Kollegen, Mitarbeiter, Partnerunternehmen und auch Kunden verinnerlicht. Zu viele Störungen verhindern dass wir den geistigen und manchmal auch physischen Freiraum erhalten, um ohne Druck und Angst über diese Menschenbilder und das Gesamtsystem unserer Arbeitsumwelt nachzudenken. Zu oft steht dem gesunden Menschenverstand und dem gesundem Menschengefühl das alte Mindset entgegen, dass man Erwachsene im Job nicht erwachsen behandeln darf.
Dabei wirkt vertrackterweise der Pygmalion-Effekt. Kurz gesagt: Die Wahrnehmung des anderen steuert auch unser Verhalten ihm gegenüber. Menschen die ich für verantwortungslos und entscheidungsunfähig halte, werden sich (in meiner Wahrnehmung) verantwortungslos und entscheidungsunfähig verhalten.
Dazu gibt es in jeder Organisation tagtäglich einen Sack voll guter Gründe, die es unmöglich erscheinen lassen einen Weg wie ihn Toyota, SEMCO etc. gegangen sind einzuschlagen. Dennoch ist die Versuchung groß, auch wenn dem Top-Management bewusst ist, dass das kopieren oder nachahmen von Beispielen und „Best practice“ nichts bringt, weil das Gesamtsystem der eigenen Organisation ein ganz anders ist – ganz egal wie schlüssig die Idee und die Umsetzung beim anderen auch war.
Um im Raumschiff Enterprise Kontext zu bleiben. Beamen funktioniert in der Theorie schon. Der Transporterraum hat zumindest keine Fehlfunktion. Im Prinzip kann jeder, mit ausreichender Reflexionsmöglichkeit verstehen und wahrnehmen, dass die anderen sich selbst auch als „Xer“ sehen. Allerdings gibt es eine Vielzahl an Fehlern in der zentralen Energieversorgung, die verhindern, dass wir alle gemeinsam und sofort gebeamt werden können. Zu viel Energie geht ins umgebenden Weltall verloren, wird verschwendet und kommt nicht bei den Menschen und Systemen an. Schlimmer noch: Die Energie wird ihnen direkt entzogen. Damit fehlt uns der Freiraum für die Reflexion.
Immer wieder erhellend sind in diesem Bezug die Auswertungen zur „Organisationalen Energie“, die Prof. Dr. Heike Bruch, eine der Top-40-Köpfe des Personalwesens, mit ihrem Team der Uni St. Gallen durchführt. Hier wird deutlich, dass der richtige Mix aus produktiver und angenehmer Energie zwar Erfolgsrezept sind, aber zu viel resignative Trägheit und korrosive Energie teilweise dramatisch an der Substanz zehren.
Und noch etwas wird deutlich: Die zentrale Energieversorgung der Enterprise ist inzwischen in die Jahre gekommen, mit den Anforderungen und aufgrund der maroden Leitungen und Störungen im Gesamtsystem überlastet und schlichtweg überfordert. Zu viele Störungen, starre Regelwerke, Bürokratie, kommunikative und kulturelle Hemmnisse belasten das Interaktionssystem und direkt die Mannschaft. Sie verhindern die Führung mit raumgebenden Prinzipien und dem Standard-Betriebssystem der Raumschiffe der neuen „humaNEO“-Klasse: dem humeaning. (humeaning bezeichnet die Kombination von Menschlichkeit (human bzw. humanity) mit der persönlichen Bedeutung der Aufgabe (meaning) in der Führung und Organsiationsgestaltung.)
Was also ist zu tun, wenn doch nur ein Neubau der Enterprise, eine „NCC-1701-A“, eine umfassende Lösung verspricht? Wie kann man ein Raumschiff bauen, wenn man gleichzeitig in geschäftliche Galaxien vordringen soll, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat?
Man sollte wohl vor allem nicht versuchen die letzten Schritte vor den ersten zu gehen und es nur in Ausnahmefällen versuchen die letzten Energien für’s beamen zu nutzen. Wobei – natürlich kann auch das gut gehen. Die ARTE Dokumentation „Mein wunderbarer Arbeitsplatz“ zeigt erfolgreiche Beispiele, wie zum Beispiel den französischen Lebensmittelhersteller Poult bei denen direkt gebeamt wurde. Allerdings auch mit offenem Visier und vollem Risiko.
So wenig sich das Tagesgeschäft heute nach der „Komfortzone“ anfühlt, sie ist doch zumindest bekanntes Terrain und jeder Schritt hinaus in die panikträchtige „magic zone“ will gut abgewogen und bedacht sein.
Der Bau einer NCC-1701-A aus einer bestehenden NCC-1701 heraus ist ein langer, auf individueller UND organisationaler Ebene Selbstreflexion erfordernder Prozess, auf dessen Weg wir zunächst Strukturen und Prozesse kräftig entrümpeln sollten. Dabei ist diese Entrümpelung eine Übung, die in jedem „Organisationsraumschiff“ ohnehin regelmäßig unternommen werden sollte. Es geht dabei nicht nur im Sinne eines „Kill your Darlings“ darum, ewige Projekte sinnvoll zu beenden, sondern eben auch um all die kleinen, inzwischen wohletablierten, Störungen und Macken, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben und die einige zwar wahrnehmen, für die nie Zeit war sie richtig in Ordnung zu bringen.
Aus meiner Perspektive sind es drei Bereiche, in und an denen es sich immer lohnt zu arbeiten – auch wenn eine „alte Enterprise“ nur wieder „auf Vordermann“ gebracht werden soll.
- die etablierten Störungen
- der Einfluß der VUCA-Welt auf das Tagesgeschäft
- die individuelle und organisationale Selbstreflexion
Zunächst stellt sich jedoch die Frage: Warum sollte sich die Organisation überhaupt verändern und weiterentwickeln. Kann man den Transporterraum nicht einfach abschalten. Raumgleiter statt beamen. Ging doch früher auch?!
Commander Spocks logische Antwort wäre wohl ganz emotionslos: Natürlich kann man das – man sollte es nur einfach nicht tun.
Dennoch: Ganz viele machen das so. Damit entscheiden diese Unternehmen gleichzeitig auch, dass es für sie nicht (und dann wohl nie) zeitgemäß ist, der Zukunft Raum zu geben.
Wenn man ihn nicht nutzt, wird der Transporterraum schnell zur Abstellkammer, was dann krisch wird, wenn man ihn doch wieder zu reaktivieren möchte, sollte mal Zeit und Energie übrig sein.
Lesen Sie im zweiten Teil dieser Trilogie, wie die Energie in diesen drei Bereichen abfließt. Am Montag dem 14.03.2016 lesen Sie welche Grundsätze bei der Umgestaltung hin zu mehr Menschlichkeit helfen können.
Ab dem 14.03.2016 können Sie alle drei Teile in auf meiner website als ebook herunterladen.
29.02.16 | Allgemein, Blog |
Wie schön ist es doch zu erkennen, wenn dass man wieder eine Gelegenheit erhalten hat etwas wichtiges zu lernen.
Ich möchte Sie einladen meinen neuesten Smart Failure mit mir zu reflektieren.
Was ist passiert?
Eigentlich etwas ganz unspektakuläres. Etwas, dass jeden Tag hunderte Male geschieht. Ich habe auf einer Veranstaltung eine Keynote zu einem meiner Kernthemen, der „Zukunft der Arbeit“, gehalten. Im Vortrag ging es um aktuelle Unternehmenswelten über die langsam der VUCA Nebel aufzieht. Und es ging um die Chance – analog zu einer Bergtour – den Weg in Richtung einer veränderten Arbeitswelt zu gehen. Es ging um die Vorbereitungen die man treffen sollte, die Herausforderungen auf dem Weg, die Fähigkeit sich an der Veränderungen der Umwelt anzupassen und es ging darum, nach Prinzipien zu handeln die es dem Team erlauben sich zu 100% einzubringen. Prinzipien, die den Mensch im Fokus halten und ihm Raum geben, statt ihn einzuengen.
Wo lag der Fehler?
Keynotes – so wie ich sie wahrnehme – leben davon, dass vorne jemand steht, der mehr oder weniger perfekt versucht, sein Wissen, seine Wahrnehmungen oder auch seine Meinung dem Auditorium zu vermitteln. Ein Akt der versucht beim Zuhörer Bilder im Kopf entstehen zu lassen, um diese seiner Erfahrungswelt und seinem Wissen in Resonanz zu bringen. Doch bleibt ein Frontalvortrag eine 1 zu N Beziehung zwischen einem Sender und vielen, in diesem Moment unvernetzen und untereinander von der Kommunikation abgeschnittenen Empfängern.
Erkennen Sie den Fehler?
Um Sie nicht weiter mit Sugestivfragen zu nerven: Aus meiner Sicht verschenkt ein solches Format das enorme Potenzial, dass sich aus einem früher geöffneten multilateralen Dialog ergeben könnte.
Es verschenkt das Potenzial, dass entsteht, wenn viele den Raum bekommen ihr Wissen und ihre Erfahrung in den Ring zu werfen, wenn die Anknüpfungspunkte sich plötzlich multiplizieren und wenn aus „1 zu N“ plötzlich „M zu N“ wird. Dabei tritt immer wieder zu Tage, wie viel Wissen – gerade zum Thema neue Arbeitswelt – viele schon in sich tragen. Wenig erstaunlich, wenn man sich klar macht, dass es im Kern vor allem auf gesunden Menschenverstand und ein gesundes Menschengefühl ankommt.
Nun mag ich vergleichsweise viel Wissen im Kontext „Arbeiten 4.0“ besitzen, einfach weil ich mir den Luxus leiste, dies zu einem meiner Kernthemen gemacht zu haben. Dennoch werde ich, wie auch niemand sonst, jemals das gesamte ganze Wissen zu dem Thema in mir tragen können, allein schon weil es dazu mehr Wissen gibt als ein einzelner Mensch je wird erfassen können.
Auch wenn mir viel daran liegt diese Grundwissen zu verbreiten, so hilft diese Verbreitung wenig, wenn nicht zugleich auf der anderen Seite Tiefe entsteht. Tiefe die auch dadurch entsteht , dass man Erkenntnis in eigene Worte fassen kann.

Eine Lösung: Moderierter Impulsdialog statt Keynotes?
Natürlich mag das eine sehr subjektive Wahrnehmung sein. Ich zumindest habe mich schon während meines Slot extrem über mich geärgert, weil ich das Gefühl hatte – zumindest für die Dauer des Vortrags – dem Auditorium einen Teil seiner Lebenszeit gestohlen zu haben. Stattdessen wäre es leicht gewesen, nach kurzen prägnanten Impulsen immer wieder den Raum zur gemeinsamen Diskussion und Reflexion zu öffnen. Das Ergebnis wäre (wahrscheinlich) deutlich mehr Anschlussfähigkeit, mehr Erkenntnisgewinn und damit damit mehr persönlicher Nutzen gewesen – dies nicht zuletzt auch bei mir, denn auch ich lerne aus jeder Kommunikation und jedem (divergenten) Meinungsbild.
Was also kann ich tun?
Impuls-Dialoge sind das für mich derzeit stimmigste Konzept. Kurze Impulse von wenigen Minuten (oder Sätzen), die in wenigen fokussierten Reflexionsfragen münden. Dies mit der sofortige Möglichkeit zur Diskussion, gepaart mit der Option den Impuls, die Fragen und den daraus entstehenden Dialog sacken zu lassen. Damit gibt es insbesondere kein abschließendes Fazit, keine zusammengefasst Kernbotschaft – dies kann nur jeder selbst ziehen.
Doch: Dies fordert sowohl das Auditorium wie auch den Impulsgeber deutlich stärker. Andererseits erzeugt es mehr Anschlussfähigkeit in der Welt des Zuhörers und damit die einzigartige Chance, dass der Impuls tatsächlich anstößt und die Energie erhalten bleibt.
Eins ist noch wichtig!
Mit diesem Format findet der Dialog plötzlich nicht mehr in der optimal geschützten Gedankenwelt des Einzelnen statt. Die Gedanken sind plötzlich nicht mehr frei, sondern dem (manchmal) kritischen Urteil der übrigen Zuhörer ausgesetzt. Damit gewinnt etwas an Bedeutung, das im bekannten Set-up negieren werden konnte: Der „geschützte Raum“ und die vertrauenswürdige Umgebung.
Offenheit für einen ehrlichen und tief gehenden Austausch entsteht oft nur, wenn man sicher ist in einer Gruppe zu sein, die ähnlichen Problemen und Herausforderungen zu kämpfen hat. Denn – seien wir ehrlich: Kein Geschäftsführer wird seine unternehmerischen oder Führungsprobleme in einer Runde ansprechen, die ihm nicht 100% Vertraulichkeit und Diskretion garantiert. Doch – diese Runden sind selten. Dennoch lohnt es sich sie zu gestalten, oder auch „nur“ auf der eigenen Geschäftsführungsebene in den Dialog zu gehen. Denn maximaler Erkenntnisgewinn sollte immer das Ziel spannender Impulse sein.
23.02.16 | Allgemein, Blog |
Das war er also, der #NextAct.
Diese hochkarätig besetzte Veranstaltung, organisiert vom omnipräsenten Winfried Felser, Geschäftsführer der CompetenceSite und Vernetzungsspezialist (mit spätestens jetzt auch > 1.000 Followern auf Twitter – wer noch mag: https://twitter.com/WinfriedFelser). Er hatte eingeladen und gut 100 Vordenker, Vorreiter und Vorgestalter aus Bereichen wir Marketing, HR, Industrie 4.0, Digitalisierung aber auch systemisch übergreifend der „Zukunft der Arbeit“ waren dem Ruf gefolgt und hatten sich im bauwerk Köln zusammengefunden, um sich auf hohem Niveau und möglichst direkt auszutauschen. Das Etablieren eines „360° Kompetenznetzwerks“ aus Innovatoren, Wissenschaft, Verbänden, Medien, Theoretikern und Praktikern war das – absolut erreichte – Ziel.
Und es war viel Neu und Next beim #NextAct. Neu und Next war für einige sicherlich der im wesentlichen gelungene Versuch eine Konferenz – gestartet wurde mit einem prominent besetzten Expertenpanel, wobei sehr viele der Gäste, wenn gleich nicht alle so bekannt und prominent, ebenso gut ins Panel gepasst hätten – „open spaciger“ zu machen. In diesem Kontext ist auch zu verstehen, dass sich auch in den folgenden Sessions ab und an das klassische Format durchsetzte. Immerhin war dort dann oftmals das Panel in der Session Auslöser für mehr „Passion“.
Doch bevor hier der Eindruck entsteht, es gäbe viel Kritik zu äußern – dem ist ausdrücklich nicht so – , möchte ich hier lieber ein zwei der vielen großartigen, zum Nachdenken anregenden und damit lehrreichen und inspirierenden Sessions, Gespräche und Diskussionen thematisieren.
Mit sechs parallelen Session in fünf Slots und einem gleichzeitig immer auch gefüllten „Netzwerkbereich“ galt, was bei open space immer gilt: Ich konnte nicht überall sein und mir immer nur, dem „Gesetz der zwei Füße“ folgend das heraussuchen, was mich wirklich angesprochen hat.
Ganz Mensch, bin ich nach der Dichte und Tiefe der Gespräche und nach drei Tagen der Reflexion über das Gesagte heute ohnehin nicht mehr in der Lage einen neutralen Bericht aus der Session zu geben. Wohl aber möchte ich meine alten und neuen Erkenntnisse hier zusammentragen.

In inspirierender Begleitung meines Kollegen Lukas Michel und mit vielen meiner real und digital Bekannten, wie Lars Hahn, Joachim Haydecker, Jan Westerbarkey, Harald Schirmer, Thomas Sattelberger, Roman Rackwitz, Ursula Vranken, Frank Widmayer, Lutz Becker, Stephanie Borgert, Niels Pfläging, Silke Hermann, Ralf Gräßler, Klaus Pohlmann, Klaus Janowitz, Roland Panter, Erwin Stickling, Richard Straub, Andreas Zeuch, Heribert Meffert, Anne Schüller und dem später Online zugeschalteten Stephan Grabmeier – um nur eine Auswahl zu nennen – (auf Prof. und Dr.-Titel verzichte ich in diese Liste ganz bewusst) war für mich sofort eines der Grundelemente guter Gespräche und Vernetzung gegeben: Vertrauen und Verbundenheit in der und für die gemeinsame Sache.
Wie wunderbar der „Open Space“ Grundsatz des gleichberechtigten Austauschs auf Augenhöhe auch hier funktionieren, zeigte sich in den wirklich enorm konstruktiven und multiperspektivischen Diskussionen innerhalb der Sessions. So zum Beispiel in der Runde zu „NextEducation“ und der Frage nach der Ausbildung von Managern oder auch in dem Diskurs zum „Betriebssystem“ von Organisationen.
Das Thema „Edukation“, eigentlich als „pädagogische Einflussnahme auf die Entwicklung und das Verhalten“ definiert, war Thema einer der beiden für mich spannendsten Sessions, ging es doch – u.a. gemeinsam mit Prof. Meffert – um das Thema, wie man Manager und Mitarbeiter dazu anregen kann „auf den Weg zu gehen“ und sich aus den tradierten Strukturen hinauszubewegen.
Herausfordernd – wenngleich nicht neu – war die konkrete Fragestellung des Praktikers Jan Westerbarkey „Wie kann man es denn nun machen?“.
Mein hier in den Raum geworfenes sehr umfassendes Credo: Freie und (ergebnis-)offene Lernräume schaffen, interdisziplinär und organisationsübergreifend vernetzen, coworking, cocreation, colaboration, Lernen durch die Vermittlung von eigenem Wissen und Kompetenz. Fehler zulassen aber minimieren und Neues ausprobieren und aus Irrtümern möglichst viel lernen. Zusammen-Arbeiten um Kompetenz, also Wissen und Erfahrung entstehen zu lassen und zu teilen.
Warum das alles? Warum sollten klassische Fortbildungen nicht auch weiterhin ganz einfach funktionieren?
In der (neuen) Welt geht es weniger darum Wissen zu besitzen, sondern darum zu wissen, wo das aktuellste Wissen verfügbar ist, um dann die Kompetenz, d.h. auch die Erfahrung zu besitzen dieses Wissen im konkreten Fall reflektieren und ggf. anwenden zu können.
Damit geht es im Kern um die Aufgaben, die „Personalmanagement“ und „Human Relationship“ in der ZUKUNFT auf ihre Fahnen schreiben sollten: Vernetzung organisieren, die Vision und Kultur der Organisation nach außen tragen, um so als Magnet für neue interne und externe Netzwerkmitglieder zu agieren. Ein Magnet der neue Teilgeber anzieht, aber zuweilen auch dazu dienen muss zu polarisieren und „nichtkompatible“ abzustoßen.
Wobei auch Ablöseprozesse klug und mit dem Fokus auf die Menschen, sowohl die im Team verbleibenden und die, die Orga verlassenden, gehandhabt werden müssen. Aber das ist ein anderes Thema.

(c) Lutz Becker
Wissen ist heute immer und überall meist ganz einfach „da“. Zur Wissensvermittlung reichen Bücher, YouTube, Podcasts und MOOC’s aus. Dazu braucht man keine Frontalveranstaltungen mehr. Die digitale Onlinewelt erlaubt Wissen „von den Besten“ direkt, unmittelbar und ohne Umwege zu erfahren.
Auf der anderen Seite braucht jeder, ob Mitarbeiter, Führungskraft oder Vorstand, für den Aufbau von echter Kompetenz den Raum sich und das neue Wissen auszuprobieren, auf Kompatibilität zu überprüfen, um dann das eine oder das andere anzupassen. Das dabei zuweilen bei den Einzelnen oder in ganzen Organisationen sehr unkonventionelle Kompetenzsets entstehen, sollte heute eher Ziel als Makel sein. Heterogenität bei guter Vernetzung, Kommunikation und viel Vertrauen zeichnet nicht umsonst Hochleistungsteams aus.
Entsprechend ist es eine der neuen Aufgaben von Führung – und damit wenn die Offenheit besteht in diese Rolle zu gehen, auch von HR nach neuer Bauart, es den Mitarbeiter auf allen Ebenen schmackhaft zu machen, ihre persönliche Komfortzone zu verlassen, um zu erleben, dass die dahinter beginnende „magic zone“, in kleinen Schritten erlebbar gemacht, interessante neue Ein- und Ausblicke liefert und beim persönlichen wie gemeinsamen Wachstum hilft.
Überhaupt ist dieser Wachstumsbegriff – der des gemeinsam und persönlich Wachsens – der, der für Unternehmen in Zukunft weit mehr Bedeutung tragen wird, als das pure und immer mehr begrenzte wirtschaftliche Wachstum. Wie Menschen können „innen“ immer weiter wachsen, was zumeist auch auf unsere Umwelt und unser Umfeld enorm positive Wirkung besitzt. Aus diesen inneren Wachstum entstehen neue Ideen, neue Produkte und mithin neues Geschäft.
Die magic zone als persönlicher Lern-FreiRaum
NextHR: Zugegeben, ich war nur kurz in der Session zur neuen HR, bevor mich meine Füße wieder dort hinauszogen. Zu sehr stand bis zu diesem Zeitpunkt ein, aus meiner sehr in die Zukunft blickenden Wahrnehmung, tradiertes HR-Bild im Vordergrund. Begrifflichkeiten wie „Personal & Kulturentwickelung“ sind (für mich) nicht nur im Wording, sondern auch in der Haltung nicht mehr zeitgemäß. Für mich „ist“ Kultur, man kann sie fördern, jedoch nicht im Detail gestalten, entwickeln oder machen. Kultur entsteht aus dem Sammelsurium der Ideen, Persönlichkeiten und vor allem der Kommunikation und der gemeinsamen Werte und Prinzipien der Menschen die in einer Organisation zusammenkommen. Hier ist der oben genannte Magnet gefragt, ob sehr verschiedenen, vielfältige und zugleich „passende“ Mitspieler in das Netzwerk zu bringen.
Viel, was mich mit meiner Sicht auf die Relevanz des „Fokus Mensch“ bestärkt, durfte ich auch in und nach der Session zum „Neuen Betriebssystem“ verinnerlichen. Niels Pfläging dröselte hier in bekannter Manier seine Sicht auf drei grundlegende Betriebsysteme in Organisationen auf. Die Orga-struktur und das Geschäftsmodell prägen ohne Frage. Spannend wurde die Diskussion zum dritten Betriebssystem, das aus meiner Sicht in seiner Wirkung deutlich die anderen beiden übertrifft.
Hier stehen aus meiner Sicht alle Zeichen auf „den Menschen“ und die Reduktion altbekannter Regeln auf ein neues „maximal, minimales“ Set an Prinzipien. Es geht also um nichts weniger als einen neuen, klaren und flexiblen „modus collaboranti“.
Maximal minimal (also optimal) in dem Sinn, dass die Prinzipien das Menschenbild und die Grund- und Glaubenssätze der Organisation ausreichen gut beschreiben, und es so um ermöglichen auf dieser Basis die von ihm erwarteten Entscheidungen auch unternehmerisch und im Unternehmenssinn zu treffen. Andererseits sollten sie genug Raum lassen, um sich den zunehmend komplexen Problemstellungen zu stellen und auf diese reagieren zu können. „Prinzipien statt Regeln“ deshalb, weil sie Anpassungsfähigkeit erlauben ohne den Rahmen manchmal eben doch das entscheidende Stück zu eng zu fassen.
Unternehmen brauchen keine Regeln, sondern nur einen klaren Fokus auf den Mensch und einen neuen „modus colaboranti“
Dabei ist klar, wie schwierig es ist, dies wirklich gut zu gestalten, denn, wie Lukas Michel das immer wieder so treffend formuliert: „Agilität braucht ein stabiles Fundament“. Dieses stabile Fundament besteht, neben den Prinzipien aus einer sehr bewusst und auf den Menschen als zentralem Element der Organisation ausgerichtete Führung. Ein Führung, die die Störungen im System kennt, reflektiert und weitestgehend eliminiert, damit alle anderen möglichst frei und effektiv agieren können. Eine Führung die moderiert und in Verbundenheit und Vertrauen investiert und damit diese wiederum auch in die Organisation trägt. So gelingt es Führung ein Gesamtsystem zu erzeugen, in dem die Kompetenz für den Umgang mit komplexen Problemen Wertschätzung erhält und das damit, manchmal unkonventionelle, Lösungen möglich macht.
Alles Aspekte die im Kontext „Edukation“ in die oben angesprochene Session 1:1 hineingehört hätten.
Agilität braucht ein stabiles Fundament

(c) Roland Panter
So war er, der Teil von NextAct, der mich am intensivsten berührt hat. Ein sehr realer und physischer Teil der Digitalen Evolution die auch bei uns endlich in Gang zu kommen verspricht. Er war ein wichtiger (Meilen)Stein bei der Vernetzung der Treiber, Vordenker, Kommunikatoren und Macher. Winfried Felser gebührt mein Dank dafür, dass ich Teil dieses Events sein durfte.
Ich war nicht der einzige, der seine Perspektive auf den NextAct in digitales Papier gefasst hat. weitere Beiträge finden sich hier:
Jan C. Weilbacher: http://arbeitsgesellschaft.com/2016/02/21/aufbruchsstimmung-im-kleinen/
Lars Hahn : https://storify.com/DerLarsHahn/next-act-vernetzung
Oliver Marquardt: http://www.marquardt-strategie.de/blog/zukunft-von-marketing/
Harald Schirmer: http://www.harald-schirmer.de/2016/02/24/nextact-wenn-sich-theorie-mit-praxis-vernetzt/
Winfried Felser: https://www.linkedin.com/pulse/ist-deutschland-zukunftsfähig-wenn-mittelstand-und-meffert-felser
Ursula Vranken: http://digitalpeoplemanagement.de/next-act-2016-fuenf-fragen-an-ursula-vranken/
Die Broschüre zum Event gibts es hier: http://www.competence-site.de/nextact-die-broschuere-zum-event-fuer-die-gemeinsame-transformation/